Desktop-Version

Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Die transparente Redaktion

< Zurück   INHALT   Weiter >

7.4 Profile der Redaktionsmitarbeiter

Strukturen und Systeme kommen nicht schicksalhaft über den Menschen und im Falle der Redaktionen über deren Mitglieder und freie Mitarbeiter, sondern diese wirken handelnd auf die Strukturen ein, indem sie sie gestalten und verändern (vgl. Reus 1998, S. 253), womit wieder der Dualismus von Struktur und Handeln als zentrales Konzept der Strukturationstheorie angesprochen wäre. Wie die Redaktionsmitglieder genau handeln, hängt nicht nur von sozialen Konstellationen, sondern auch von ihren individuellen Fähigkeiten, ihrem Wissen, ihren Erfahrungen, ihrer Biografie ab – also von dem ganz eigenen Profil, das sie in Bezug auf ihren Beruf herausgebildet haben.

Gerade wegen des hohen Anteils kreativer und intellektueller Leistungen an der Redaktionsarbeit liegt es nahe, dass die Leser auch einige Merkmale der Redaktionsmitarbeiter zur Beurteilung der Qualität der journalistischen Inhalte heranziehen. Dazu zählen Qualifikationen, Einstellungen, Rollenauffassungen und soziodemografische Merkmale wie Alter, Geschlecht, Familienstand, Nationalität und Religionszugehörigkeit.

Zum Profil gehören auch Informationen über die Positionen (Abteilung, Ressort, Stelle, Mitglied von Projektgruppen und Ausschüssen) und Aufgaben der Mitarbeiter innerhalb der Redaktion und über deren aktuelle Arbeitsschwerpunkte. Im Mittelpunkt stehen dabei die journalistisch arbeitenden Redakteure und festen freien Mitarbeiter, weil sie direkt in den Content-Produktionsprozess eingebunden sind.

Zentrale Aspekte für die externe Transparenzkommunikation:

Eine herausgehobene Bedeutung für die Transparenzkommunikation haben besondere Qualifikationen und Erfahrungen, welche die journalistisch arbeitenden Redakteure und festen freien Mitarbeiter vor und während ihrer Tätigkeit in der Redaktion angesammelt haben. Damit ist nicht das journalistische Handwerkszeug gemeint, das Zeitungsund Online-Journalisten gemeinhin mitbringen. Es geht dabei vielmehr um die ganz eigene berufliche Biografie, um Kenntnisse und Abschlüsse, fachliche Schwerpunkte und Erfahrungen, die er oder sie zum Beispiel im Ausland oder in anderen Berufen gesammelt hat. Diese berufliche Biografie hat einen direkten Einfluss auf die Arbeitsweise der Journalisten und damit auf die Qualität der journalistischen Inhalte.

Unterstellt man, dass die journalistische Berichterstattung durch das Streben nach Unabhängigkeit und Unparteilichkeit gekennzeichnet ist, so sind die persönlichen Einstellungen der Journalisten nicht Gegenstand der externen Transparenzkommunikation. Sie werden allerdings in den kommentierenden Darstellungsformen sichtbar, wo sie Teil der journalistischen Leistung sind. Die Einstellung zum Beruf – also das professionelle Rollenverständnis – lässt hingegen Rückschlüsse auf die Arbeitsweise der Journalisten zu und ist insofern auch für die Transparenzkommunikation von Bedeutung. Soziodemografische Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Nationalität können in der Zusammenschau aller Redaktionsmitglieder wichtig sein, weil sie zeigen, ob eine Redaktion vielfältig zusammengesetzt ist. Diese Zusammensetzung lässt sich wiederum als Indikator für die Vielfalt der Berichterstattung und damit für deren Qualität heranziehen – vorausgesetzt, dass die Leser Vielfalt überhaupt als ein Qualitätskriterium ansehen.

Die Zeitungsredaktionen können unter anderem Porträts ihrer Redakteure und freien Mitarbeiter veröffentlichen, um sie dem Publikum vorzustellen. Inhaltlich können sie sich dabei an den folgenden Fragen orientieren:

Ÿ Auf welchen Positionen und für welche Bereiche und Ressorts arbeiten die jeweiligen Redakteure und freien Mitarbeiter? Handelt es sich um PrintJournalisten, Online-Journalisten, Bildjournalisten oder ‚Allrounder'?

Ÿ Für welche Aufgaben sind sie zuständig?

Ÿ Welche Themenschwerpunkte setzen sie in ihrer journalistischen Arbeit? (z.B. Schulen, Gerichtsberichterstattung, Neonazi-Szene)

Ÿ Wie war ihr Ausbildungsund Berufsweg? Über welche Spezialkenntnisse und Erfahrungen verfügen sie?

Ÿ Warum sind sie Journalisten geworden? Was für ein professionelles Rollenverständnis haben sie?

Ÿ Welche soziodemografischen Angaben sind hilfreich, um ihren Werdegang nachzuvollziehen und zu zeigen, wie vielfältig die Redaktion zusammengesetzt ist? (Alter, Nationalität, Religion etc.)

 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics