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5.2 Grundsätze, um problematischen Aussagen zu begegnen

Wer selbst nach dem Grundsatz handeln möchte, wahrheitsgemäß und fair zu argumentieren, hat bei der Meinungsbildung zu beachten, dass der fragliche Gegenstand aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird. Wer so handelt, vermeidet eine einseitige Argumentation, bleibt offen für andere Meinungen und ist bereit, seine eigene Meinung bei Erkennen problematischer Folgerungen oder aufgrund stärkerer Argumente zu modifizieren (ausführlich Ennis 1996, S. 365 ff.).

Was die Haltung gegenüber anderen Personen betrifft, ist es wichtig, ihnen offen und möglichst ohne Voreingenommenheit zu begegnen. Auf dieser Basis fällt es leichter, eine andere Meinung zu verstehen. Hierzu gehört auch, die Gefühlslage des Kommunikationspartners zu berücksichtigen. Grundsätzlich gilt, die eigene Position offen darzulegen. Dabei hilft die klare und präzise Darlegung der eigenen Argumente.

Gegenüber Gesprächspartnern, die mit unfairen Argumenten arbeiten, gelten dieselben Grundsätze. Sachlichkeit und Sicherheit vermeiden, die Auseinandersetzung „anzuheizen“ und weiter zu belasten. Diese Empfehlung gilt insbesondere auch dann, wenn man von anderen mit angeblichen Argumenten persönlich attackiert wird.

Es gibt in der Literatur zahlreiche Verteidigungsstrategien für solche Fälle. Thiele schlägt unter anderem sogenannte Brückensätze vor, um z. B. ein wenig Zeit und Contenance zu gewinnen, um also die unangenehme, kritische Situation zu überbrücken.

Beispiele:

„Das höre ich zum ersten Mal, Herr X.“

„Auf den ersten Blick mag das so aussehen. Wenn man jedoch genauer hinschaut …“

(Thiele 2006, S. 126 ff., S. 239 ff.).

Der Autor behandelt insgesamt neun verschiedene Taktiken, um eine schwierige Gesprächssituation oder Debatten zu entspannen und die Gegenseite umzustimmen (Thiele 2006, S. 128 ff.: bedingte Zustimmung, Umformulierung, Vorteile-Nachteile-Methode, Referenzmethode, Verzögerungstechnik, Vorwegnahme, Verständnis zeigen, Beteiligung anderer, Ausklammern).

In ähnlicher Weise macht Ennis (1996, S. 373 ff.) zahlreiche Vorschläge, um auf problematische Argumente vernünftig zu reagieren und zur Klärung der Situation beizutragen. In Tabelle 5.4 sind die bei Ennis aufgeführten, nicht sehr trennscharfen Kategorien von Klärungsfragen mit jeweils einem Beispiel enthalten. Die verschiedenen Fragen können unterschiedlich dezidiert und scharf formuliert werden. Die geeignete Dosierung an Schärfe hängt mit davon ab, was die Rückfragen erreichen sollen: Weiterführung der Kommunikation oder gegebenenfalls Abbruch der Debatte.

Tabelle 5.4 Klärung problematischer Argumente

Quelle: Ennis 1996, S. 373 ff.

 
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