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6.7 Anonymität, Datenschutz und Forschungsethik im betrieblichen Kontext

Datenschutzrechtliche und ethische Prinzipien betreffen prinzipiell alle Schritte im Forschungsprozess, sodass im Laufe der Ausführungen zum methodischen Vorgehen bereits Überlegungen zur Vorgehensweise im Feldzugang oder in der Interviewtranskription angerissen wurden. Da jedoch sowohl allgemeine gesetzliche Bestimmungen zur Feldforschung gelten als auch Kriterien vorliegen, die speziell in Bezug auf den betrieblichen Kontext zu beachten sind, sollen die vor, während und nach der Erhebungsphase getroffenen Maßnahmen komprimiert erläutert werden.

Helfferich (2011, S. 192) merkt prinzipiell an, dass es in der Verantwortung der Forschenden liegt, „[…] mögliche negative Folgen, die sich aus der Teilnahme an einer qualitativen Studie ergeben, vorherzusehen und die Erzählpersonen entsprechend zu schützen“. Das methodische Vorgehen orientierte sich demzufolge an forschungsethischen Prinzipien, die etwa im Ethik-Kodex der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und des Berufsverbandes Deutscher Soziologen formuliert sind (DGS & BDS, 1992). Medjedovic (2010) fasst in Anlehnung an Hopf (2005) zwei Prinzipien zusammen, die in der vorliegenden Studie zentral waren: Zum einen gelte das Prinzip der informierten Einwilligung, das sich in der Erhebung und Auswertung des erhobenen Materials auf die Kenntnis, Information und Freiwilligkeit der Befragten bezieht. Zum anderen sei eine Verantwortung denen gegenüber zu tragen, die zum „Objekt der Forschung“ (ebd., S. 311) erklärt werden. In Bezug auf die durchgeführte Erhebung, Auswertung und Veröffentlichung der vorliegenden Studie waren dabei die besonderen Bedingungen im betrieblichen Erhebungskontext zu beachten. So war davon auszugehen, dass die Beschäftigten aufgrund ihrer Kritik an belastenden Arbeitsbedingungen oder Führungsstrategien negative Sanktionen befürchten, sobald eine Zuordnung der Interviews möglich wäre. Diese Unsicherheiten seitens der Agents zeigten sich selbst im zweiten Erhebungskontext, in dem die Geschäftsführung einer Befragung ausdrücklich zugestimmt hatte. So zog eine Interviewperson im Anschluss der Befragung ihre Einwilligung zurück, die Ergebnisse der Studie in anonymisierter Form dem Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen. Wie bereits im Rahmen des Feldzugangs erläutert, wurde aus diesem Grund den Befragten zur Kontaktaufnahme und Interviewdurchführung ein neutraler Ort angeboten (Kapitel 6.1).

Rechtliche Bestimmungen zur praktischen Umsetzung der Anonymität und des Datenschutzes in qualitativen Studien bietet das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG, 1990). In der Erhebung kam den Regelungen daher eine besondere Rolle zu. So wurde für die „Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten“ (§ 4 Absatz 1 BDSG) das Einverständnis der Befragten auf Grundlage einer Einwilligungserklärung eingeholt. In Anlehnung an die gesetzlichen Bestimmungen des BDSG beinhaltete die Erklärung genauere Angaben zum Zweck der Forschung, der vorgesehenen Verarbeitung und Beseitigung der Daten sowie den Hinweis auf die Möglichkeit, auch nach der Befragung das Einverständnis zu widerrufen (Anhang 7). Während der Datenaufbewahrung wurden die personenbezogenen Einwilligungserklärungen von den Datenträgern getrennt aufbewahrt. Dem Löschungsgebot zufolge wurden im Anschluss der Auswertung und vollständigen Verschriftlichung der Ergebnisteile sowohl die Dateien der Interviewaufnahmen als auch die Kontaktdaten der Befragten gelöscht bzw. beseitigt.

 
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