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3.2.5 Der Wandel und die Perspektiven der Museumsaufgaben

Die allgemein akzeptierten Kernaufgaben eines Museums erregen heutzutage anscheinend für eine Vielzahl von Museumsbesuchern keine hohe Aufmerksamkeit. In Zeiten des modernen und schnelllebigen Alltags planen öffentlichen Museen eine Sonderausstellung nach der nächsten. Das Ziel dabei ist, Besuchern ein attraktives und viel versprechendes Angebot anzubieten. Museen werden als Bühne für wechselnde Ausstellungen wahrgenommen. Der Museumsbesuch wird als ein Unterhaltungsprogramm und Kurzerlebnis am Wochenende erfahren. Museen ähneln Freizeiteinrichtung und touristische Sehenswürdigkeit. Einige Museologen befürchten sogar, dass die Museen sich aufgrund dieses Verständnisses zunehmend mehr an den Standards der Freizeitund Erlebnisparks messen lassen müssen. [1]

Anscheinend reicht für viele Besucher die alleinige Präsentation der Exponate nicht mehr aus. Besucher möchten mehr wissen, lernen, Spaß haben und Entertainment genießen. Drei Aspekte sind heute entscheidend für die Vermittlungsarbeit und werden in ein ausgeprägtes Vermittlungsprogramm in den Jahreskalender eines Museums integriert. Erstens gelten die künstlerischen Arbeiten als der Hauptgrund, das Museum zu besuchen. Zweitens ist der Bildungsfaktor und drittens der Spaßfaktor für die Vermittlungsarbeit entscheidend. Die Kunstvermittlung sollte in einer angenehmen Atmosphäre stattfinden. Diese vermittelt das Gefühl, im Museum aufgehoben zu sein, dazuzugehören und ein Abenteuer mitzuerleben. Besucher erwarten Meisterwerke und Exponate, die in Bezug auf Material, Form und Geschichte etwas Außergewöhnliches bieten. Die Ausstellung muss spannend sein. [2]

Die Autorin ist der Ansicht, dass insbesondere große Sonderausstellungen, sogenannte Blockbuster-Ausstellungen, eine Vielzahl von Museumsbesuchern anziehen. Diese lassen weniger auf die eigene Geschichte und auf das Profil des Hauses schließen. In kurzen Zeitspannen produzieren Museen zahlreiche Events, setzen sich damit unter Druck, um durch die Präsenz in den Medien möglichst viele Besucher anzusprechen. Für Kunstmuseen gewinnt dieser Entertainmentund Eventcharakter an Relevanz. Professionell organisierte Kulturevents mit beachtlichem künstlerischen Niveau werden als positive Erlebnisse wahrgenommen. Diese werden nach Erfolgsfaktoren wie Einzigartigkeit, Episodenhaftigkeit, Gemeinschaftlichkeit und Besucherzahlen gemessen. [3] Demnach gelten Kulturevents als besonderes Wirtschaftsgut der Museen und werden fest in den musealen Ausstellungskalender eingebunden.

So lässt sich betonen, dass Blockbuster-Ausstellungen und Museumsnächte große Aufmerksamkeit beim Publikum und den Medien wecken und Besucherzahlen ansteigen. [4] Solche Ausstellungsevents werden in der Regel in Großstädten durchgeführt, um möglichst viele Besucher anzuziehen. [5]

Allerdings gilt es an dieser Stelle zu betonen, dass sich einige Museen von diesen Events schon wieder verabschiedet haben. Oftmals handelte es sich um kein angemessenes Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Insbesondere dürfen unter der Realisierung dieser Ausstellungsevents die Museumsarbeit und die Dauerausstellungen nicht leiden. Diese Kulturevents dienen nicht als geeignete Instrumente, um museumsferne Zielgruppen dauerhaft an ein Museum zu binden. Diese Events werden nicht von wiederkehrenden Besuchern frequentiert, sondern von Besuchergruppen, die nur um des Events willen bei einer Museumsnacht dabei sein wollen. Nicht viele Museen beherrschen es in der deutschen Museumslandschaft, Kultur in Form von erlebnisorientierten Lernorten zu vermitteln. Wenigen gelingt es, hohe Qualität und einen kulturellen Unterhaltungswert zu verbinden und durch dieses Angebot Zielgruppen langfristig an den Museumsbetrieb zu binden. [6]

