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II. Externalisierendes und aggressive Verhalten

5. Stell dir vor, du wirst schikaniert, und keener schaut hin – Alte und neue Fragen an die Mobbingforschung

Mechthild Schäfer und Manuel Stoiber

5.1 Einleitung

Wolfgang Lenhard

„Mobbing“ ist ein Begriff, der häufig und in unterschiedlichen Kontexten gebraucht wird. Ein großer Bereich stellt dabei das Berufsleben dar, und es geht in diesem Zusammenhang um Ausgrenzung und Schikanen am Arbeitsplatz. Ein anderer großer Bereich ist die Schule, wo in einem bestimmten Umfang Konflikte an der Tagesordnung sind, insbesondere da Kinder und Jugendliche soziale Kompetenzen Stück für Stück erwerben müssen und adäquate Lösungsstrategien für zwischenmenschliche Auseinandersetzungen nicht per se jeder Person zur Verfügung stehen. Allerdings sind die Begriffe „Konflikt“ und „Mobbing“ keineswegs gleichbedeutend, und nicht jede Auseinandersetzung muss als Mobbinggeschehen begriffen werden. So kann es durchaus Formen von Konflikten geben, die erwünscht sind, da im Falle einer produktiven Lösung neue Verhaltensweisen erworben werden können. Doch wo enden normale Konflikte, und wo wird das Eingreifen durch Dritte notwendig, um Schaden von den Betroffenen abzuwenden? Sollte beispielsweise bereits ein gegenseitiges Necken auf dem Pausenhof unterbunden werden? Wann wird ein sozialer Konflikt zu Mobbing? Welche Rolle spielt dabei der soziale Rahmen, in den der Konflikt eingebettet ist? Was versteht man unter neuen Formen von Mobbing, beispielsweise dem Cybermobbing? Nimmt Mobbing immer mehr zu? Und schließlich: Was kann man tun, um ein Mobbinggeschehen zu unterbinden oder, noch besser, gar nicht erst in Gang kommen zu lassen? Im schulischen Kontext war das Phänomen sicher von jeher sehr präsent. Es gibt zahlreiche Literaturstellen aus vergangenen Epochen, die Mobbingprozesse belegen, und viele Menschen können aus ihrer Schulzeit davon berichten, ausgegrenzt oder an Ausgrenzungen und Gewalthandlungen beteiligt gewesen zu sein. Lange Zeit fand die Thematik jedoch keine große bzw. systematische Beachtung. Dies hat sich sicher mittlerweile stark gewandelt, beispielsweise durch die frühen Arbeiten von Forschern wie Olweus (1973) im skandinavischen Raum. Inzwischen stehen akzeptierte Definitionen, Diagnoseinstrumente, umfangreiche Daten zur Auftretenshäufigkeit sowie evaluierte Präventionsund Interventionskonzepte zur Verfügung (Schäfer 2012). Ein wesentlicher Schlüssel zum Verständnis des Phänomens liegt darin, die Dynamik des Geschehens und die daran beteiligten sozialen Rollen zu verstehen.

Prof. Dr. Mechthild Schäfer arbeitet an der Ludwig-Maximilians-Universität in München zusammen mit ihrem Mitarbeiter Manuel Stoiber an dieser Problematik. Sie kann nicht nur auf eine langjährige, auf das Thema Mobbing ausgerichtete Forschungsund Publikationstätigkeit zurückblicken (z. B. Schäfer und Albrecht 2004; Schäfer und Korn 2004), sondern für sie ist es ein wichtiges Thema im Rahmen der Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte und Schulpsychologen.

Referenzen

Olweus, D. (1973). Hackkycklingar och översittare. Forskning on skolmobbning. Stockholm: Almqvist & Wicksell.

Schäfer, M. (2012). Mobbing im Schulkontext. In W. Schneider, & U. Lindenberger (Hrsg.),

Entwicklungspsychologie (S. 691–704). Weinheim: Beltz.

Schäfer, M., & Albrecht, A. (2004).„Wie Du mir, so ich Dir“: Prävalenz und Stabilität von Aggression und Bullying in Grundschulklassen. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 51, 136–150.

Schäfer, M., & Korn, S. (2004). Bullying als Gruppenphänomen. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische. Psychologie, 36(1), 19–29.

 
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