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8.2 Callcenter-Tätigkeit zwischen Flexibilität und Perspektivlosigkeit

Wie bereits in Kapitel 3 aufgezeigt, deuten die empirischen Befunde darauf hin, dass nach wie vor klassische Familienkonzepte und Arbeitsteilungen den familiären Alltag prägen. Diesbezüglich wird davon ausgegangen, dass die aus den Interdependenzen von Haus-, Familienund Erwerbsarbeit entstehenden Anforderungen und Belastungen Frauen häufiger betreffen als Männer (WSI, 2014). Die theoretischen und empirischen Arbeiten belegen allerdings, dass die oftmals konstatierte „Doppelbelastung“ (Peuckert, 2012, S. 242) von Frauen nicht zwangsläufig als negativer Stressfaktor wahrgenommen wird. Der transaktionalen Stresstheorie nach Lazarus (1966) zufolge wirkt sich beruflicher Stress schließlich nur dann negativ aus, wenn dieser auch subjektiv als Belastungsfaktor wahrgenommen wird. Wie in der Diskussion der theoretischen Konzepte angeführt wurde, verändert sich aber möglicherweise die Relevanz der Erwerbsarbeit, sobald andere, emotional bedeutendere Bereiche, wie die Beziehung zu den Kindern oder zu den KollegInnen, in den Vordergrund rücken. Da die bisherigen Modelle der Stressund Bewältigungsforschung die Dynamik der Anforderungen aus Erwerbsarbeit, Familie und Freizeit nicht berücksichtigen, ist hier eine weitere Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der qualitativen Untersuchung erforderlich.

Zunächst fällt auf, dass die Vereinbarkeit von CC-Tätigkeit und familiären Anforderungen insbesondere von der Gruppe der weiblichen Befragten aufgegriffen wird. Hierbei haben sich für die Diskussion zwei Befunde als zentral erwiesen: Zum einen erscheinen die nach Hobfoll (1998) angeführten Bedingungsressourcen für einen gelungenen Vereinbarkeitsprozess zentral zu sein. Die deskriptiven Ergebnisse weisen darauf hin, dass im Rahmen der Stressbewältigung die Unterstützung durch Familienangehörige in den Mittelpunkt gestellt wird, sodass diese in einem nachfolgenden Abschnitt diskutiert wird (Kapitel 8.2.1). Zum anderen lassen weitere Befunde innerhalb der Ergebnisdarstellung die Schlussfolgerung zu, dass Stressbelastungen nicht vor dem Hintergrund von Vereinbarkeitsbemühungen der befragten Mütter angeführt, sondern auf die als prekär wahrgenommene CC-Tätigkeit zurückgeführt werden (Kapitel 8.2.2).

 
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