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2.4.2 Der Kunstsammler als Mäzen

Eine Kunstsammlung bietet die Möglichkeit, sich durch die Kunstwerke zu bilden und Mitmenschen an der Sammlung teilhaben zu lassen. Sie stiftet eine persönliche sowie auch eine gemeinschaftliche Identität, indem sie eine Quelle von Kenntnissen für jüngere Generationen darstellt. [1] Die Ausstellungswände der heutigen Museen beweisen, dass es zu allen Zeiten Sammler gab, die als private Kunstförderer der öffentlichen Hand Vermögenswerte in Form von Kunstwerken hinterließen. Sie besaßen ein Gefühl für Qualität. Sie waren bereit zu sehen, sammelten intensiv und brachten die Kunst der Gesellschaft durch ihr mäzenatisches Handeln nahe. [2]

In der Geschichte wurde das mäzentatische Handeln durch den privaten Kunstsammler geprägt. Er förderte Kunst zunächst durch den Ankauf von Kunstwerken sowie darauf folgend durch das Schenken und Stiften der Kunstsammlung. Die terminologische Bedeutung des Begriffs Mäzen lässt sich auf die Taten des römischen Ritter Gaius Cilnius Maecenas (ca. 70 v. Chr. bis 8 v. Chr.) zurückführen. Als Freund, Berater und Handelsminister von Kaiser Augustus, Vertreter des Princeps in Rom (seit 46 v. Chr.) und als Ritter aus altem etruskischen Königsgeschlechts war Maecenas als erfolgreicher Militär, Politiker und Diplomat sowie als besonderer Förderer der Künste bekannt. [3] Nach dem Standardwerk PAULYS

REAL-ENCYCLOPÄDIE der klassischen Altertumswissenschaften wird der Mäzen wie folgt beschrieben:

„Was dem Maecenas sein besonderes Relief verleiht und seinen Namen unsterblich und für alle Zeiten sprichwörtlich gemacht hat, ist sein Wirken als Beschützer und Verehrer der Musen, sind seine freundschaftlichen Beziehungen zu den großen Dichtern seiner Zeit, Beziehungen, die keineswegs bloß einer augenblicklichen Laune des reichen und mächtigen Mannes entsprangen, sondern aus einem inneren Verhältnis zur Dichtkunst und zu allen literarischen und wissenschaftlichen Bestrebungen hervorgingen.“ [4]

Maecenas symbolisiert den Idealtypus des idealistischen und selbstlosen Gönners. Dieser Begriff wird für all diejenigen verwendet, die vom Geförderten keine Gegenleistung erwarten. Sie nehmen allein wegen einer guten Sache finanzielle Förderungen vor und handeln somit altruistisch. Diese historische Figur zeigt auf das Pathetisch-Erhabene, welches die uneigennützige private Haltung auszeichnet. [5]

Seit dem beginnenden 19. Jahrhundert fingen Museumsdirektoren an, eine Zusammenarbeit mit Kunstsammlern einzugehen. Einige Sammler handelten mäzenatisch, indem sie Kunst durch Ankäufe förderten und schließlich die Kunstsammlung dem Staat übertrugen. Dieses Sammlerund Mäzenatentum lässt sich als eine Epoche des bürgerlichen Aufschwungs verstehen, in der politische und kulturelle Verantwortung gegenüber Geschichte und Gegenwart als individuelle Tugend begriffen wurde. [6]

Charakteristisch für den Mäzen in der heutigen Zeit ist die besondere Aufmerksamkeit, die er vor allem den jungen und bisher noch nicht etablierten Künstlern widmet. Aus privaten Beweggründen heraus fördert der heutige Mäzen zeitgenössische Kunst und trägt damit eine besondere Bedeutung. Ihm wird eine Rolle des gesellschaftlichen Engagements zugesprochen, die den Fortschritt der Kunst in besonderem Maße beeinflusst. [7]

