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8.3 Handeln der Redaktionsmitarbeiter

Wie sich das Handeln der Redaktionsmitarbeiter im Leistungsund Managementprozess beschreiben lässt, wurde in Abschnitt 7.3 bereits ausführlich analysiert. Die externe Transparenzkommunikation kann nun speziell den Blick darauf lenken, inwiefern sich dieses Handeln an den redaktionellen Qualitätszielen und

-strategien und den darauf bezogenen Regeln und Ressourcen orientiert.

8.3.1 Qualitätszielorientiertes Handeln im Leistungsprozess

Qualitätszielorientierung bedeutet in diesem Fall, dass sich die Redaktionsmitarbeiter auch dort, wo sie Freiräume für eigene, fallweise Entscheidungen und Koordinationen haben, an Qualitätskriterien und daraus abgeleiteten Zielen orientieren, und zwar nicht an ihren eigenen, sondern an denen der Redaktion. Die redaktionellen Qualitätskriterien und -ziele sind somit Richtschnur für die Herausbildung ihrer individuellen Handlungsabsichten und -entwürfe. Dieser Zielbezug des Handelns ist Gegenstand der Transparenzkommunikation: So kann ein Redakteur zum Beispiel erklären, warum er zwei wissenschaftliche

Untersuchungen nicht für glaubwürdig hielt und deshalb noch weitere Quellen heranzog, um die Richtigkeit (Sachverhalts-Adäquanz) und Unabhängigkeit der von ihm verbreiteten Informationen sicherzustellen.

Zentrale Aspekte für die externe Transparenzkommunikation:

Im Fokus der Transparenzkommunikation steht das Handeln der Redaktionsmitarbeiter im Content-Produktionsprozess, weil Informationen über das Zustandekommen journalistischer Inhalte direkte Rückschlüsse auf deren Qualität erlauben. Zwei grundlegende Fragen sind dabei zu beantworten:

1. Wie haben die Mitarbeiter in Raum und Zeit gehandelt?

2. Warum haben sie so gehandelt? Inwiefern spielten bei dieser Entscheidung bestimmte redaktionelle Qualitätskriterien und -ziele eine Rolle?

Im Einzelnen ergeben sich daraus die folgenden Teilfragen:

Ÿ In welchen Schritten haben die Redaktionsmitarbeiter einen bestimmten Beitrag produziert, und in welchen Schritten sind sie an eine bestimmte Teilaufgabe wie die Recherche herangegangen? (Reihenfolge der Schritte, Orte, Zeiten, verwendete Ressourcen, Interaktionspartner wie Informanten oder PR-Stellen)

Ÿ Wie und wobei haben sie ihr Handeln mit den Teamkollegen und Vorgesetzten abgestimmt? Inwiefern haben die Vorgesetzten lenkend in den Prozess eingegriffen?

Ÿ Welche Ziele/Absichten haben sie mit ihrem Handeln verfolgt und an welchen Qualitätszielen haben sie sich dabei insbesondere orientiert?

Ÿ Wie sind die Redakteure bei konfligierenden Qualitätskriterien und -zielen vorgegangen? Wie haben sie die Kriterien untereinander gewichtet und wie begründen sie das?

Ÿ Wie haben sie die Situation eingeschätzt?

- An welche – insbesondere qualitätszielorientieren – gesellschaftlichen oder organisatorischen Regeln sind sie in ihrem Handeln gebunden gewesen?

- An welche Ressourcenbeschränkungen sind sie gebunden gewesen? (allokative und autoritative Ressourcen)

- Wie haben sie das Handeln anderer Akteure eingeschätzt? (von der Berichterstattung Betroffene, Informanten etc.)

Ÿ Welche Handlungsalternativen haben sie aus ihren Präferenzen und ihrer subjektiven Einschätzung der Situation abgeleitet?

Ÿ Wie haben sie die möglichen Konsequenzen dieser Handlungsentwürfe eingeschätzt, so dass sie schließlich zu einer Bewertung und Entscheidung kamen?

Ÿ Wo haben sie Fehler gemacht, weil sie die Situation und die Konsequenzen ihres Handelns falsch eingeschätzt haben?

Ÿ Wo sind sie bei der Verfolgung ihrer Absichten und Qualitätsziele nicht weitergekommen? Welche Entscheidungen sind offen geblieben?

 
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