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4.2 Freie Träger nach dem KJHG

Trägervielfalt ist nach § 3 Abs. 1 SGB VIII ein Grundprinzip der Jugendhilfe. Auf eine konkrete Definition freier Träger wird im Gesetz jedoch verzichtet. Dies bedeutet, dass grundsätzlich jede juristische oder natürliche Person, ob privat-gemeinnützig oder privat-gewerblich, Träger der freien Jugendhilfe sein und Leistungen für das Jugendamt erbringen kann (vgl. Münder/Trenczek 2011, 36). [1] Privat/Frei-gewerbliche und privat/frei-gemeinnützige Träger sind damit in der Leistungserbringung grundsätzlich gleichgestellt. Für den Betrieb einer Einrichtung benötigen sie eine Erlaubnis vom Landesjugendamt, bevor sie tätig werden können (§ 45 SGB VIII). Diese wird vergeben, wenn im Rahmen der Prüfung festgestellt wird, dass in der Einrichtung für das Wohl des Kindes gesorgt ist und geeignete Kräfte beschäftigt werden.

Die frei-gemeinnützigen Träger werden im KJHG allerdings gegenüber den privat-gewerblichen Trägern bevorzugt. Denn nur erstere können nach § 75 zu‚anerkannten Trägern der freien Jugendhilfe' werden. So gibt es neben der Leistungserbringung noch die ‚anderen Aufgaben' der Jugendhilfe. Da es sich hier um hoheitliches Handeln dreht, ist dieser Aufgabenbereich vom Grundsatz her der öffentlichen Jugendhilfe vorbehalten. § 76 SGB VIII hat jedoch einige Ausnahmen definiert nach denen Jugendämter den ‚anerkannten Trägern' ausgewählte Aufgabenbereiche übertragen können. Die Anerkennung ist außerdem Voraussetzung dafür, Vorschläge für die in die Jugendhilfeausschüsse zu wählenden Personen zu machen (§ 71 Abs. 2), für eine Mitgliedschaft in den nach § 78 vorgeschriebenen Arbeitsgemeinschaften, in denen Diskussionen über die angemessene fachliche Gestaltung der Jugendhilfe stattfinden, sowie nach § 74 Abs. 1 Satz 2 auch dafür, auf Dauer mittels Zuwendungen gefördert zu werden (vgl. Münder/von Boetticher 2003, 14, 24 f.; Münder/Trenczek 2011, 36).

Während die Kirchen und Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts ebenso wie die sechs Spitzenverbände per Bundesgesetz per se als Träger der freien Jugendhilfe ‚anerkannt' sind (vgl. Gernert/Oehlmann-Austermann 2004, 17, 55 ff.), benötigen alle anderen ein positiv abgeschlossenes Prüfungsverfahren nach § 75 Abs. 1 oder 2 SGB VIII durch die öffentliche Hand.

  • [1] Nach Münder und Trenczek ist die irrige Auffassung, dass die Träger der freien Jugendhilfe im Sinne des SGB VIII diejenigen Organisationen sind, die als solche im JWG definiert wurden, noch immer weit verbreitet (vgl. Münder/Trenczek 2011, 36). Dies zeigt sich sowohl in der Praxis (vgl. Münder/von Boetticher 2003, 7) als auch in der wissenschaftlichen Jugendhilfeforschung, in der zwischen freien – im Verständnis von frei-gemeinnützigen – Trägern und privaten – im Verständnis von privat-gewerblichen – Trägern differenziert wird, obwohl nach dem SGB auch privat-gewerbliche Träger unter den Begriff ‚Träger der freien Jugendhilfe' fallen. In dieser Arbeit wird der Begriff freier Träger ausschließlich für die frei-gemeinnützigen verwandt, während der Begriff privat-gewerbliche Träger gewählt wird, um diese davon abzugrenzen. Dieses Kapitel bildet jedoch eine Ausnahme. Der Begriff freier Träger bezieht sich in Kapitel 4 auf alle Leistungserbringer und es wird ansonsten zwischen frei-gemeinnützigen Trägern und privat-gewerblichen Trägern explizit differenziert.
 
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