Wie in der Vergangenheit gibt es heute bedeutende Persönlichkeiten, die als Mäzene in Erscheinung treten. Einige stehen im Interesse der Öffentlichkeit und zeigen Präsenz in überregionalen Feuilletons. Andere sind sehr zurückhaltend und geheimnisvoll, handeln altruistisch und werden nur in Sammlerkreisen hoch geschätzt. Neben dem intensiven Sammeln von zeitgenössischer Kunst setzen sich heutige Mäzene intensiv für die Kunst ein, empfehlen und propagieren diese. Damit ist gerade das Ermöglichen, das Realisieren von Ausstellungsprojekten für die Rolle des Mäzens signifikant. Es besteht dabei das alleinige Bedürfnis, Kunst zu fördern. In einigen Fällen geht es auch darum, die Aktivitäten fortzusetzen, die schon die Vorfahren begonnen haben oder auch um pure Eitelkeit, sich mit Kunst auseinanderzusetzen. [8]

In der Kunstund Kulturwissenschaft sowie im Kulturmanagement wird die Ansicht vertreten, dass die historische Figur des Mäzens heute nicht mehr anzutreffen ist. Bei dem Idealtypus des Mäzens handelt es sich um eine „wohlige Fiktion der bürgerlichen Gesellschaft“, die mit „weltfremden Vorstellungen von selbstlosen Verantwortungsbewusstsein“ verknüpft wurde und der Realität nicht entspreche. [9] Denn heutzutage lässt sich ein mäzenatisches Handeln nicht von einem Eigeninteresse lösen. Der aufgeladene Begriff eines Mäzens ist aufgrund der häufig unpassenden Verwendung bereits als kunstsoziologische Floskel verdächtig. Zwar steht mit dem mäzenatischen Handeln stets der Wunsch im Mittelpunkt, ein gutes Werk tun zu wollen und Nützliches für das Gemeinwohl zu vollbringen. Doch ist die machtpolitische und statusorientierte Motivlage ebenso von Interesse. Diese kann leicht zur Hauptsache werden. Einem heutigen Mäzen sind die spezifische Form der gesellschaftlichen Anerkennung, die demutsvolle Dankbarkeit, persönliche Ehrungen und der Memorialcharakter, ob es seine Intention ist oder nicht, bekannt. [10] Allein die steuerrechtlichen Vorteile einer Spende sind einem Mäzen bewusst. [11]

Folglich ist die Autorin der Meinung, dass das mäzenatische Handeln von dem privaten Kunstsammeln abzugrenzen ist. Dies sind zunächst zwei unterschiedliche Tätigkeiten, die nicht gleichzusetzen sind. Es findet eine private Kunstförderung im Sinne eines mäzenatischen Handeln statt, wenn kein finanzieller Vorteil intendiert ist. Dass durch den Ankauf von zeitgenössischer Kunst oder durch das öffentliche Präsentieren einer privaten Kunstsammlung finanzielle Vorteile erlangt werden können, wird im folgenden Kapitel 4.5 thematisiert. Sobald ein Privatsammler seine private Kunstsammlung dem Staat überträgt und letztlich selbstlos und altruistisch handelt, findet der historische Begriff eines Mäzens seine Berechtigung.

  • [1] Vgl. Thurn 2009, S. 18 f..
  • [2] Vgl. Heinrichs 1997, S. 16.
  • [3] Vgl. Hermsen 1997, S. 12.
  • [4] von Pauly u. Wissowa 1930, S. 119.
  • [5] Vgl. Hermsen 1997, S. 14; Lynen 2013a, S. 114.
  • [6] Vgl. Hermsen 1997, S. 44 f..
  • [7] Vgl. Daweke u. Schneider 1986, S. 16; siehe auch Fohrbeck 1989, S. 42.
  • [8] Vgl. Daweke u. Schneider 1986, S. 204 f..
  • [9] Grasskamp, 1991, S. 797, zit. nach Hermsen 1997, S. 15.
  • [10] Vgl. Hermsen 1997, S. 16; Lynen 2013a, S. 115; siehe auch Fohrbeck 1989, S. 43.
  • [11] Näheres zum Thema Spende siehe Kapitel 3.5.3.2.
 
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