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3.4.2 Community Actions

In der weiteren Konzeptbeschreibung wird die Ebene der „community actions“ (ebd., S. 64) angeführt, um Faktoren einzubeziehen, die sich aus der Umgebung bzw. Umwelt („physical environment“, ebd., S. 66) ergeben. So kommen die Autorinnen zu dem Schluss, dass Risikofaktoren, wie Luftverschmutzung und Lärmbelastung, Kriminalität sowie eine insgesamt unsichere Infrastruktur, den Gesundheitszustand negativ beeinflussen können:

„Although it is obvious that some neighborhoods present physical hazards, such as pollution, crime, or unsafe buildings and other structures, additional aspects of place or residence are potentially of concern if living in a high-stress area, in and of itself, leads to poorer health over time.“ (Bird & Rieker, 2008, S. 119)

Darüber hinaus verweisen sie darauf, dass sich positive gesundheitsfördernde Effekte aus einer Infrastruktur ergeben, die beispielsweise aus Grünflächen, Fahrradwegen und Aktivitäten in Parks und anderen Freizeitanlagen besteht. Hier messen sie ebenfalls der politischen und stadtplanerischen Ebene eine besondere Rolle in der Bereitstellung und Entwicklung einer gesundheitsfördernden Wohnumgebung zu. Die Frage, ob und inwiefern Merkmale städtischer Gemeinden und Nachbarschaften die verschiedenen Gesundheitsentscheidungen und -handlungen von Frauen und Männern beeinflussen, wurde Bird und Rieker (2008) zufolge noch nicht zufriedenstellend beantwortet. Unter Berücksichtigung der Ebene der „community actions“ (ebd., S. 64) gehen die Autorinnen jedoch davon aus, dass Frauen und Männer innerhalb ihrer Wohnumgebung unterschiedliche „coping styles“ (ebd., S. 126) entwickeln. Diese ergäben sich aus den Folgen der genannten umweltund umgebungsbezogenen Aspekte, die für Frauen und Männer aufgrund ihrer sozialen und familiären Rolle eine differenzierte Bedeutung einnähmen – „such as the availability or lack of a safe place to exercise and the time to do so“ (ebd., S. 126). Diesbezüglich verweisen sie jedoch auf weiteren Forschungsbedarf, der sich der Bedeutung von umweltund umgebungsbezogenen Aspekten für die Gesundheit von Frauen und Männern widmet.

In einem weiteren Schritt führen Bird und Rieker (2008) die Relevanz sozialer Netzwerke (Gemeinden/Gemeinschaften) für den gesundheitsrelevanten Entscheidungsund Handlungsprozess an:

„Neighborhoods with better social and physical infrastructure also tend to have more of the resources such as safe accessible parks that encourage positive health behaviors.“ (Bird & Rieker, 2008, S. 120)

Die aus der sozialen Infrastruktur resultierenden Ressourcen beziehen die Autorinnen auf die Unterstützung z. B. durch Familienangehörige und FreundInnen im privaten oder arbeitsplatzbezogenen Umfeld. Nach Ansicht von Bird und Rieker (2008) unterscheiden sich Gemeinschaften danach, in welchem Ausmaß sie bei der Bewältigung alltäglicher Anforderungen und Stressoren sowohl förderlich als auch hinderlich sein können. Zur Frage der Bedeutung von Geschlecht beziehen sich die Autorinnen – ähnlich wie im Kontext der physischen Umwelt – darauf, dass Frauen und Männer in ihrem Alltag unterschiedlichen Rollenaktivitäten nachgehen, die aus gesellschaftlichen Erwartungshaltungen resultieren. Diese stellten spezifische Anforderungen, die sich auf die Art und Weise der Stressbelastungen auswirken könnten. Hierbei betonen Bird und Rieker (2008), dass Frauen aufgrund der ihnen oftmals zugeschriebenen Erziehungsund Pflegerolle stärker von infrastrukturellen und nachbarschaftlichen Netzwerken profitieren, die diese Aufgaben ermöglichen oder erleichtern. Dabei verweisen die Autorinnen auf die bereits in den empirischen Daten deutlich gewordene Verantwortung, die sowohl verheiratete als auch alleinerziehende Mütter in der Erziehung der Kinder übernehmen. Die hier formulierten Annahmen erhalten ihre Relevanz besonders vor dem Hintergrund der dargelegten Statistiken zum Verhältnis von Haus-, Familienund Erwerbsarbeit. Diese weisen darauf hin, dass trotz steigender Erwerbsarbeitsquote Frauen nach wie vor die Kindererziehung übernehmen und einen großen Teil ihrer Freizeit mit Hausund Familienarbeiten verbringen. In den weiteren Erläuterungen führen Bird und Rieker (2008) daher den Aspekt einer vernetzten und vertrauensvollen Nachbarschaft an, die sich in Form von sozialem Kapital positiv auf die Bewältigung von Anforderungen und Belastungen auswirken kann.

Insgesamt haben die aus der sozialen und physischen Umwelt resultierenden Faktoren den Autorinnen zufolge einen erheblichen Einfluss auf Entscheidungen von Frauen und Männern, die ihren Gesundheitszustand direkt oder indirekt beeinflussen. Um diesen Entscheidungsprozess zu veranschaulichen werden beispielhaft Fragen angeführt, die zur Zusammenfassung der Ebene „Community Actions“ (ebd., S. 64) geeignet sind:

„Decision about neighborhood and housing

Ÿ Where to live; whether to relocate near better schools or closer to work?

Ÿ Opportunities to exercise outdoors;

Ÿ Neighborhood safety;

Ÿ Whether to get a larger home with space for elderly or ill parents, etc.?”

(Bird & Rieker, 2008, S. 61)

Vor dem Hintergrund der Forschungsfrage, welche unterschiedlichen Entstehungsund Bewältigungsmuster bei Frauen und Männern am Beispiel der CCTätigkeit deutlich werden, ist die Ebene der „Community Actions“ des Constrained-Choice-Konzepts aus zwei Gründen relevant: Zum einen wird sich im empirischen Teil die Frage stellen, welche Bewältigungsfunktion die physische Wohnumgebung für mögliche CC-spezifische Belastungen einnimmt. Liegen hier unterschiedliche Präferenzen von Frauen und Männern vor, und falls ja, worin begründen sich diese? Zum anderen stellt sich die Frage, welche Bedeutung die soziale Umgebung in Form von Nachbarschaft, Familie und FreundInnen für die Bewältigung von arbeitsbedingtem Stress einnimmt. Diesbezüglich bietet die letzte Ebene „Work and Family Level“ (ebd., 2008, S. 64) weitere Impulse, die nachfolgend erläutert werden.

 
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