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4.3 Diskrepanzen als Hindernis

Beim Vertrauensfaktor kommunikative Konsistenz bzw. Diskrepanz unterscheidet Günter Bentele die folgenden Diskrepanztypen, deren Bedeutung für das Management der Transparenzkommunikation im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch zu begründen sein wird (vgl. Bentele 1994a, S. 148) [1]:

Ÿ Diskrepanzen zwischen Informationen und den ihnen zugrunde liegenden Sachverhalten (mangelnde Informationsadäquatheit bzw. Objektivität)

Ÿ Diskrepanzen zwischen verbalen Aussagen (über das Handeln) und tatsächlichem Handeln

Ÿ Diskrepanzen durch verschiedenartiges Handeln in derselben oder in einander ähnlichen Institutionen (in Bezug auf einen bestimmten Sachverhalt)

Ÿ Diskrepanzen durch verschiedene Aussagen derselben Akteure zu verschiedenen Zeitpunkten (über einen bestimmten Sachverhalt oder das eigene Handeln)

Ÿ Diskrepanzen durch verschiedene Aussagen unterschiedlicher Akteure in derselben oder in einander ähnlichen Institutionen

Ÿ Diskrepanzen zwischen allgemein anerkannten rechtlichen und/oder moralischen Normen und dem tatsächlichen Handeln (mangelnde gesellschaftliche und ethische Orientierung)

In seinen Ausführungen zur Öffentlichkeitsarbeit von Institutionen hebt Bentele hervor, dass insbesondere vom Rezipienten wahrgenommene Widersprüche zwischen dargestellter und selbst erlebter Realität – als Zeichen mangelnder Objektivität – die Glaubwürdigkeit eines Kommunikators vermindern [2]. (vgl. ebd., S. 147f.; Seidenglanz 2008, S. 44–47) Als nicht schlüssig erscheint, dass der von ihm als Kommunikationsinadäquatheit bezeichnete negative Vertrauensfaktor zusätzlich als Diskrepanztyp in seiner Liste auftaucht. Das Gleiche gilt für die mangelnde gesellschaftliche Verantwortung, die er als Diskrepanz zwischen rechtlichen oder moralischen Normen und dem tatsächlichen Handeln mit aufgenommen hat. Beide Diskrepanzen sind eine Folge mangelnder Wahrhaftigkeit oder einer mangelnden ethischen Orientierung. Sie entstehen nicht durch Kommunikation. Auch die Diskrepanzen durch verschiedenartiges Handeln kommen nicht durch Kommunikation zustande. Bentele spricht hier aber dennoch von

„kommunikativer“ Diskrepanz, weil er davon ausgeht, dass die unterschiedlichen Informationen über das Handeln der Akteure kommunikativ übermittelt werden, so dass dadurch auch die Kommunikation widersprüchlich wird. Die anderen von ihm genannten Diskrepanztypen basieren hingegen auf widersprüchlichen Aussagen.

  • [1] Siehe dazu insbesondere die Ausführungen in den Kapiteln 12 und 14
  • [2] Günter Bentele verweist hier auf einen Zusammenhang zwischen der inhaltsanalytisch messbaren Einhaltung von Objektivitätsstandards in den Medienorganisationen bzw. in der Medienberichterstattung und deren Glaubwürdigkeit aus Sicht des Publikums. (vgl. Bentele 2008, S. 248)
 
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