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Anhang

Beispiel 1:

Informationen über den Berichterstattungsprozess in der Wochenzeitung DIE ZEIT

Titel und Fundstellen

„Autonome, wofür steht ihr?“ von Amrai Coen und Henning Sussebach; „DIE ZEIT“ vom 23.01.2014 (Nr. 5), Seite 3; zeit.de/2014/05/hamburg- autonome-rote-flora-demonstrationen; zugegriffen am 25.03.2015

Beschreibung der TK-Maßnahmen

Die beiden Autoren erklären, mit welchen Fragestellungen sie an das Thema „autonome Hausbesetzer“ herangegangen sind, welche Hürden sich bei der Suche nach Gesprächspartnern auftaten und wie schwierig sich die Autorisierung des Interviews gestaltete. Sie begründen, warum sie dennoch einen Teil des Interviews veröffentlichen, und zwar mit

Pünktchen an den Stellen, wo die Interviewpartner ihre Aussagen wieder zurückgezogen haben.

Textauszüge im Wortlaut

(…) „Wir schrieben Mails und SMS, hinterließen Nachrichten in Postfächern und auf Anrufbeantwortern, redeten mit Mittelsmännern und Mittelsmännern von Mittelsmännern. Der Erste aus der Szene, der mit uns sprach – nennen wir ihn A. –, erzählte von seiner Karriere als militanter Demonstrant, vom Symbolwert brennender Bundeswehrwagen und vom Zulauf vieler zorniger junger Männer aus den Randgebieten der Städte. Dann zog er seine Aussagen komplett zurück mit der Begründung, ein Einzelner könne nicht für eine egalitäre Gruppe sprechen. Der Zweite – nennen wir ihn B. – wollte, bei aller Kapitalismuskritik, für jedes Treffen Geld.

Doch dann waren da ‚Lotta' und ‚Klaus' von der Pressegruppe der Roten Flora, nach eigenen Worten

‚versehen mit dem Mandat' für einen Rundgang mit der bürgerlichen Presse. Und bereit für ein Gespräch unter Vorbehalten: Anonym müsse es sein, nur politische Fragen. Und sie müssten ihre Aussagen mit den

‚GenossInnen' abstimmen. Das sollte zum Problem werden.“ (…)

(…) „Dass hier Pünktchen anstelle von Sätzen stehen, liegt daran, dass Lotta und Klaus den Großteil ihrer Aussagen nach tagelangem Hin und Her nicht freigegeben haben. Oder nicht freigeben durften. Sie verhandelten parallel mit uns sowie mit ihren ‚GenossInnen', Tag und Nacht. Zuerst hatten sie das komplette Interview zurückgezogen. Dann ließen sie sich darauf ein, eine Hälfte des Gesprächs doch noch mal zu debattieren. Davon strichen sie noch mal die

Hälfte. Passagen im verbliebenen Viertel schrieben sie um. Am Ende blieb ein Manuskript voller Randbemerkungen und rot markierter Streichungen. Von diesem Rest haben wir nicht mehr alles gedruckt.

Eigentlich wird über einen solchen Vorgang nicht berichtet. Bevor eine Zeitung ein Interview druckt, ist es üblich, es den Befragten noch einmal vorzulegen. Oft werden dann Aussagen entschärft, manchmal auch zugespitzt. In diesem Fall kam ein Gespräch zurück, von dem nicht mehr geblieben war als von einem zerbombten Haus.

ZEIT: Womit verdient ihr euer Geld? Klaus: ... “ (…)

(…) „Soll man nun warten und verhandeln, bis man einen neuen Gesprächstermin bekommt, zu Bedingungen, die gänzlich das Kalkül des Kollektivs erfüllen? Nur mit Fragen, die den Interviewten genehm sind? Oder soll man eine Reportage schreiben, die das Ringen um jedes Wort verschweigt?“ (…)

Analysebereich (AB) [1]

Handeln der Redaktionsmitarbeiter (AB3)

Themenfeld

Handeln der Mitarbeiter im Leistungsprozess (Recherche, Selektion von Informationen, Darstellung der Ergebnisse)

Beispiel 2:

Tageszeitung taz: „Personenführung“ und Hausblog auf der Website

Fundstellen

Hausblog der taz-Redaktion: blogs.taz.de/hausblog/ (Menüpunkt „Wir über uns / Hausblog“); zugegriffen am 15.07.2014

„Personenführung“ der taz-Redaktion: taz.de/!p4239/

(Menüpunkt „Wir über uns / Personen“); zugegriffen am 15.07.2014

Beschreibung der TK-Maßnahmen

Seit 2009 veröffentlicht die taz in ihrem Hausblog Beiträge über sich selbst. Die Autoren schreiben zum

Beispiel über „Eine gescheiterte Recherche“ (29.04.2009), über die Frage „Warum wir ein Foto von Corinna Schumacher vor der Klinik gezeigt haben“ (09.01.2014) oder darüber , „Wie man taz Redakteur wird“ (15.04.2014). Die Beiträge beschäftigen sich aber nicht nur mit der Redaktion, sondern auch mit Verlagsprodukten („Endlich: Die neue tazApp für das iPad ist da“ vom 13.01.2014) und den Möglichkeiten, sich an der Verlagsgenossenschaft zu beteiligen. Die Texte haben zum Teil einen werblichen oder kommentierenden Charakter und sprechen die Leser eher auf der emotionalen Ebene an, als dass sie sich auf die Wissensvermittlung konzentrieren.

Neben dem „Mitarbeiter der Woche“ im Hausblog finden sich unter dem Menüpunkt „Personen“ Porträts von tazMitarbeitern, die nicht von ihnen selbst, sondern von anderen Autoren verfasst worden sind. Sie stellen die Person vor, beschreiben ihre journalistischen Schwerpunkte, ihren Lebensund Berufsweg und ihre Hobbys und Interessen.

Analysebereiche (AB)

Umwelt der Redaktionsorganisation (AB1), Formale Strukturelemente (AB2), Handeln der Redaktionsmitarbeier (AB3), Profile der Redaktionsmitarbeiter (AB4)

Themenfelder

Die Eigenberichterstattung berührt sämtliche der in Kapitel 6 für das Ziel der redaktionellen Transparenz genannten Themenfelder.

Beispiel 3:

Ombudsrat der Braunschweiger Zeitung

Fundstelle

braunschweigerzeitung.de/debatte/ombudsrat; zugegriffen am 25.03.2015

Beschreibung der TK-Maßnahmen

Die Zeitung beschäftigt zwei Ombudsleute: den stellvertretenden Chefredakteur Thomas Roth und den pensionierten Generalstaatsanwalt Heinrich Kintzi. Die beiden nehmen zu Leserbeschwerden Stellung. Die Kritik dreht sich häufig um medienethische Fragen und die Themenauswahl. Die Leser und Nutzer werfen dabei auch Fragen zur redaktionellen Arbeitsweise auf, indem sie zum Beispiel die Auswahlkriterien bei Autoren der Ratgeberseite (25.05. 2009) oder die Änderungen und Ergänzungen von Leserbriefen (21.09.2009) thematisieren[2]. Die Rezipienten werden auf der Website dazu aufgerufen, sich mit ihrer Kritik

an der Berichterstattung an die Ombudsräte zu wenden. Ein Satz wie „Haben Sie Fragen an die Redaktion?“, der zusätzlich zum Dialog über die Redaktionsorganisation einlädt, ist dort aber nicht zu finden.

Analysebereiche (AB)

Formale Strukturelemente der Redaktionsorganisation (AB2) und Handeln der Redaktionsmitarbeiter (AB3)

Themenfelder

Formales Regelsystem (u.a. journalistische Arbeitsprogramme) und Handeln der Mitarbeiter im Leistungsprozess (Content-Produktion)

Beispiel 4:

Journalistische Leitlinien für die Zeitungsredaktionen der Mediengruppe Main-Post

Fundstelle

mainpost.de/storage/med/mediadaten/3047

_redaktion_leitlinien.pdf; zugegriffen am 25.03.2015

Beschreibung der TK-Maßnahmen

Die Mediengruppe Main-Post hat auf ihrer Website

„Journalistische Leitlinien“ veröffentlicht, die für sämtliche ihrer Zeitungen gelten. Sie enthalten allgemeine Grundsätze wie Unabhängigkeit oder Verständlichkeit und ethische Grundsätze und Richtlinien für die publizistische Arbeit, die im Wesentlichen den Empfehlungen des Deutschen Presserates entsprechen.

Darüber hinaus gibt die Verlagsgruppe detaillierte Richtlinien für die Wirtschaftsberichterstattung vor (Berichterstattungsanlässe, Kriterien für die Themenwahl) und beschreibt Führungsprinzipien wie „Wir

entwickeln und vereinbaren gemeinsam mit den Mitarbeitern klare, messbare Ziele“.

Im Abschnitt „Handwerk: Was den Leser lesen lässt“ geht es unter anderem um Relevanzkriterien (Nachrichtenfaktoren, W-Fragen), Darstellungsformen und Regeln für eine verständliche und unterhaltsame Aufbereitung der Texte. Es folgen Informationen zur Ausund Weiterbildung und zur redaktionellen Aufbauund Ablauforganisation (Newsdesk-Modell; Anforderungsprofile für Blattmacher, Reporter und Servicekräfte; Führung der freien Mitarbeiter; Regeln für die Zusammenarbeit zwischen Reportern und Blattmachern).

Analysebereiche (AB)

Umwelt der Redaktionsorganisation (AB1), Formale Strukturelemente der Redaktionsorganisation (AB2)

Themenfelder

Beziehungen zu externen Akteuren, Organisationen und Institutionen (insbesondere zu Wirtschaftsunternehmen); normative Basis, journalistische Qualitätskriterien als Teil des Zielsystems, formale Regeln (Verhaltensund Verfahrensvorgaben, Aufgabenund Kompetenzverteilung)

Beispiel 5:

Menüpunkt „Redaktion“ auf der Website der Böhme-Zeitung in Soltau

Fundstelle

boehme-zeitung.de/redaktion/ tagesablauf.html; zugegriffen am 25.03.2015

Beschreibung der TK-Maßnahmen

Die Böhme-Zeitung hat auf ihrer Website in der Hauptmenü-Leiste einen eigenen Punkt „Redaktion“ platziert. Dort erfahren die Nutzer unter anderem Folgendes:

Ÿ Mitarbeiter: Sie sind mit ihren Kontaktdaten, Positionen und Schwerpunktthemen abgebildet.

Ÿ Wer macht was: Die Aufgaben der NewsdeskRedakteure und Reporter werden beschrieben.

Ÿ Tagesablauf: Die Arbeitsprozesse in der Redaktion werden chronologisch dargestellt (8.30 bis

23.45 Uhr).

Ÿ Regeln: Sie dienen der Regulierung der Außenbeziehungen (Leser, Interessengruppen) und betreffen z.B. Buchbesprechungen, Leserbriefe und Pressemitteilungen.

Ÿ Technische Ausstattung und Räume

Analysebereiche (AB)

Formale Strukturelemente der Redaktionsorganisation (AB2), Profile der Redaktionsmitarbeiter (AB4)

Themenfelder

Formales Regelsystem, Ressourcenausstattung (allokativ) und Positionen, Aufgaben und Arbeitsschwerpunkte der Mitarbeiter

Beispiel 6:

„Wie wir Kommentare moderieren“: Informationen auf der Website der Wochenzeitung DIE ZEIT

Fundstelle

zeit.de/administratives/2010- 03/netiquette/seite-3;

zugegriffen am 25.03.2015

Beschreibung der TK-Maßnahmen

In ihrer „Netiquette“ für die Community erklärt die Redaktion, wann die Moderatoren in Diskussionen einschreiten.

