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8.2.1 Bedingungsr яяessourcen im Prozess der Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Aus der Deskription geht einerseits hervor, dass die Verflechtung von Familie und Beruf als starke Belastung empfunden wird. Die dazu Befragten – insbesondere aus der Gruppe der Frauen – thematisieren diese sowohl als Ursache als auch als Ausgangspunkt von sozialen und finanziellen Krisen. Hier stellen die weiblichen Agents die Aufnahme der CC-Tätigkeit in Folge einer Beziehungstrennung und den daraus resultierenden finanziellen Krisen in den Mittelpunkt ihrer Erzählung („Ich hatte finanzielle Not.“ I_11, Abs. 13, ♀41-45). Begründet wird die Tätigkeitsaufnahme überwiegend vor dem Hintergrund einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Andererseits zeigt sich, dass die Vereinbarkeit von Kindererziehung und CC-Tätigkeit für die Befragten nicht zwangsläufig als Stressbelastung dargestellt wird. Vielmehr lassen die qualitativen Auswertungsergebnisse darauf schließen, dass die interviewten Frauen dies in Abhängigkeit der Bedingungen wahrnehmen, die sie im betrieblichen und vor allem im privaten Kontext vorfinden („Das geht nur, wenn die Omas mitspielen.“ I_6, Abs. 58, ♀45-50).

Zur theoretischen Einbettung dieser unterschiedlichen Darstellungsweisen sind die von Hobfoll (1998) angeführten Bedingungsressourcen zentral (Kapitel 4.3). Diese beziehen sich auf die individuelle Lebensund Arbeitssituation, indem sowohl die berufliche Position als auch der Familienstand, das Alter und der Gesundheitszustand berücksichtigt werden. Die Theorie geht davon aus, dass

„ein Individuum seine Lebensumstände so gestaltet, dass es seine eigene Integrität, aber auch die seiner Familie […] schützt und unterstützt“ (Hobfoll & Buchwald, 2004, S. 12). Dieser als Teil des prosozialen Coping-Verhaltens angeführter Aspekt hat sich in den Interviews ebenfalls in Bezug auf die soziale Unterstützung am Arbeitsplatz gezeigt. So nehmen Bedingungsressourcen für die interviewten Frauen eine zentrale Bedeutung ein, um die aus dem Alleinerziehenden-Status resultierenden Herausforderungen zu bewältigen („Sind ja auch viele Alleinstehende bei uns, die da Probleme haben. Ja die müssen auch davon mal erzählen können.“ I_13, Abs. 34, ♀56-60). Die von Hobfoll und Buchwald (2004) angeführten Impulse können demzufolge eine Erklärung für die ebenfalls positive Wirkung der CC-Tätigkeit sein: Das aus der Tätigkeit resultierende soziale Umfeld bietet eine Unterstützung, um den aus der Lebenssituation entstehenden Konflikten und Problemen entgegenzuwirken.

Neben der Relevanz von Bedingungsressourcen für die Umgangsweise mit Vereinbarkeitsanforderungen gehen aus den deskriptiven Ergebnissen ebenfalls Darstellungsweisen von weiblichen Agents hervor, die auf ein starkes Belastungsmuster deuten. So wird in einem weiteren Abschnitt der Fokus auf eine theoretische Einbettung der Entstehung von arbeitsbedingtem Stress gerichtet.

 
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