Ob sich ein Museum als ein Lernort oder als ein Erlebnisort positioniert, ob es eher Bildungsaufgaben oder Unterhaltungsaufgaben wahrnehmen will, sollte jedes Museum innerhalb des kulturellen Auftrages selbst entscheiden. Ebenso kann es sich auf die wissenschaftliche Forschungstätigkeit fokussieren oder als ein öffentlichkeitsorientierter Ausstellungsbetrieb verstehen. Es muss nicht zu einer einzelnen Entscheidung kommen, es kann vielmehr auch als ein Zusammenspiel der Museumsaufgaben betrachtet werden. Unabhängig von der Schwerpunktbildung der Museen sollte es zu einer möglichst optimalen Realisierung der künstlerischen, kulturellen, ästhetischen und bildungspolitischen Zielsetzung kommen. [7] Welchen Zielvereinbarungen sich Kunstmuseen auch widmen, an einer bewussten Positionierung oder sogar Neu-Orientierung führt kein Weg vorbei. [8] Auch der ICOM Code of the Ethics besteht auf dem Ziel, dass Museen klare Profile entwickeln und eigene Schwerpunkte setzen. [9]

Daher ist es notwendig, dass Museen eine Marke entwickeln und sich durch diese in Konkurrenz zu anderen Kulturund Freizeitangeboten klar abheben. Abgeleitet aus dem kommerziellen Marketing, in dem Markenprodukte einen hohen Identifikationsund Wiedererkennungswert besitzen, ist die Etablierung einer Museumsmarke vorteilhaft. Eine Museumsmarke verstärkt das eigene Angebot mit seinen Wettbewerbsvorteilen und erzeugt bei seinen Zielgruppen ein unverwechselbares Profil. Eine Marke erleichtert Besucherbindungen und Weiterempfehlungen und stellt ein Qualitätssignal für seinen Träger dar. [10] Durch die Etablierung einer Marke zielt die Institution Museum darauf ab, sich zu differenzieren, zu identifizieren, ein Image zu übertragen und ihre Qualitäten, Kompetenzen und Herkunft zu verdeutlichen. Sobald sich ein Bild der charakteristischen Tätigkeiten als eine Marke bei den Zielgruppen einprägt hat, kann damit gerechnet werden, dass die Aktivitäten des Museums leichter und schneller Aufmerksamkeit bekommen. Die Museumsaktivitäten werden als unverwechselbar und einzigartig wahrgenommen und stechen aus der Vielzahl der Museumsund Kulturangebote heraus. Auf diese Weise verleiht eine Museumsmarke eine öffentliche Aufmerksamkeit bei Besuchern, Sponsoren und Mitarbeitern. [11] Über verschiedene Medien wirbt das moderne Museum für aktuelle Produkte, wie Sonderausstellungen und Veranstaltungen, erhöht langfristig den Bekanntheitsgrad und baut ein positives Image auf. [12] Eine Museumsmarke strahlt Qualität aus, lässt sich mit einem einzigartigen Kulturevent verknüpfen und wird im kollektiven Gedächtnis verankert. [13] Indem ein Museum seine Sammlung – wie die weltweiten Guggenheim Museen – als ein Markenzeichen hervorbringt, agieren die Museen wie mittelständische Unternehmen und leben von ihrer internationalen Marktpräsenz. Eine besondere Architektur und eine bedeutende Sammlung prägen das Profil des Museums. Das Museum selbst und der Museumsstandort profitieren von einer solchen Attraktivität. Ein Paradebeispiel dafür stellt das Guggenheim Museum in Bilbao dar. In der Literatur wird von dem Bilbao Effekt gesprochen, da das Museum jährlich durchschnittlich 800.000 Besucher in die alte Industrieund Hafenstadt zieht. [14] Die Symbiose von Stadtund Museumsmarketing kann zu einem Erfolg führen.

  • [1] Vgl. Weibel 1998, S. 23; Mandel 2009, S. 159; Kramer 1996, S. 28.
  • [2] Vgl. Steiner 1998, S. 35.
  • [3] Vgl. John 2008, S. 28; siehe dazu auch das Kapitel Controlling im Kulturmarketing Günter u. Hausmann 2012, S. 129 ff..
  • [4] Vgl. Boll 2010b, S. 10.
  • [5] Vgl. Xylander 2006, S. 12.
  • [6] Vgl. ebd.; John 2008, S. 29.
  • [7] Vgl. Riebe 2007, S. 39.
  • [8] Vgl. Mandel 2008, S. 75; siehe zum Thema der Positionierung auch Günter u. Hausmann 2012, S. 33 ff..
  • [9] Vgl. Deutscher Museumsbund 2006, S. 15.
  • [10] Vgl. Günter u. Hausmann 2012, S. 44.
  • [11] Vgl. Günter 2008, S. 54.
  • [12] Vgl. von Chlebowski 2008, S. 58.
  • [13] Vgl. Giatas u. Hundt 2008, S. 58. Siehe zur weiteren Vertiefung Günter u. Hausmann 2012,S. 44 ff.; Müller 2010.
  • [14] Vgl. Plaza 2007, S. 2; Kilian 2010, S. 53; Günter u. Hausmann 2012, S. 46.
 
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