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2.4 Forschungsansatz und -methodik

Welcher Ausschnitt aus dem Forschungsfeld „Transparenz im Journalismus“ soll nun in dieser Arbeit untersucht werden? Zu entscheiden ist über die Wahl der Bezugsebene und den Theorierahmen. Außerdem sind noch einige Begriffe zu definieren. Sie fließen in die Formulierung der Forschungsfragen ein. Darauf folgt die Erläuterung der wissenschaftlichen Herangehensweise.

2.4.1 Wahl der Bezugsebene

Wie in Abschnitt 2.3.4 dargestellt, können sich die Transparenzbemühungen einer Redaktion auf die Inhalte und Präsentationsformen der Berichterstattung (Produktebene) oder auf die Merkmale der Redaktionsorganisation, ihre Umweltbeziehungen, ihre Mitarbeiter und deren Handeln beziehen (Vermittlungsebene).

Auf der Ebene der journalistischen Produkte ist es vor allem die inhaltliche Qualität der wechselnden Artikel, Online-Dossiers, Themenseiten und Ausgaben, die sich dem Leser nicht so ohne Weiteres erschließt. Die inhaltliche und formale Produktkonzeption lässt sich schon leichter kommunizieren, weil sie langfristig festgeschrieben wird. Das Gleiche gilt für die wechselnden Präsentationsformen, die naturgemäß direkt ins Auge fallen.

Was die Autoren und Rechercheure in Bezug auf die inhaltliche Qualität einzelner Artikel ohne großen Aufwand transparent machen können, ist von welchen Personen oder Organisationen sie welche Informationen bezogen haben, also die Herkunft ihrer ‚Rohstoffe'[1]. Außerdem können die Autoren ihre Artikel im Netz mit Originaldokumenten wie Gutachten, Studien oder Stellungnahmen von Behörden verlinken. Diese Quellentransparenz erleichtert es den Lesern, eine Information nachzuprüfen oder ihre Verlässlichkeit aufgrund der von ihnen ahrgenommenen Seriosität der Quelle einzuschätzen. (vgl. Meier & Reimer 2011, S. 138f. u. 141; Smolkin 2006, S. 21) Deshalb wird sie in der Journalistik als ein Kriterium für journalistische Qualität auf der Produktebene angeführt. (vgl. z.B. Hagen 1995, S. 114f.)

Für den ‚Durchblick' und das Verständnis der Leser kann es darüber hinaus jedoch auch wichtig sein zu zeigen, wie die jeweiligen Autoren überhaupt auf ein bestimmtes Thema gekommen sind, warum sie darüber berichten wollten, wie sie insgesamt bei der Recherche vorgegangen und welche Fragen dabei noch offen geblieben sind – wie sie also gehandelt haben. Auch diese Informationen über den Prozess der Aussagenentstehung lassen sich direkt einem bestimmten Artikel oder Artikelkomplex zuordnen und helfen den Lesern dabei, den Artikelinhalt zu bewerten. Im Unterschied zur Offenlegung von Quellen handelt es sich dabei jedoch um reflexive, selbstbezügliche Informationen.

Zu diesem Typus gehören auch grundsätzliche Informationen über die Merkmale, Umweltbeziehungen und Mitarbeiter der Redaktionsorganisation sowie über deren sonstiges Handeln, das nicht auf einen konkreten Berichterstattungsgegenstand bezogen ist. Sie sind deshalb hilfreich, weil die Rezipienten daraus über den Einzelfall der Berichterstattung hinaus Rückschlüsse auf die Qualität der journalistischen Arbeit ziehen können[2]. Diese auf die Vermittlungsebene bezogenen Informationen sollen im weiteren Verlauf der Arbeit im Vordergrund stehen.

  • [1] Dabei stoßen sie allerdings an Grenzen, wenn die Informanten nicht genannt werden wollen oder aufgrund rechtlicher Regelungen nicht genannt werden dürfen
  • [2] Meier und Reimer (2011, S. 138f.) siedeln sie daher auf der „Prozessebene oder Ebene redaktionellen Entscheidens“ an, die sie analytisch von der „Produktund Beitragsebene“ trennen
 
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