Desktop-Version

Start arrow Pädagogik arrow Musiklehramt und biographie

< Zurück   INHALT   Weiter >

5.1.5 Schule und Musikunterricht

Franziska hat den schulischen Musikunterricht als wenig ertragreich in Erinnerung und hatte auch keinen Leistungskurs Musik, da sie meint, dass die Mitschülerinnen und Mitschüler zu wenige musikalische Fähigkeiten und Kenntnisse gehabt hätten, um in diesem wirklich analytisch arbeiten zu können. Die Arbeit in einem musikpraktischen Kurs am Ende der Schulzeit wurde aber als bereichernd empfunden, gerade im Hinblick auf die anstehende Aufnahmeprüfung. Es handelte sich um einen personell relativ kleinen Kurs, in dem Themen behandelt wurden, die Franziska noch nicht kannte. Sie grenzt dabei an Musik Interessierte von solchen ab, die zwar „super fussball spielen“ konnten, denen es aber nicht gelang, „die ersten drei töne der c-dur-tonleiter . aufzusagen“ – die also von ihr latent verächtlich betrachtet wurden, bedenkt man die sprachliche Konstruktion des ‚Aufsagens' als eine kognitive Leistung, die vornehmlich ‚mit kindlichem Aufsagen' von Versen in Verbindung gebracht wird –, der vorzeichenlosen und damit einfachsten Tonleiter C-Dur (die nur aus den weißen Tasten auf dem Klavier besteht). Hier dokumentiert sich also wieder eine Abgrenzung zu solchen Personen, die der musikalischen Welt nicht angehören.

Musiklehrkräfte werden von Franziska – ausgenommen mit dem Attribut „furchtbar“ – nicht näher erwähnt, ausgenommen eine junge Referendarin, an die Franziska gute Erinnerungen hat. Diese kam kurz vor dem Ende von Franziskas Schulzeit an ihre Schule und motivierte – vermutlich auf Initiative Franziskas hin – die angehende Musikstudentin für das Studium und dazu, ihren eigenen Weg zu gehen und sich dabei mit den Themen zu beschäftigen, die Franziska interessieren. Franziskas Ausführungen lesen sich dabei aber so, als würde die Referendarin eher eine Mentorin als eine Lehrerin sein, mit der sie sich „ganz gut verstanden“ hatte, die sie an die Hand nahm und sich mit Franziska hinsetzte, um „für die aufnahmeprüfung paar sachen“ anzuschauen, sie insgesamt in dem Wunsch, Musik zu studieren, bestärkte. Es dokumentiert sich hier für die Schulzeit erneut das, was auch schon für das Orchester gilt: Franziska orientiert sich an signifikanten anderen, die ihr den Weg eröffnen oder weisen, persönliche Mentoren, die das Besondere in ihr sehen, was ihr nicht naturgemäß in die Wiege gelegt, sondern hart erarbeitet werden musste. Von diesen Personen ist sie dann auch bereit, nicht nur Ratschläge entgegen zu nehmen, sondern diese auch zu befolgen, was sie als Stärkung empfindet.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics