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16 Zusammenfassung und Ausblick

Thema dieser Untersuchung war die externe Transparenzkommunikation (abgekürzt: TK) von integrierten Zeitungsund Online-Redaktionen: Wie können sie nach außen hin für mehr Transparenz in Bezug auf die Qualität ihrer Arbeit sorgen?, lautete die leitende Forschungsfrage. Im Fokus stand dabei die von den crossmedial arbeitenden Redaktionen selbst und nicht die von Außenstehenden erzeugte Transparenz (Selbsttransparenz). Dabei wurde davon ausgegangen, dass die Redaktionen zwei verschiedene Formen der Transparenz anstreben können: Die redaktionelle Transparenz im allgemeineren Sinne zielt darauf, einen möglichst großen Teil der Merkmale der Redaktionsorganisation, ihre Umweltbeziehungen, ihre Mitarbeiter und deren Handeln darzustellen und so für eine umfassende Durchsichtigkeit und Verstehbarkeit zu sorgen. Mit redaktioneller Qualitätstransparenz hingegen ist die Durchsichtigkeit und Verstehbarkeit der Redaktionsorganisation im Hinblick auf ihre Gegebenheiten und Aktivitäten im Bereich der Qualitätssicherung gemeint[1].

Um dieses Forschungsthema zu durchdringen, waren zehn Teilfragen zu beantworten. Die Ergebnisse sollen hier noch einmal zusammengefasst werden:

F1: Welche inhaltlichen Analysebereiche und Themenfelder lassen sich bei einer strukturationstheoretisch fundierten Betrachtung der Redaktionsorganisation als soziales System organisierten Handelns voneinander unterscheiden? (Kapitel 6)

Um Zeitungsund Online-Redaktionen aus strukturationstheoretischer Perspektive als soziale Systeme organisierten Handelns beschreiben zu können, wurden zunächst vier Analysebereiche identifiziert und jeweils in kleinere, als Themenfelder bezeichnete Analyseeinheiten unterteilt. Der Gedankengang, der dorthin führte, soll hier kurz nachgezeichnet werden:

Anthony Giddens beschreibt soziale Systeme in seiner Strukturationstheorie als kontinuierlich reproduzierte Beziehungen zwischen Akteuren oder Kollektiven, die in deren sozialen Praktiken zum Vorschein kommen. Sie sind das Ergebnis von Strukturation: Die Handlungen der Redaktionsmitarbeiter werdendurch Bezugnahme auf Struktur hervorgebracht und die Struktur wiederum wird durch deren Handlungen produziert oder reproduziert. Handlung und Struktur bedingen sich demnach gegenseitig, sie stehen in einem rekursiven Konstitutionsverhältnis zueinander.

Die Redaktionsorganisation als soziales System ist somit durch Kontinuität, aber auch durch einen strukturationsbedingten Wandel gekennzeichnet. Um beides sichtbar zu machen, müsste die Redaktion im Rahmen ihrer Transparenzkommunikation lückenlos darüber Auskunft geben. Das jedoch ist nicht leistbar

– zum einen aus Zeitgründen und zum anderen, weil den Redaktionsmitgliedern nicht alle Gründe, möglichen Folgen und strukturellen Bedingungen ihres Handelns diskursiv bewusst sind. Die Redaktion kann aber offenlegen, wie ihre formale Struktur zu bestimmten Zeitpunkten beschaffen ist, wie die Mitarbeiter zu diesen Zeitpunkten agieren und welche benennbaren, also diskursiv bewussten Gründe sie dafür haben.

Im sechsten Kapitel wurde begründet, warum neben der formalen Struktur und dem Handeln der Redaktionsmitarbeiter noch zwei weitere Analysebereiche in die Betrachtung einzubeziehen sind, um die Redaktion umfassend beschreiben zu können. Daraus ergab sich die folgende Vierteilung:

Ÿ Umwelt der Redaktionsorganisation (Analysebereich 1)

Ÿ Formale Strukturelemente der Redaktionsorganisation (Analysebereich 2)

Ÿ Handeln der Redaktionsmitarbeiter (Analysebereich 3)

Ÿ Profile der Redaktionsmitarbeiter (Analysebereich 4)

Die für die einzelnen Analysebereiche identifizierten Themenfelder sind in Tabelle 5 dargestellt, und zwar in Abhängigkeit vom Transparenzziel: Die Redaktion kann entweder versuchen, ein möglichst umfassendes Bild von sich zu zeichnen (Ziel der redaktionellen Transparenz), oder sie kann den Blick auf den Bereich der Qualitätssicherung lenken (Ziel der redaktionellen Qualitätstransparenz).

  • [1] Siehe dazu die Begriffsdefinitionen und Erläuterungen in Abschnitt 2.4.2 dieser Arbeit
 
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