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Zwangsbetreuung

Die gesetzliche Betreuerin findet es unter dem Aspekt, dass es für die Betroffenen eine Hilfe darstellt, gut, dass es Zwangsbetreuungen gibt.

„Das [eine Zwangsbetreuung] finde ich gut [...] weils Situationen bei Menschen gibt, wo sie das selber nicht einschätzen können, und da find ich das richtig, weils ne Hilfe ist für sie, ganz klar.“ (Gesetzliche Betreuerin 2014, Z. 774-780)

Demgegenüber hält die Richterin Zwangsbetreuungen nur selten für sinnvoll. Während sie es bei Ersterkrankten für wichtig hält, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich nach Wiederherstellung geregelter Lebensverhältnisse frei für ihren weiteren Weg zu entscheiden, lehnt sie die Aufrechterhaltung von Zwangsbetreuungen bei Menschen ab, die sich durch den Betreuer dauerhaft beeinträchtigt oder fremdbestimmt fühlen, auch wenn die Betreuung objektiv richtig erscheint und gut gemeint ist.

„ne Betreuung gegen den Willen, gibt's nur ganz wenige Fälle, wo die Sinn ergibt. Ich glaube schon manchmal, gerade bei erstmals Erkrankten, hat jeder das Recht, irgendwie mal in eine Position zu kommen, wo er ohne krankheitsbedingte Beeinflussung irgendwie in geordnete Verhältnisse gesetzt wird, vielleicht durch einen Betreuer, um dann frei zu entscheiden, ‚will ich wieder ins Chaos', [...] ‚oder will ich den geordneten Weg weitergehen.' [...] aber jemand, wo mans schon probiert hat, und jemand, der sich sehr beeinträchtigt fühlt oder, oder fremdbestimmt, oder gemaßregelt durch einen Betreuer, egal wie gut man es meint oder wie gut der Betreuer es auch macht. Da richtet manchmal man für das Leben des Betroffenen mehr Schaden an als Gutes.“ (Richterin 2014, Z. 948-959)

Zwangseinweisungen und Fixierungen

Im Folgenden geht es um die Einstellungen der Fachkräfte zur Zwangseinweisung und Fixierung. Die folgenden Beispiele verdeutlichen die Ansicht, dass Zwangseinweisungen und Fixierungen in Notsituationen richtig bzw. unabdingbar sind.

„Finde ich auch richtig. Es gibt Notsituationen, wo das sein muss.“ (Gesetzliche Betreuerin 2014, Z. 785)

„Ja, sie sind halt unabdingbar.“ (Sozialarbeiterin SpDi 2014, Z. 527)

„Also ich glaube nicht, dass wir ganz ohne Zwangsmaßnahmen, egal auf welcher Ebene, je auskommen werden“ (Richterin 2014, Z. 986-987)

Der Psychiater konkretisiert die Notwendigkeit von Zwangseinweisungen und Fixierungen als Schutz des Betroffenen bzw. Dritten vor krankheitsbedingt gefährlichem Verhalten.

„es liegt in meinem Selbstverständnis, dass man jemanden [...] oder andere schützen muss im Verhalten, was auf einer Krankheit beruht ne. Das ist ganz klar, da gibt es gar keine Diskussion ne. Das gleiche gilt für Fixierungen, [...] wenn man sich schützen muss vor aggressivem Verhalten oder jemanden selbst vor sich selbst schützen muss, weil er sich sonst sofort das Leben nehmen würde, muss man fixieren ne.“ (Psychiater 2014, Z. 629-634)

Davon abgesehen betont die Psychologin, dass vor einer Zwangseinweisung alles versucht werden sollte, um diese zu verhindern und sie nur das letzte Mittel sein darf.

„das [eine Zwangseinweisung] kann nur das äußerste Mittel sein, wenn gar nichts anderes mehr geht [...], wenn ich es irgendwie abwenden kann, dann versuch ich das auch, [...] da würd ich wirklich meine ganze Energie reinsetzen, um das zu verhindern“ (Psychologin BeWo 2014, Z. 522-525)

Insgesamt werden Zwangsbehandlungen und Fixierungen zum Schutz vor einer Selbst-/Fremdgefährdung für notwendig befunden, wenn auch als letztes Mittel.

 
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