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7.3.2 Gruppierung der Fälle und Analyse empirischer Regelmäßigkeiten

Die Gruppierung und Analyse der Interviews erfolgte über permanente Quervergleiche zwischen den Fällen. [1] Laut Kelle und Kluge (2010) werden dazu die für die Forschungsfrage relevanten Dimensionen näher bestimmt und anschließend in Bezug auf ihre empirische Regelmäßigkeit überprüft. Zur Unterstützung dieser Stufe der Typenbildung schlägt Kluge (1999) das Konzept des Merkmalsraums vor, indem jeweils zwei Kategorien mit ihren Subkategorien in einer Kreuztabelle gegenübergestellt werden. Ziel ist es, einen Überblick über die relevanten Kombinationen zu erhalten und auf dieser Grundlage die Fälle zuzuordnen. Kelle und Kluge (2010) verweisen in der Darstellung der Fallzuordnung darauf, dass sich die Typenbildung von der Person als Fall löst und die Ebene von Handlungsmustern fokussiert. Je nach Darstellungsweise der Stressund Bewältigungsmuster innerhalb eines Falls kann es daher sein, dass eine Person durchaus mehreren Typen zugeordnet wird.

Tabelle 15 zeigt eine Gegenüberstellung der Entstehungsund Bewältigungsmuster von arbeitsbedingtem Stress mit unterschiedlichen beruflichen und außerberuflichen Motivationslagen. Daraus wurde eine Typologie gebildet und die analysierten Interviewpassagen zugeteilt. Durch die Gegenüberstellung konnten geschlechtsreflektierte Darstellungsweisen der Stressund Bewältigungssituation abgebildet werden, die vor dem Hintergrund der jeweiligen beruflichen Motivationen variierten. Auf dieser Basis werden in der Ergebnisdarstellung insgesamt vier Typen beschrieben. Die Typen A bis C beziehen diejenigen Fälle ein, bei denen die Tätigkeit aus berufsinhaltlichen Motiven ausführt wird. Hierbei ergeben sich jedoch vor dem Hintergrund der jeweiligen Entstehungsund Bewältigungsmuster weitere Ausdifferenzierungen. Während sich Typ A durch eine ressourcenorientierte Darstellungsweise ohne Benennung konkreter individueller Stressoren auszeichnet, charakterisiert Typ B eine individualisierte Anpassung trotz erfahrener Belastungen. Die Anpassung an die gegebenen Arbeitsbedingungen erfolgt hier oftmals in Form einer Abgrenzung zu anderen KollegInnen.

Tabelle 15: Gegenüberstellung der Entstehungsund Bewältigungsmuster von arbeitsbedingtem Stress mit unterschiedlichen beruflichen Motivationslagen.

Schließlich können Fälle einem Typ C zugeteilt werden, die sich in einem Bedürfnis nach Selbstbestimmung über lebensund arbeitsweltliche Ansprüche auszeichnen. Diese befinden sich in einem ständigen Konflikt mit den als belastend wahrgenommenen Stressoren. Als starker Gegensatz zu der in Typ A dargestellten salutogenen Umgangsweise mit CC-spezifischen Anforderungen zeigen sich zum anderen Muster von arbeitsbedingtem Stress, die durch eine starke Erschöpfung gekennzeichnet sind. In den unter Typ D subsumierten Fällen zeigt sich, dass in den Erzählungen der Agents – die die Tätigkeit oftmals aus existenzieller Not ergreifen – keinerlei Hinweise auf konstruktive Bewältigungsstrategien gegeben werden.

  • [1] Diese werden auch als Synopsen bezeichnet, also als eine vergleichende Gegenüberstellung von Textelementen in unterschiedlichen Dokumenten (Kelle & Kluge, 2010).
 
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