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5.1.1 Persönliche Angriffe

Der erste Bereich problematischer Argumente beinhaltet Provokationen und Emotionalisierungen, um den Kommunikationspartner zu verunsichern. In Tabelle 5.1 werden verbreitete Taktiken (mit einem Beispiel) wiedergegeben.

Tabelle 5.1 Taktiken mit persönlichen Angriffen

Quellen: Ruede-Wissmann 1998, Thiele 2006, S. 143 ff.

Wie unschwer zu erkennen ist, sind die aufgeführten Taktiken vielgestaltig. Gemeinsam ist ihnen lediglich die Stoßrichtung, sich durch Abwertung oder Verunsicherung des Kommunikationspartners zu profilieren und sich einen argumentativen Vorteil zu verschaffen. Die Abwertung und Verunsicherung können unter Umständen dadurch gesteigert werden, dass andere relevante Personen einbezogen werden (bei Verleumdungen und bei der Ausstreuung von Gerüchten ist das qua Begriffsbedeutung ohnehin der Fall).

5.1.2 Scheinargumente

Eine zweite problematische Gruppe von Taktiken umfasst Scheinargumente. Diese Taktiken werden eingesetzt, damit eine rationale Auseinandersetzung um das beste Argument verhindert wird. Scheinargumente spielen insbesondere dann eine wichtige Rolle, wenn der Betreffende keine oder nur schwache Sachargumente zu bieten hat.

Bloße Meinungen werden z. B. als Tatsachen dargestellt oder hinter einem Wortschwall oder nichtssagenden Floskeln verborgen. Einen großen Bereich der Scheinargumente machen Lügen und das Arbeiten mit fingierten oder nicht existenten Fakten aus. Unwahrheiten sind im Grunde genommen schwache Argumente. Sie gewinnen ihre Bedeutung aus dem Umstand, dass sie in konkreten Situationen oft nicht als solche enttarnt werden können. Eine Übersicht über Scheinargumente gibt Tabelle 5.2 mit entsprechenden Beispielen wieder.

Tabelle 5.2 Scheinargumente

Quellen: Ruede-Wissmann 1998, Thiele 2006, S. 143 ff.

5.1.3 Extreme Forderungen

Extreme Forderungen bilden eine weitere Kategorie problematischer Argumente. Hierzu zählen Taktiken, mit denen Vorteile bezüglich des Endresultats einer Verhandlung oder Vereinbarung erreicht werden sollen. Mit extremen Forderungen will man den Kommunikationspartner beeindrucken, damit er einen Teil seiner Vorstellungen aufgibt bzw. den extremen, überzogenen Forderungen entgegenkommt.

Ruede-Wissmann (1998, S. 186) nennt als Beispiel für die Anwendung extremer Forderungen die Preisverhandlungen in arabischen Basaren. Hier wie generell geht es nicht darum, die extremen Forderungen durchzusetzen, sondern darum, vorteilhafte Kompromisse zu erzielen. In Tabelle 5.3 sind drei solcher Taktiken dargestellt.

Tabelle 5.3 Taktiken der extremen Forderung

Quelle: Ruede-Wissmann 1998

Ein Ultimatum zu stellen bedeutet, den Kommunikationspartner bzw. Gegner mittels einer nicht oder kaum erfüllbaren Forderung in einen Stresszustand zu versetzen. Auf diese Weise kann man eine entgegenkommende Entscheidung erzwingen. Die Taktik des Hindernisrennens beinhaltet eine Maximalforderung zu Beginn einer Entscheidungsprozesses, die nachträglich Punkt um Punkt soweit reduziert wird, dass das Endresultat (noch) in der gewünschten Weise ausfällt. Bei der Salamitaktik wird „scheibchenweise“ argumentiert. Durch diese Taktik werden vorteilhafte Ergebnisse erzielt, indem der strittige oder unangenehme Gegenstand der Verhandlung oder des Disputs schrittweise behandelt und nicht im „Gesamtpaket“ besprochen wird.

 
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