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3.1 Institutioneller Organisationsbegriff

Die Organisation wird in der Forschungsliteratur aus zwei verschiedenen Blickwinkeln heraus betrachtet, nämlich aus der instrumentellen und der institutionellen Perspektive. In Abschnitt 2.3.4 wurde bereits begründet, weshalb die Redaktionsorganisation in dieser Arbeit aus der umfassenderen und gebräuchlicheren institutionellen Perspektive heraus analysiert wird, die vor allem durch die Organisationssoziologie und -psychologie geprägt ist. Die Organisation lässt sich nach diesem Verständnis als ein zielgerichtetes, offenes soziales System mit einer formalen Struktur definieren. Sie weist demnach drei zentrale Merkmale auf (vgl. Jarren 2010, S. 144; Schreyögg 2008, S. 9; Schulte-Zurhausen 2005, S. 1f.):

Ÿ Zielorientierung: Organisationen sind bewusst, planvoll und dauerhaft auf die Erreichung bestimmter Ziele hin ausgerichtet. Die Handlungen der Organisationsmitglieder sowie der Einsatz von Ressourcen werden den Zielen entsprechend koordiniert und gesteuert.

Ÿ Formale Organisationsstruktur (geregelte Arbeitsteilung): Die Aufgaben und Aktivitäten der Mitglieder werden in Organisationen nach bestimmten Mustern geteilt und miteinander verknüpft. Diese Muster drücken sich in bestimmten Erwartungen aus, an denen sich das Handeln der Mitglieder ausrichten soll, so dass es zum Teil vorhersehbar wird.

Ÿ Offenes soziales System: Organisationen verfügen über absichtlich geschaffene, veränderbare Grenzen, durch die sich die organisatorische Innenwelt von der Außenwelt (Umwelt) trennen lässt. Wer Mitglied werden will, muss die in der Organisation geltenden Regeln einhalten. Als offen sind diese Systeme insofern zu bezeichnen, als dass sie in einer wechselseitigen Beziehung zu ihrer Umwelt stehen.

Der institutionelle Organisationsbegriff öffnet den Blick für das gesamte soziale Gebilde, für Ziele, formale, aber auch informale Strukturen [1] und für das Handeln der Mitglieder (und nicht nur der führenden Mitglieder). Ein solcher, weit gefasster Begriff der Organisation ist erforderlich, wenn nicht nur die formale Struktur beschrieben, sondern auch deren tatsächliche Anwendung und Veränderung durch die Organisationsmitglieder erfasst werden soll (vgl. Wyss 2002, S. 44). Außerdem erwächst daraus die Möglichkeit, die Beziehungen der Organisation zur Umwelt und ihre Funktion für die Gesellschaft in die Betrachtung einzubeziehen.

  • [1] Zur Unterscheidung zwischen formaler und informaler Struktur siehe Kieser und Walgenbach (2007, S. 22-24).
 
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