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Abstract

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine qualitative Forschungsarbeit, über den Umgang mit der Grenze zwischen Selbstund Fremdbestimmung. Dabei liegt der Fokus auf psychiatrischen Zwangsmaßnahmen im Rahmen der allgemeinpsychiatrischen Erwachsenenversorgung, insbesondere auf Zwangseinweisungen und -behandlungen, aber Fixierungen und Zwangsbetreuungen werden ebenfalls berücksichtigt. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, den Umgang mit der Grenze zwischen Selbstund Fremdbestimmung unter Einbeziehung von sozialarbeiterischen, juristischen, psychologisch-psychiatrischen und ethisch-philosophischen Aspekten multiperspektivisch und interdisziplinär auszuleuchten und insbesondere die subjektive Sicht der Beteiligten zu eruieren. Zunächst werden die rechtlichen Rahmenbedingungen von psychiatrischen Zwangsmaßnahmen anhand des BGB, des PsychKG NRW und entsprechender Gesetzeskommentare erörtert. Dabei soll herausgefunden werden, unter welchen Voraussetzungen bestimmte Verhaltensweisen im Lichte des Selbstbestimmungsrechts zu tolerieren sind bzw. ab welcher Art oder Intensität von Verhalten die Grenze zur Legitimation und Indikation einer Zwangsmaßnahme als überschritten gilt, und wie deren Ausgestaltung aussieht. Anschließend wird der Frage nachgegangen, wie in der Praxis mit dem Grenzbereich bzw. dem Spannungsfeld zwischen Autonomie und Zwang umgegangen wird. Es wird eine empirische Untersuchung vorgestellt, in der fünf Fachkräfte, eine Betroffene und eine Vertreterin der Antipsychiatriebewegung mittels halbstrukturierter Expertenund problemzentrierter Interviews befragt wurden, woraufhin eine inhaltsanalytische Auswertung erfolgte. Bei den Interviews lag der thematische Fokus auf der praktischen Umsetzung der rechtlichen Grundlagen, persönlichen Erfahrungen mit Zwangsmaßnahmen, dem emotionalen Erleben während einer Zwangssituation, der persönlichen Haltung zur Selbstund Fremdbestimmungsproblematik, der Einschätzung der neuen Rechtslage zur Zwangsbehandlung sowie Vorschlägen zur Zwangsreduktion. Abschließend werden die Ergebnisse vor dem Hintergrund anderer Forschungsoder Literaturarbeiten reflektiert und es werden Handlungsempfehlungen für die Forschung, Betroffene und Fachkräfte abgeleitet sowie Konsequenzen für die Soziale Arbeit gezogen, für die das Handlungsfeld psychiatrischer Zwangsmaßnahmen aufgrund ihres Selbstverständnisses als eine autonomiefördernde Profession mit besonderen Herausforderungen verbunden ist.

 
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