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2.2 Theoretische Implikationen der Geschlechterforschung

Die nachfolgend dargelegten theoretischen Befunde zur Beschreibung der Dimension Geschlecht dienen weniger einer grundlegenden Aufarbeitung der Gender-Literatur. [1] Vielmehr werden diejenigen theoretischen Überlegungen komprimiert dargestellt, die für den Forschungsgegenstand von Bedeutung sind. Hierbei besteht die Herausforderung darin, die aus den Theoriedebatten resultierenden Impulse auf ihre Anwendbarkeit für den Themenbereich Arbeit, Gesundheit und Geschlecht zu prüfen. Im Mittelpunkt der Darstellung stehen weniger biologische und neurowissenschaftliche Erkenntnisse, sondern die aus der Soziologie und den Sozialwissenschaften resultierenden Annahmen über die Definition von Geschlecht. Die theoretische Selektion begründet sich nicht vor dem Hintergrund einer angenommenen Wahrheit in Bezug auf die Definition von Geschlecht. Der Abschnitt thematisiert vielmehr diejenigen Theorien, die die Bedeutung von Geschlecht für die Entstehungsund Bewältigungsmuster von arbeitsbedingtem Stress erklären.

Zunächst wird die bereits in den 1970er Jahren erfolgte Auseinandersetzung mit Geschlecht als biologische Kategorie aufgegriffen (Kapitel 2.2.1), ehe die Unterscheidung der Begriffe Sex und Gender im Sinne eines mehrdimensionalen Verständnisses vorgenommen wird (Kapitel 2.2.2). Vor diesem Hintergrund werden schließlich die für die Forschungsfrage relevanten Analyseperspektiven Geschlecht als Strukturkategorie (Kapitel 2.2.3) sowie Geschlecht als DoingGender-Prozess (Kapitel 2.2.4) vorgestellt. Zur Übertragung der Perspektiven auf den Forschungsstand wird ein Modell vorgeschlagen, dass die theoretischen Implikationen auf den Ebenen Individuum, Organisation und Gesellschaft einzuteilen vermag (Kapitel 2.2.5).

  • [1] Beispielsweise wird die Diskussion um Transidentitäten nicht aufgegriffen. Diese bezieht sich auf Personen, die zwar eindeutige physische Merkmale besitzen, sich jedoch nicht dem durch ihren Körper repräsentierten Geschlecht angehörig fühlen. Wissenschaftlich wird dieser Diskurs vor allem in den Queer Studies geführt (Kirsch, 2000). Da in der Fallauswahl des empirischen Teils die Vergleichsgruppen als Frauen und Männer definiert sind, ist für die Erklärung der Stressund Bewältigungsmuster die Theorie der Transidentität nicht von Bedeutung. Zur methodischen Reflektion dieses Vorgehens siehe Kapitel 9.4.
 
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