Textauszug im Wortlaut

(…) „Wir bemühen uns, die Moderation Ihrer Kommentare so transparent wie möglich zu gestalten. Die folgenden Punkte beschreiben, wie und wann wir einschreiten:

Ÿ Wir kürzen oder entfernen Kommentare, wenn sie gegen die oben formulierten Regeln verstoßen. Darüber hinaus entfernen wir auch Kommentare, die keinen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten und sie somit stören.

Ÿ Wir entfernen nur die regelwidrigen Passagen eines Kommentars, sofern er dadurch nicht seine ursprüngliche Aussage verliert.

Ÿ Wir begründen unser Einschreiten meist durch kurze Anmerkungen und kennzeichnen, an welchen Stellen wir Kommentare gekürzt haben.

Ÿ Wir beenden Diskussionen, wenn sie sich zu weit vom ursprünglichen Thema des Artikels fortbewegt haben, oder die Mehrzahl der Kommentare gegen unsere Regeln verstößt.

Ÿ Bei ausgewählten Artikeln kann die Redaktion entscheiden, keine Kommentarfunktion anzubieten.

Ÿ Wir behalten uns vor, Nutzer bei schweren oder wiederholten Verstößen gegen unsere Netiquette von der Diskussion auszuschließen, indem wir ihren Zugang sperren.“ (…)

Analysebereiche (AB)

Formale Strukturelemente der Redaktionsorganisation (AB2)

Themenfelder

Formale Regeln für Leserdialog und -beteiligung

Beispiel 7:

Sonderbeilage der Tageszeitung General-Anzeiger in Bonn über den neuen Newsroom der Zeitung

Titel und Fundstellen

„Die Zeitung der Zukunft entsteht hier: Der GANewsroom.“

Verlagsbeilage des General-Anzeigers (Bonn) vom 8. Dezember 2010 und pdf-Datei zum Download auf der Zeitungs-Website

Beschreibung der TK-Maßnahmen

Der General-Anzeiger stellt seinen Lesern die Struktur des neuen Newsrooms vor (Einteilung in Desks, Arbeitsteilung zwischen Editoren und Reportern) und erläutert die Arbeitsabläufe in der „Nachrichtenzentrale“. Die Beilage enthält Informationen darüber, wie das Großraumbüro eingerichtet und technisch ausgestattet ist. Sämtliche Mitarbeiter sind darin abgebildet.

Über die Editoren erfährt man, an welchen Desks sie arbeiten und über die Reporter, für welche Berichterstattungsgebiete sie zuständig sind und welche Themenschwerpunkte sie haben. Darüber hinaus wird der Projektablauf von der Idee für den Newsroom über die Planung bis hin zur Umsetzung beschrieben. Mehrere Projektbeteiligte kommen in Kurzinterviews oder mit einem Statement zu Wort.

Analysebereiche (AB)

Formale Strukturelemente der Redaktionsorganisation (AB2), Handeln der Redaktionsmitarbeiter (AB3), Profile der Redaktionsmitarbeiter (AB4)

Themenfelder

Formales Regelsystem (Aufgabenund Kompetenzverteilung, Prozessregulierung); Ressourcenausstattung (allokativ); Handeln im Managementprozess; Positionen, Aufgaben und Arbeitsschwerpunkte der Redaktionsmitarbeiter

  • [1] Die Analysebereiche und Themenfelder der externen Transparenzkommunikation wurden im sechsten Kapitel dieser Arbeit entwickelt. Sie sind dort in Tabelle 5 zu sehen
  • [2] Die Informationen stammen aus zwei Vorträgen, die der Assistent der Chefredaktion, David Mache, und der Ombudsrat Heinrich Kintzi am 7. Januar 2011 im Verlagsgebäude der Braunschweiger Zeitung hielten. Die Vorträge waren Teil einer Exkursionsveranstaltung für die Teilnehmer des Seminars „Redaktionelles Marketing“ am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
 
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