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4.4 Empirischer Stand der Forschung zum Zusammenhang von arbeitsbedingtem Stress, Gesundheit und Geschlecht

Verschiedene Überblicksartikel verweisen bereits auf einen Zusammenhang von negativem Distress und Gesundheit (Shilds, 2004; Lovallo, 2005; Siegrist & Dragano, 2008). Stress kann bei dauerhafter, negativer Einwirkung und fehlender Verarbeitung sowohl physische als auch psychische Erkrankungen zur Folge haben. So liegen Befunde über gesundheitliche Einschränkungen bei dauerhaftem negativem Stress vor, die sich auf verschiedene Körperregionen beziehen. Diesbezüglich können etwa Einschränkungen der Leistungsfähigkeit des Gehirns, des Herz-Kreislaufsystems, der Muskulatur, der Verdauungsund Stoffwechsel-, der Sinnessowie der Geschlechtsorgane angeführt werden (ebd.). Zur Eingrenzung der Ergebnisse und Befunde auf die Forschungsfrage werden in diesem Kapitel jedoch nicht die allgemeine bio-physische und psychische Wirkung von Stress erläutert. Vielmehr widmen sich die nachfolgenden Ausführungen dem Zusammenhang von arbeitsbedingtem Stress, Bewältigung und Geschlecht.

Zunächst fällt auf, dass die empirische Stressund Bewältigungsforschung auf eine hohe Aussagekraft des Modells beruflicher Gratifikationskrisen sowie des Anforderungs-Kontroll-Modells für die Entstehung von Herz-KreislaufErkrankungen verweist. Siegrist (2010, S. 80) fasst etwa zusammen, dass „[…] psychosoziale Arbeitsbelastungen in Form eines dieser Modelle das Risiko, in den nachfolgenden 10 Jahren eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden, um einen Bereich von 40 bis 80% erhöhen“. Das Erkrankungsrisiko im Falle affektiver, z. B. depressiver Störungen wird darüber hinaus als noch höher eingeschätzt (ebd.). Gleichwohl hat sich bereits in der Diskussion der vorangestellten Modelle gezeigt, dass der theoretische Forschungsstand durch eine fehlende Berücksichtigung der Dimension Geschlecht gekennzeichnet ist. Dragano (2007) stellt etwa fest, dass sich die empirische Überprüfung der Modelle lediglich auf die männliche Bezugsgruppe reduziert. Demgegenüber liegen inzwischen zahlreiche Studien vor, die den Einfluss von Geschlecht auf die Entstehung und Bewältigung von arbeitsbedingtem Stress untersuchen. Nachfolgend werden die Ergebnisse in Bezug auf erwerbsarbeitsbedingten Stress und Geschlecht, Interdependenzen von Arbeit und außerberuflichen Anforderungen sowie Stressbewältigung und Geschlecht erläutert, ehe im Zwischenfazit eine Diskussion und Bewertung mit Blick auf die Forschungsfrage erfolgt.

 
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