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8.2.2 Qualitätsstrategien

Wie den Forschungsfragen zu entnehmen ist, soll in dieser Arbeit die Prämisse gelten, dass die Verlage mit ihren Zeitungsund den dazugehörigen OnlineAngeboten eine crossmediale Strategie verfolgen und eine Differenzierung über die (Dach-)Marke und insbesondere über die Qualität anstreben. Es wird hier also davon ausgegangen, dass sie ihr Geschäftsfeld „Zeitungen“ zu einem Geschäftsfeld „Aktuelle journalistische Inhalte mit lokalem und regionalem Bezug“ ausgebaut haben. Sie nutzen die Zeitung als Dachmarke und bedienen mit ihren Inhalten verschiedene Medienkanäle. Wie in Abschnitt 7.2.2 erläutert wurde, können sie zu diesem Zweck eine Strategie der Mehrfachverwertung, der Komplementarität und zahlreiche Mischformen dieser beiden Extreme wählen.

Die Wahl der crossmedialen Strategie wirkt sich ganz entscheidend auf die Qualitätsstrategie aus: Verfolgt die Redaktion eine crossmediale Strategie der Komplementarität mit zumindest teilweise unterschiedlichen und sich gegenseitig ergänzenden Printund Online-Inhalten, so kann sie nämlich je nach Medienkanal unterschiedliche Qualitätsstrategien formulieren, die mit einer unterschiedlichen Gewichtung der journalistischen Qualitätskriterien einhergehen. Ein differenziertes Vorgehen liegt deshalb nahe, weil das Internet andere technische Möglichkeiten für die journalistische Arbeit bietet als die vom Platz her begrenzte und an Druck und Vertrieb gebundene Zeitung. Bei einer reinen Strategie der Mehrfachverwertung erübrigt sich eine Differenzierung, weil die Inhalte der Zeitung eins zu eins im Netz landen.

(1) Qualitätsstrategien für die Zeitung als Print-Medium

Die Redaktion kann versuchen, aus dem vergleichsweise langsamen Erscheinungsrhythmus der Zeitung (täglich bis wöchentlich) eine Stärke zu machen, indem sie umfassend und je nach Brisanz des Themas auch investigativ recherchierte Hintergrundberichte und kritische Kommentare veröffentlicht und dabei vor allem lokale Themen aufgreift. Diese Qualitätsstrategie führt dazu, dass sie den folgenden Qualitätskriterien ein besonderes Gewicht beimisst: der Vielfalt („umfassende Hintergrundberichterstattung“), der selbstgeschaffenen Aktualität, bei der die Redaktion etwas Verborgenes aufdeckt („investigativ“), der Unabhängigkeit (Recherche und Kritik) und dem Relevanzkriterium der Nähe / Betroffenheit („lokale Themen“). Aus den strategischen Vorgaben kann die Redaktion dann operative Qualitätsziele und qualitätssichernde Maßnahmen ableiten.

(2) Qualitätsstrategien für das Online-Angebot der Zeitung

Durch das technische Potenzial des Internets können die Redaktionen über diesen Kanal zusätzliche Leistungen wie die Navigation oder Moderation anbieten. Dadurch lassen sich Qualitäten wie Transparenz oder Wechselseitigkeit auf vergleichsweise unkomplizierte und kostengünstige Weise ausbauen. Der Zusammenhang zwischen online-spezifischen journalistischen Möglichkeiten und den davon berührten Qualitätskriterien ist in Tabelle 8 dargestellt.

8.2 Strukturelemente der Qualitätssicherung 225

Tabelle 8: Online-spezifische journalistische Leistungen und darauf bezogene Qualitätskriterien

Eine strategische Vorgabe für das Online-Angebot der Zeitung könnte zum Beispiel lauten:

„Durch die ständige Berichtigung, Ergänzung und Aktualisierung journalistischer Beiträge durch die Redakteure und die Nutzer der interaktiven Tools auf der Zeitungs-Website sowie durch die Rückverfolgbarkeit von Veränderungen in publizierten Beiträgen sollen Richtigkeit, Relevanz, Aktualität, Vielfalt und Transparenz der Berichterstattungsinhalte weiter gesteigert werden.“

Das strategische Ziel besteht hier darin, eine Art Prozessjournalismus zu pflegen, der an die Erstveröffentlichung im Print-Medium oder auf der Website anknüpfen kann. Um die Rückverfolgbarkeit von Veränderungen der Ursprungsversion zu gewährleisten, hat die Redaktion unter anderem die Möglichkeit, sämtliche Textfassungen ins Online-Archiv der Zeitung zu stellen. Aus den strategischen Vorgaben lassen sich operative Qualitätsziele und qualitätssichernde Maßnahmen ableiten.

Zentrale Aspekte für die externe Transparenzkommunikation:

Aus den vorangegangenen Ausführungen ergeben sich mehrere Kernfragen, die im Rahmen der Transparenzkommunikation zu beantworten sind:

Ÿ Welche Crossmedia-Strategie verfolgt die Redaktion?

Ÿ Welche qualitätsstrategischen Vorgaben hat sie für ihre Zeitungs und Online-Angebote gemeinsam formuliert?

Falls der Verlag keine reine Mehrfachverwertungsstrategie verfolgt, sondern auch auf komplementäre Printund Online-Angebote setzt, ergeben sich daraus weitere Fragen:

Ÿ Welche qualitätsstrategischen Vorgaben gelten speziell für die gedruckte Zeitung?

Ÿ Welche qualitätsstrategischen Vorgaben gelten speziell für das OnlineAngebot der Zeitung?

 
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