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2.4.4 Theorierahmen und Herangehensweise

Die Arbeit zielt darauf, das Forschungsthema theoretisch zu durchdringen. Empiriegeleitet ist sie insofern, als dass auf empirischen Untersuchungen anderer Autoren basierende Erkenntnisse zu einzelnen Aspekten der redaktionellen Transparenz bzw. Qualitätstransparenz mit einfließen. Des Weiteren werden immer wieder Beispiele aus der journalistischen Praxis und insbesondere aus dem Tageszeitungsund Online-Journalismus herangezogen. Die Verfasserin hat zu diesem Zweck Aufsätze von Praktikern und Artikel von Medienjournalisten ausgewertet. Sie dienen allein dem Verständnis und der Veranschaulichung.

Wie die Zeitungsund Online-Redaktionen als komplexe soziale Gebilde beschrieben werden, hängt von der organisationstheoretischen Perspektive ab. Den Theorierahmen für die Analyse der inhaltlichen Ansätze der Transparenzkommunikation und für die Entwicklung eines Managementmodells bildet in dieser Arbeit die Strukturationstheorie von Anthony Giddens (1984, 1997). Ihr liegt ein institutioneller Organisationsbegriff zugrunde, der in Abschnitt 3.1 noch genauer erläutert wird: Redaktionen sind demnach als soziale Systeme organisierten Handelns zu verstehen (vgl. Jarren 2010, S. 144; Schreyögg 2008, S. 8– 10; Schulte-Zurhausen 2005, S. 1f.). Mit Hilfe der Strukturationstheorie lässt sich die Struktur der Redaktionsorganisation im Verhältnis zu ihren handelnden Mitgliedern und im Verhältnis zu Umwelt und Gesellschaft abbilden. Eine ausführliche Begründung der Theoriewahl liefert das dritte Kapitel im Grundlagenteil. Dort werden auch die zentralen Konzepte und Begriffe der Strukturationstheorie vorgestellt.

Ausgefüllt wird dieser Rahmen durch Theorien und Beschreibungsansätze aus der Soziologie, der Medienund Kommunikationswissenschaft und der Wirtschaftswissenschaft. Das geschieht zunächst grundlegend, wenn es in Teil II um die Zeitungsredaktion als soziales System, um den Zusammenhang zwischen Transparenz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen und um die Frage nach journalistischen Qualitätskritierien geht.

Im Qualitätskapitel gilt es, in einem ersten Schritt die unterschiedlichen Perspektiven nachzuzeichnen, aus denen heraus die Vertreter der Journalistik grundlegende journalistische Qualitätsstandards hergeleitet und begründet haben. Dafür wird die Literatur zur journalistischen Qualitätsforschung ausgewertet. Im Anschluss daran wird ein multiperspektivisches Qualitätskonzept von Klaus Arnold (2009) vorgestellt und kritisch durchleuchtet, um daraufhin ein abgewandeltes Set von zentralen, multiperspektivisch begründbaren journalistischen Qualitätskriterien vorzuschlagen. Diese theoretische Vorarbeit war insbesondere deshalb erforderlich, um im elften Kapitel einige zentrale Anforderungen an die Qualität der Transparenzkommunikation formulieren zu können. Diese Anforderungen wurden nämlich aus dem im fünften Kapitel entwickelten Set journalistischer Qualitätskriterien hergeleitet.

Um in Teil III die Redaktionsorganisation genauer erfassen und daraus die Inhalte bzw. einzelne Themenfelder der externen Transparenzkommunikation ableiten zu können, wird vor allem auf Erkenntnisse der soziologisch geprägten Organisationsund Managementtheorie zurückgegriffen. Die inhaltlichen Ansätze zur Verbesserung der redaktionellen Qualitätstransparenz beziehen sich auf den enger gefassten Bereich der Qualitätssicherung. Die dort genannten Beispiele für qualitätssichernde Maßnahmen basieren auf der Annahme, dass die Redaktion sich von den in Abschnitt 5.3 beschriebenen zentralen und multiperspektivisch begründbaren Qualitätskriterien leiten lässt. Für die Analyse der Strukturelemente und des qualitätsbezogenen Handelns wird die Forschungsliteratur zum Thema Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement herangezogen.

Das zehnte Kapitel liefert die Begründung dafür, warum die externe Transparenzkommunikation als eine spezielle Form der Öffentlichkeitsarbeit anzusehen ist. Wenn es im zwölften und dreizehnten Kapitel um die Frage geht, wie die Redaktionen ihre Transparenzkommunikation systematisch managen können, werden daher neben allgemeinen managementtheoretischen Abhandlungen insbesondere PR-wissenschaftliche Veröffentlichungen in die Betrachtung einbezogen, die sich mit Managementfragen beschäftigen. Weil das Management der Transparenzkommunikation im Unterschied zu den in der Literatur beschriebenen PR-ManagementAnsätzen jedoch ganz erhebliche Überschneidungen zum Produktentwicklungsund Produktionsmanagement aufweist, sind die verschiedenen Theoriefäden immer wieder neu und anders zu verknüpfen und mit eigenen Überlegungen zu kombinieren. Das gilt für die gesamte Arbeit und mündet in der Entwicklung eines Modells der integrierten Transparenzkommunikation.

 
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