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6.5 Datenerhebung

Für die Beantwortung der Forschungsfragen wurden folgende Methoden der Datengewinnung herangezogen:

Ÿ Leitfadeninterviews mit Jugendamtsvertretern und Repräsentanten freier Träger

Ÿ Dokumentenerhebung (Vereinbarungen, Selbstdarstellungen der Akteure, Protokolle, Arbeitshilfen für Hilfeplanverfahren etc.).

Durch die Datentriangulation konnte der interessierende Fall aus mehreren Perspektiven betrachtet werden. Zum einen wurden die Deutungen des Jugendamtes erfasst, außerdem die Deutungen freier Träger und drittens schriftlich fixierte Regelungen der Beziehung in Form von Leistungsvereinbarungen und anderen Dokumenten analysiert, die potentiell Aussagen über die Beziehung treffen. Unter Umständen besagen die Daten das Gleiche, vielleicht weichen sie aber auch voneinander ab. Flick spricht hier auch von einer systematischen Perspektiven-Triangulation (vgl. Flick 2007, 315 f.). Mit dieser Triangulation soll durch die Kombination voneinander unabhängiger Vorgehensweisen die empirische Absicherung von Ergebnissen vergrößert werden (vgl. Gläser/Laudel 2009, 105). Der Fokus lag dabei auf den Interviews, die mit der Dokumentarischen Methode ausgewertet wurden. Die Dokumente folgten an zweiter Stelle hinter den Interviews. Sie wurden inhaltsanalytisch ausgewertet.

6.5.1 Leitfadeninterviews

Es existiert eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Interviewformen, die sich hinsichtlich ihrer methodischen Umsetzung unterscheiden und vor allem das Prinzip der Offenheit, ein zentrales Prinzip qualitativer Forschung, sehr unterschiedlich handhaben. Die Dokumentarische Methode zielt auf eine maximale Offenheit und weitgehende Relevanzsetzung durch die Erforschten (vgl. Kleemann et al. 2009, 193). Denn Sinnund Deutungsmuster, Sichtweisen, Einstellungen sowie subjektive Wahrheiten der Befragten sollen untersucht werden. Vor diesem Hintergrund wurde mit dem Leitfaden das Interview zwar strukturiert, doch so wenig wie möglich. Die Befragten sollten den Gesprächsfluss selbst steuern können und so oft wie möglich zu einem Monolog motiviert werden. Ziel war es, den Befragten für die Entfaltung der subjektiven Relevanzsysteme Raum zu lassen.

In der Interviewsituation habe ich deshalb als interessierte Zuhörerin agiert und mich wenig aktiv und dialogisch eingebracht, um die Datenerhebung weder sprachlich-kommunikativ noch mit meinem eigenen Relevanzsystem und Deutungshorizont zu überdecken (siehe hierzu auch Helfferich/Kruse 2007, 1). Da sich die Kommunikativität und Naturalistizität eines Verfahrens darüber hinaus aus dem „weitgehend natürlichen Charakter des Gesprächs“ (Lamnek 1995, 55) ergeben, wurde zusätzlich versucht, ein Vertrauensverhältnis herzustellen. Denn ein möglichst authentischer Zugang zu den Befragten ermöglicht auch einen guten Zugang zu ihrer Erlebnisund Gedankenwelt.

Der Interviewleitfaden wurde nach einem Verfahren von Helfferich entwickelt. Glaser und Laudel folgend wurde dabei versucht, „einen Kommunikationsprozess zu planen und zu gestalten, der an den kulturellen Kontext des Befragten angepasst ist und alle Informationen erbringt, die für die Untersuchung notwendig werden“ (Gläser/Laudel 2009, 114). Sie umfassen folgende Themenblöcke:

Ÿ Beruflicher Werdegang / Beschreibung der Institution

Ÿ Beschreibung der Beziehung

Ÿ Gestaltung der Beziehung

Ÿ Bewertung der Beziehung

Ÿ Rahmenbedingungen

Ÿ Bewertung der Aufgabenteilung.

Die Interviews wurden transkribiert. Nach Kruse gilt: „Kommunikativer Sinn wird nicht nur darüber entwickelt, was gesagt wird (also über wortsemantische Merkmale der menschlichen Sprache), sondern vor allem darüber, wie etwas gesagt wird“ (Kruse 2011, 142, Hervorhebung im Original). Vor diesem Hintergrund wurden sämtliche Interviews so transkribiert, dass zentrale paraverbale Sinnmarkierungen in den Verschriftlichungen zu erkennen sind. Das heißt, dass deutliche, längere Pausen durch Auslassungspunkte markiert und besonders betonte Begriffe durch Unterstreichungen gekennzeichnet wurden, da „hierüber am deutlichsten […] paraverbale Sinnmarkierungen gesetzt werden“ (Kruse 2011, 152). Lachen, Räuspern und Unterbrechungen wurden in Klammern vermerkt, da auch diese nonverbalen Aspekte für die Interpretation von erheblicher Bedeutung sein können (vgl. Lamnek 1995, 108). Die Verschriftlichung insgesamt orientierte sich an den Normen der geschriebenen Sprache.

 
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