Desktop-Version

Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Die transparente Redaktion

< Zurück   INHALT   Weiter >

Wie können integrierte Zeitungsund Online-Redaktionen nach außen hin für mehr Transparenz in Bezug auf die Qualität ihrer Arbeit sorgen?

Die entsprechenden Bemühungen der Redaktion werden fortan als externe Transparenzkommunikation (abgekürzt: TK) bezeichnet. Sie ist – wie noch zu zeigen sein wird – als eine spezielle Form der redaktionellen Öffentlichkeitsarbeit (engl.: Public Relations, abgekürzt PR) anzusehen. Ziel der Dissertation ist es, einen Ansatz für die strategische externe Transparenzkommunikation von Zeitungsverlagen und mithin einen neuartigen PR-Ansatz zu entwickeln.

Die Arbeit ist in vier Teile untergliedert: In Teil I (Einführung) werden nach dieser Einleitung im zweiten Kapitel die Symptome und Ursachen der „Zeitungskrise“ in Deutschland und die Strategien der Verlage zu ihrer Bewältigung durchleuchtet. Eine Problemanalyse aus medienökonomischer Sicht zeigt, dass es sich für sie nur dann lohnt, eine konsequente Qualitätsstrategie zu verfolgen, wenn sie sich gleichzeitig um Qualitätstransparenz bemühen. Danach werden das Forschungsfeld „Transparenz im Journalismus“ abgesteckt und Forschungsansatz und -methodik dieser Untersuchung beschrieben, die als eine Theoriearbeit konzipiert ist.

Teil II liefert dafür die theoretischen Grundlagen: Wie lässt sich eine Redaktionsorganisation als soziales System und Gegenstand der Transparenzkommunikation beschreiben? Den Rahmen dafür bildet die Strukturationstheorie von Anthony Giddens. (3. Kapitel) In welchem Zusammenhang stehen Transparenz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen? Wie wirkt sich eine intransparente, widersprüchliche Kommunikation auf das Vertrauen der Zeitungsleser und damit auf die Markenbindung aus? (4. Kapitel) Und was soll in dieser Arbeit unter journalistischer Qualität zu verstehen sein? Welche Qualitätskriterien sind dabei als zentral einzustufen? Und welche medienspezifischen Qualitäten weisen Zeitungen und deren Online-Angebote auf? (5. Kapitel)

Teil III widmet sich als Forschungsteil der externen Transparenzkommunikation und dabei zunächst deren Inhalten: Auf Basis strukturationstheoretischer Überlegungen wird eine Matrix entwickelt. Sie zeigt die einzelnen Themenfelder, die sich zu einem Gesamtbild der Redaktionsorganisation zusammenfügen lassen. Die Themenfelder lassen sich vier verschiedenen Analysebereichen zuordnen: 1. der Umwelt der Redaktionsorganisation, 2. den formalen Strukturelementen der Redaktionsorganisation, 3. dem Handeln der Redaktionsmitarbeiter und 4. den Profilen der Redaktionsmitarbeiter. (6. Kapitel) Es folgt die Analyse der inhaltlichen Ansätze zur Steigerung der redaktionellen Transparenz im allgemeineren Sinne (7. Kapitel) und der redaktionellen Qualitätstransparenz im Besonderen (8. Kapitel). Mit „redaktioneller Qualitätstransparenz“ ist dabei die Durchsichtigkeit der redaktionellen Vorkehrungen und Aktivitäten zur Qualitätssicherung und -verbesserung gemeint. Der Begriff ist also enger gefasst als die „redaktionelle Transparenz“[1].

Zu beachten sind jedoch auch die Grenzen und Risiken der externen Transparenzkommunikation: Grenzen ergeben sich zum Beispiel aus dem Informantenschutz, und Risiken können darin bestehen, dass die Redaktion durch ein Zuviel an Offenheit ihre Wettbewerbsposition gefährdet, weil die Konkurrenten die Informationen zu ihrem Vorteil nutzen. Die Grenzen und Risiken führen dazu, dass die Redaktion bestimmte Inhalte aus der externen Transparenzkommunikation ausklammert. Daneben kann sie in der von ihr initiierten aktiven Kommunikation inhaltliche Schwerpunkte setzen. Diese Ausgrenzungsund Auswahlentscheidungen gilt es den Lesern und Nutzern gegenüber zu begründen. (9. Kapitel)

Die darauf folgenden Kapitel befassen sich mit dem Management der externen Transparenzkommunikation: Zunächst wird begründet, warum sie als spezielle Form der Öffentlichkeitsarbeit und bei einigen Inhalten auch als Bestandteil des redaktionellen Produktes aufzufassen ist. (10. Kapitel) Des Weiteren wird zu klären sein, welche Kriterien an die Qualität der selbstbezüglichen Informationen einer Redaktion anzulegen sind. Das Ziel der redaktionellen Transparenz zieht zum Teil ähnliche Anforderungen an die Qualität der kommunizierten Inhalte nach sich, wie ein der Wahrhaftigkeit verpflichteter Journalismus. (11. Kapitel)

Im 12. Kapitel wird durchleuchtet, wie sich Transparenzkommunikation systematisch managen lässt. Dafür wird zunächst ein Grundmodell des Transparenzmanagements entwickelt, das den Managementprozess nicht als lineare Schrittfolge, sondern als reflexiven Prozess darstellt. Im Anschluss werden die Teilaufgaben des Transparenzmanagements genauer analysiert. Im Einzelnen sind das die Planung der Ziele, Strategien, Taktiken und Evaluationsverfahren, die Organisation, das Personalmanagement und die Kontrolle der TK-Aktivitäten.

Das 13. Kapitel beschäftigt sich dann mit dem Transparenzmanagement als Teil des Produktentwicklungsund Produktionsmanagements: Selbstreflexive Informationen, die den Entstehungsprozess eines journalistischen Beitrags erklären und im redaktionellen Teil der Zeitung oder ihres Online-Auftritts erscheinen, werden zum Produktbestandteil und damit zum Gegenstand der konzeptionellen Produktentwicklung und der laufenden Content-Produktion. Dadurch ist das Transparenzmanagement teilweise mit an die strategischen und taktischen Vorgaben in diesen Bereichen gebunden.

Im 14. Kapitel wird schließlich ein „Modell der integrierten Transparenzkommunikation“ entwickelt. Die auf Basis der Strukturationstheorie herausgebildeten Erkenntnisse über die Redaktionsorganisation als soziales System organisierten Handelns und die in den Kapiteln 12 und 13 behandelten Managementansätze fließen in dieses Modell ein. Außerdem wird noch ein eigenes Teilmodell für das Management von Diskrepanzen vorgestellt. Mit Diskrepanzen sind in diesem Zusammenhang kommunikative Widersprüche und Darstellungsfehler gemeint, die dem Ziel der redaktionellen Transparenz entgegenstehen. Die TKManager müssen ständig kontrollieren, ob bei den kommunizierten TK-Inhalten Diskrepanzen aufgetaucht sind. Und sie müssen nach Ursachen und Problemlösungen dafür suchen, um sie dann in der Transparenzkommunikation thematisieren zu können.

Einen besonderen Einfluss auf den Erfolg der externen Transparenzkommunikation üben drei andere Aufgabenbereiche aus: die interne Transparenzkommunikation, das Change-Management und das redaktionelle Qualitätsmanagement. Wenn die entsprechenden Prozesse systematisch gesteuert werden, können sie entscheidend dazu beitragen, kommunikative Widersprüche und Darstellungsfehler zu verhindern oder zu beheben, so dass die Redaktion nach außen hin ein möglichst konsistentes Bild von sich liefern kann. Diesen Erfolgsvoraussetzungen widmet sich das 15. Kapitel. Im 16. und letzten Kapitel folgen noch eine Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und ein Ausblick auf den weiteren Forschungsbedarf.

  • [1] Siehe dazu die Definitionen in Abschnitt 2.4.2 dieser Arbeit
 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics