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3.5 Die Finanzierung der zeitgenössischen Museumssammlung

Für viele Museumsdirektoren öffentlicher Museen ist die Ausgangssituation ähnlich schwierig. Aufgrund der knappen bzw. fehlenden finanziellen Mittel sind die Handlungsspielräume für kulturelle Innovation sehr gering. Das heißt, substanzielle Neuerwerbungen oder Ausstellungsprojekte können öffentliche Museen aus eigenen Mitteln nicht mehr vornehmen. [1] Vielmehr fühlen sich die öffentlichen Museen gezwungen, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren und nur wenige Neuankäufe zu tätigen.

Demnach geht die Museumsarbeit von ihren Originalobjekten aus und erfüllt damit ihre Bildungsauftrag. [2] Unabhängig in welcher finanziellen Lage sich ein Museum befindet, die museale Sammlung muss bis in unbestimmte Zukunft bewahrt werden. [3] Daraus ergibt sich für zahlreiche Museen das oberste Ziel einer zukünftigen und langfristigen Bestandssicherung sowie Präsentation der eigenen Sammlung. Die öffentlichen Museen stehen nicht nur bezüglich ihrer Besucher in einem Wettbewerb, sondern zunehmend auch bei der Suche nach Finanzmitteln für den Erhalt der eigenen Sammlung. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, dass jedes Museum eigene Wettbewerbsvorteile der Institution herausarbeitet und sich damit auf dem Markt präsentiert.

Im Folgenden werden die möglichen Quellen, die für die Finanzierung der öffentlichen zeitgenössischen Museumssammlung relevant sind, detailliert erklärt. Dabei handelt es sich um den allgemeinen Ankaufsetat, dem in der Öffentlichkeit tabuisiertem Prozess des Deaccessioning und verschiedene Arten von Drittmitteln, durch Kulturstiftungen, Spenden und Förderund Freundeskreise.

3.5.1 Der Etat für Sammlungsankäufe

Jedes Museum, das eine Sammlung grundlegend erweitern möchte, steht vor dem Dilemma, dass es nahezu keine öffentlichen Mittel für Ankäufe gibt. Die Ankaufetats der öffentlichen Museen sind in den letzten Jahren aufgrund der finanziellen Situation der öffentlichen Haushalte geschrumpft bzw. nicht mehr vorhanden. [4]

Zum Beispiel sah der Haushaltsentwurf 2013 des Haushaltsausschusses des Düsseldorfer Landtages vor, den Ankaufsetat für die Kunstsammlung NordrheinWestfalen, der bisher bei 800 Tsd. Euro lag, für das Jahr 2013 ganz zu streichen. [5] Im Vergleich wurde dem ehemaligen Direktor Werner Schmalenbach während seiner Amtszeit von 1962 bis 1990 ein langfristig üppiger Etat von 10 Mio. DM zur Verfügung gestellt. Diesen gab er in Eigenregie und uneingeschränkter Entscheidungsfreiheit für bedeutende Kunstwerke der Moderne aus. Somit prägte Schmalenbach wie ein Privatsammler den Aufbau, den Charakter und die Qualität der in Düsseldorf ansässigen bedeutenden Kunstsammlung. [6]

Im Zusammenspiel mit den hohen Kunstmarktpreisen sind die öffentlichen Museen nicht mehr in der Lage, ihren Sammlungsbestand aus eigenen Mitteln zu ergänzen und stetig zu erweitern. [7] Die Schere zwischen sinkenden Ankaufsbudgets und steigenden Preisen auf dem Kunstmarkt klafft weiter auseinander. Diese Schere führt zu der Situation, dass öffentliche Museen immer seltener in der Lage sind, durch Ankäufe ihren Beitrag zur Bekanntmachung der jungen Künstler zu leisten. [8] Gleichzeitig wählen Museumskuratoren aufgrund der Mittelknappheit die Kunstwerke eher konservativ aus. Durch gezielte Erwerbungen möchten sie eine politische Akzeptanz gegenüber Fördervereinen und anderen Sponsoren erhöhen. Das bedeutet, dass Kunstwerke von etablierten Künstlern angekauft werden, obwohl diese kostenintensiv sind. Demnach kaufen heutzutage öffentliche Museen jährlich nur wenige Kunstwerke an. [9]

Für viele Museumsdirektoren hat der internationale Kunstmarkt die Kernaufgabe des musealen Sammelns verkompliziert. Es ist für Museen zeitgenössischer Kunst bedeutend, mit dem Kunstmarkt zusammenzuarbeiten und gleichzeitig unabhängig von dem Marktgeschehen eine eigene Sammlung aufzubauen. Die Marktkräfte, die den Kunstmarkt bewegen, sind nicht dieselben, die die Kunst bewegen. Daher versuchen Museumsdirektoren einen klaren Blick für das zu bewahren, was in der Kunst bedeutend ist und nicht für den Kunstmarkt beeinflussbar und bedeutend erscheint. Die Zusammenarbeit mit Künstlern, Sammlern und Vermittlern kann den Aufbau einer Sammlung mit geringen Ressourcen ermöglichen. Mut und Überzeugung, Intuition und keine Beeinflussung durch Trends stehen dabei im Mittelpunkt der sammlerischen Tätigkeit eines öffentlichen Museums. [10]

  • [1] Vgl. Dumbs 2000, S. 57.
  • [2] Vgl. Eissenhauer 2007, S. 5.
  • [3] Vgl. Pomian 2007, S. 25.
  • [4] Vgl. Hollein 2012, S. 8; Hasselbach u. a. 2012, S. 19.
  • [5] Vgl. Finanzministerium des Landes Nordrhein-Westfalen 2013, S. 86.
  • [6] Vgl. Pofalla 2013; Beaucamp 2010.
  • [7] Vgl. Kirchmaier 2006, S. 262.
  • [8] Vgl. Hollein 1999, S. 42.
  • [9] Vgl. Boll 2010a, S. 42.
  • [10] Vgl. Feldstein 1991, S. 16 f..
 
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