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Was sind Methoden, was ist Empirie?

Die Physik beschäftigt sich mit der Natur, die Medizin im weitesten Sinn mit dem Körper des (kranken) Menschen; die Kommunikationswissenschaft befasst sich mit der gesellschaftlichen oder öffentlichen (Massen-)Kommunikation. Trotz ganz unterschiedlicher Erkenntnisinteressen besteht jede Wissenschaft im Prinzip aus zwei Bereichen: Den Theorien und den adäquaten Methoden, mit denen gesicherte und nachweisbare Erkenntnisse erzielt werden. Der theoretische Bezugsrahmen einer Wissenschaft umfasst die Hypothesen und Aussagensysteme über den jeweiligen Gegenstandsbereich. Mit Hilfe der Methoden versuchen Wissenschaftler, ihre theoretischen Befunde und die theoretischen Überlegungen zu begründen und zu überprüfen. Und auch für diesen Bereich gilt: Jede Wissenschaft hat ihre Methoden, wie sie ihre Gegenstände untersucht und die Ergebnisse absichert.

Ein Beispiel soll dies verdeutlichen: Die Kommunikationswissenschaft beschäftigt sich immer wieder mit der Frage, ob Gewaltdarstellungen im Fernsehen einen negativen Einfluss auf die Rezipienten, also die Zuschauer, haben. Mit den Methoden der Medizin käme man bei der Erforschung dieser Fragestellung nicht sehr weit: Es hätte keinen Sinn, an das Fernsehgerät ein Hörgerät anzuschließen und zu messen, welche Geräusche es von sich gibt. Es hätte auch keinen Sinn, zu versuchen, den Kaliumspiegel des Geräts zu bestimmen, und es wäre ebenfalls wenig zielführend, den Kaliumspiegel der Rezipienten zu erheben, weil die Wirkung von Gewaltdarstellungen im Fernsehen vermutlich nicht in einer Veränderung des Kaliumspiegels liegt. Um zu überprüfen, ob Rezipienten nach einem gewalthaltigen Film aggressiv werden, befragen Kommunikationswissenschaftler ihre „Patienten“, sie beobachten deren Verhalten während oder nach der Rezeption, untersuchen sie im Rahmen eines sozialwissenschaftlichen Experiments und erheben Inhalte von Medien mit einer Inhaltsanalyse.

Es ist offensichtlich, dass jede Wissenschaft ihr eigenes Inventar von Methoden hat. Dieses Inventar ist notwendig, um in dieser Wissenschaft zu arbeiten. Ohne die Kenntnis der fachspezifischen Methoden kann man die erzielten Ergebnisse weder verstehen noch selbst in einer solchen Wissenschaft forschen. Man muss also lernen, diese Verfahren zu beherrschen – ebenso, wie das bei einer Fremdsprache der Fall ist. Wissenschaft, also auch die Kommunikationswissenschaft, findet nicht im Elfenbeinturm statt, sondern ist öffentlich. Untersuchungsergebnisse werden in Fachzeitschriften [1] publiziert, auf Tagungen [2] vorgetragen oder in (Lehr-)Büchern aufgeschrieben. Da leuchtet es unmittelbar ein, dass man eine gemeinsame Sprache, gewissermaßen ein Gerüst braucht, um über wissenschaftliche Erkenntnisse zu diskutieren und sie nachvollziehen zu können.

  • [1] Die beiden wichtigsten deutschen Fachzeitschriften in der Kommunikationswissenschaft sind die Publizistik und die Medien & Kommunikationswissenschaft
  • [2] Die deutschsprachigen Wissenschaftler_innen sind im Wesentlichen in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) organisiert und treffen sich einmal jährlich zum Austausch neuester Erkenntnisse aus dem Fach
 
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