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Rechtliche Interessen

Indem sich ein öffentliches Museum auf eine Dauerleihgabe oder einen individualisierten Kooperationsvertrag einlässt, kann es aufgrund der Eigentumsverhältnisse leicht in eine Abhängigkeit von dem guten Willen des Sammlers bzw. dessen Rechtsnachfolger geraten. [1] Das Museum wird lediglich die Sammlung in Besitz nehmen, jedoch nicht Eigentümer der Sammlung sein. Aufgrund dieser Eigentumsund Besitzansprüche ist es für ein Museum von hoher Bedeutung, die Gründe für eine Kündigung vertraglich zu regeln. Folgende Forderungen können als Kündigungsgründe nach anerkannt werden:

„Das dauerhafte Nichtausstellen der Werke, das Umhängen der Werke, mangelnder Publikumsbesuch, mangelnde konservatorische Betreuung.“ [2]

Die Nennung der Kündigungsgründe und die Angaben der Dauer der Leihzeit sind unverzichtbar, will ein Museum eine vorzeitige Rückforderung der ausgeliehenen Sammlung vermeiden. Somit versucht ein Museumsdirektor so viel Sicherheit wie möglich in dem Leihvertrag bzw. individualisierten Kooperationsvertrag zu verankern. Optimal sind eine möglichst lange Leihfrist mit automatischer Fristverlängerung und keine Verpflichtung zur Dauerausstellung. Bestenfalls trifft das Museum eigenständig Entscheidungen über die Art der Präsentation der geliehenen Privatsammlung. [3]

So stellen aus Sicht der öffentlichen Museen einerseits der Dauerleihvertrag und andererseits der individualisierte Kooperationsvertrag durch die freiere Gestaltung weit mehr eine Art Hoffnungsprinzip dar. Vielleicht ergibt sich aus der freundschaftlichen Kunstüberlassung eine großherzige Schenkung von Teilen der Privatsammlung. Oder dem öffentlichen Museum wird wohlmöglich die ganze Privatsammlung vermacht. Die Umwandlung einer Kunstüberlassung in eine Schenkung oder ein Vermächtnis von Todes wegen kann durchaus in entsprechenden Koopertionsverträgen aufgenommen werden. [4]

Die Schenkung sowie auch die Verfügung von Todes wegen sind Verträge, die auf einer übereinstimmenden Willenserklärung beider Parteien basieren. Das bedeutet, dass auch der Beschenkte dieser Wohltat zustimmen muss und nicht gegen den Willen des Schenkenden handeln darf. Dementsprechend verpflichtet sich das öffentliche Museum dazu, die geschenkte Sache mit entsprechend möglichen Verbindlichkeiten zu erwerben. Hierbei können sich neben pragmatischen Auflagen Machtverhältnisse widerspiegeln. Das Sprichwort: Dem geschenkten Gaul schaut man nichts ins Maul, sollte in diesem Zusammenhang nicht zum Tragen kommen. Denn die geschenkte Kunstsammlung mit möglichen Auflagen und Verpflichtungen sollte sich der Museumsdirektor sehr wohl genau anschauen. [5]

Ob sich ein Privatsammler auf eine Kooperation einlassen wird, ist letzten Endes Verhandlungssache der Parteien. Allerdings bleibt das Museum stets in der schlechteren Verhandlungsposition. Der selbstbewusste Privatsammler kann sich im Zweifel sogar aussuchen, mit welchem der interessierten Museen er einen Kooperationsvertrag schließen möchte. Daher ist die Konkurrenz unter den Museumsdirektoren groß. Auch wenn die Parteien zunächst von unterschiedlichen Verhandlungspositionen ausgehen, wollen sie doch das gemeinsame Ziel – die Kooperation – erreichen. Um das Ziel erfolgreich zu realisieren, bringen bestenfalls alle Kooperationspartner – das Museum, der Träger und der Privatsammler – ihre Stärken ein und gehen mit ihren jeweiligen Schwächen verantwortungsund respektvoll um. Insgesamt ist es wünschenswert, alle Interessen in ein faires Gleichgewicht zu bringen, damit ein dauerhafter Erfolg erzielt werden kann. [6]

  • [1] Vgl. Schack 2009, S. 49 f.; Loschelder u. Müller 2011, S. 88.
  • [2] Raue 2006, S. 7.
  • [3] Vgl. ebd.; siehe auch Lynen 2013c, S. 134; Kirchmaier 2013, S. 314 f..
  • [4] Vgl. Raue 2006, S. 7; Boochs u. Ganteführer 1992, S. 118.
  • [5] Vgl. Lynen 2009, S. 111.
  • [6] Vgl. Kirchmaier 2006, S. 263; Loschelder u. Müller 2011, S. 97.
 
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