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2.2.2 Zeitgenössische Kunst als Statussymbol

Der internationale Kunstmarkt spricht eine Klientel an, die von Jahr zu Jahr wächst und über die finanziellen Mittel verfügt, Kunst zu sammeln. Der private Kundenkreis ist größer und internationaler geworden. In der westlich geprägten Gesellschaft hat ein Großteil der Bevölkerung ein bestimmtes Maß an Wohlstand erreicht. Der Wunsch, ihn zu zeigen, steigt, je höher der Wohlstand ist. [1] Denn diejenigen, die sich ein Loft oder Haus kaufen, möchten dieses häufig auch mit Gegenwartskunst bestücken. [2] Die Preisanstiege auf dem internationalen Kunstmarkt gelten als ein Beleg dafür, dass wohlhabende Personen nach Statussymbolen und Alternativanlagen suchen. [3]

Zeitgenössische Kunst dient demnach als ein Vehikel zur Abgrenzung. Kunstwerke sind nicht beliebig vermehrbar. Sie stellen somit eine knappe Ware dar und sind in der Regel ein Unikat. Editionen von Fotoarbeiten, Drucken und Skulpturen sind begrenzt und nicht erweiterbar. Aufgrund dieser Begrenzung werden Begehrlichkeiten von Sammlern hervorgerufen. [4] Ebenso erscheint Kunst oftmals als ein Brandingtool, wenn der entsprechende Künstler den Status einer Kultmarke erreicht hat. [5] Kunstwerke dienen als Zeugnisse des persönlichen Geschmacks und lassen auf Charakter und Mentalität der Besitzer schließen. Wer sich mit zeitgenössischer Kunst umgibt, möchte mit dem Image glänzen und als Befürworter der Gegenwart wahrgenommen werden. [6] Denn Kunst im privaten Haushalt ruft einen der sozialen Herkunft nach markierenden Lebensstil hervor. [7] In Form eines Statussymbols ruft sie eine moderne, aufgeschlossene, aktiv-selbstbewusste und auch offensiv-versprechende Lebensart hervor. [8] Diese Identifikation mit der Gegenwartskunst bringt bestimmte Wertvorstellungen mit sich und ist nicht mehr nur Intellektuellen vorbehalten.

Beim Erwerb von zeitgenössischer Kunst geht es nicht primär um langfristige Wertanlagen, sondern vielmehr darum, ein Zeichen im Hier und Jetzt zu setzen. [9] In diesem Sinn erbringt der hohe Preis, der für diese Kunst heutzutage gezahlt wird, den Beweis für wirkliches Interesse an der Kunst. [10] Dabei verschafft die Preisnennung Bedeutung und verändert die Wahrnehmung auf die Kunst. In der heutigen kapitalistisch geprägten Konsumgesellschaft verfügt der Preis über große Autorität. Ein gezahlter hoher Preis erklärt ein Kunstwerk zu etwas Besonderem. [11] In diesem Kontext kritisiert der Künstler Markus Lüpertz, dass ein Kunstwerk seines Kollegen Gerhard Richter nicht mehr als gut oder schlecht beurteilt werden kann. Denn der Preis besagt, was gut ist. Was teuer ist, muss heutzutage gut sein. [12]

Daraus lässt sich schließen, dass der Erwerb von Kunst Ausdruck des Wunsches nach Prestige darstellt. Die erworbene Kunst vermittelt Stärke, Sicherheit und Selbstbewusstsein. Besitzer von Gegenwartskunst suggerieren, dass sie über ökonomische Unterschiede und Vorlieben für Kunst hinaus ganz anders sind als der Durchschnitt. Dabei steht nicht die finanzielle Kraft im Vordergrund. Vielmehr ist die Voraussetzung bedeutend, an der Kunst Gefallen zu finden. [13] So ist Kunst nicht nur deshalb als Statussymbol überlegen. Sich mit ihr zu umgeben, spiegelt den Anspruch wider, sich auf eine herausgehobene gesellschaftliche Position zu erheben. [14] So demonstrieren Werke zeitgenössischer Kunst Statussymbole wie Elite, Macht und Reichtum. Gleichzeitig stellen sie einen Beleg für Leistungsfähigkeit dar. [15]

  • [1] Vgl. Lacey 1998, S. 23; Hollein 1999, S. 33; Drinkuth 2003, S. 39 f..
  • [2] Vgl. Jocks 2011, S. 37.
  • [3] Vgl. Herchenröder 2012; Boll 2010a, S. 38.
  • [4] Vgl. Raue 2009, S. 29.
  • [5] Vgl. Schreiber 2009, S. 80.
  • [6] Vgl. Ullrich 2000, S. 19.
  • [7] Vgl. Hermsen 1997, S. 53.
  • [8] Vgl. Ullrich 2000, S. 19.
  • [9] Vgl. a.a.O., S. 28.
  • [10] Vgl. a.a.O., S. 39.
  • [11] Vgl. Ullrich 2010, S. 19.
  • [12] Vgl. Raue 2009, S. 31.
  • [13] Vgl. Ullrich 2000, S. 40 f..
  • [14] Vgl. a.a.O., S. 59.
  • [15] Vgl. a.a.O., S. 61.
 
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