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3.3.5 Arbeitsund Lebensbedingungen

Die in Kapitel 3.1 dargestellten Befunde deuten darauf hin, dass die ungleiche Einbindung in Erwerbs-, Haus-, Erziehungsund Pflegearbeiten mit spezifischen Anforderungen verbunden sind. So lässt sich aus der statistischen Datenlage etwa schließen, dass Frauen nach wie vor häufiger in Formen der Reproduktionsarbeit involviert sind und damit einen größeren Anteil unbezahlter Tätigkeiten übernehmen. Gleichwohl zeigen die Befunde der Zeitbudgetstudien, dass Frauen und Männer auf unterschiedliche Ressourcen zurückgreifen können, die für eine Beurteilung der gesundheitlichen Lage von Bedeutung sind. Laut Statistik nutzen Frauen ihre Zeit ausgiebiger für soziale Kontakte, sodass ihnen ggf. Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um berufsbedingte Belastungen ausgleichen zu können. Für die Analyse der Entstehungsund Bewältigungsmuster von arbeitsbedingtem Stress in CCn ist hier die Frage von Bedeutung, welche Rolle die außerberuflichen Rahmenbedingungen für die Umgangsweise mit arbeitsplatzspezifischen Stressoren einnimmt. Um für die Analyse der Ergebnisse eine geeignete theoretische Grundlage bereitzustellen, soll der Blick näher auf Erklärungsansätze gerichtet werden, die die Dynamik von Arbeitsund Lebenswirklichkeiten für die Gesundheit und Krankheit von Frauen und Männern fokussieren.

Im Rahmen der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen theoretischen Modellen stellte sich das Constrained-Choice-Konzept nach Bird und Rieker (2008) als geeignet für die Berücksichtigung von Lebensund Arbeitswirklichkeiten heraus. Das Modell basiert auf der Annahme, dass Entscheidungsprozesse über gesundheitsrelevante Verhaltensweisen bei Frauen und Männern auf individuelle, sozialund strukturpolitische Rahmenbedingungen zurückzuführen sind. Der Ansatz eignet sich daher gut, um einen Interpretationsrahmen für die Frage nach den Entstehungsund Bewältigungsmustern von arbeitsbedingtem Stress zu erarbeiten, der neben erwerbsarbeitsspezifischen Belastungen und Ressourcen ebenfalls außerberufliche Bedingungen mit einbezieht. Letzteres stellt – vor dem Hintergrund der Interdependenzen von Haus-, Familienund Erwerbsarbeit – eine zentrale Voraussetzung dar, um den daraus resultierenden „total workload“ (Lindfors et al., 2006, S. 131) theoretisch einzubetten. Keineswegs werden damit Erklärungen ausgeschlossen, die sich auf die Bedeutung sozialisationstheoretischer Ansätze beziehen, wie sie bereits unter Abschnitt 3.3.2 näher ausgeführt wurden. [1] Vielmehr ermöglicht das Modell, die Relevanz von Geschlechtsrollen und den damit verbundenen Erwartungen und Anforderungen im beruflichen und außerberuflichen Kontext zu reflektieren (ebd.).

  • [1] Vgl. hierzu z. B. die Erklärungsansätze von Gloger-Tippelt (1993).
 
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