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3.6.6 Aufgabengruppe P

Sekundärtugenden und Eignung Medizinstudium

Es handelt sich hier um eine irrelevante Schlussfolgerung. Die geschilderten positiven Charaktereigenschaften von Sven sind zwar nicht hinderlich, aber auch nicht ausreichend und nicht notwendig als Eignungsvoraussetzungen für ein Medizinstudium. Einer solchen Argumentation sollte man als Adressat nicht zustimmen.

Nachteile des Wohnens in San Francisco

Bei der Ablehnung von San Francisco als Wohnort werden nur negative Informationen herangezogen, positive Informationen hingegen zurückgehalten. Die argumentierende Person konzentriert sich also nur auf die ungünstigen Merkmale der Stadt. Der gesunde Menschenverstand spricht dafür, dass nicht alles an dieser Stadt schlecht sein kann; sonst würden nicht so viele Menschen dort wohnen wollen. Es ist auch nicht vertretbar, allen diesen Menschen Unvernunft zu attestieren.

Opiatverordnung bei Kranken

Es wird in der Aussage eine Verallgemeinerung vorgenommen, die Ausnahmen von der Regel ignoriert. Die argumentierende Person weiß offenbar nicht, dass Morphin unter Umständen positive Auswirkungen (Schmerzlinderung) besitzt und nach strenger ärztlicher Indikation verabreicht werden darf. Stattdessen wird starr an der generell richtigen Aussage über das Suchtpotenzial von Morphin festgehalten. Man kann der argumentierenden Person zugutehalten, dass sie das Abhängigkeitsproblem kennt, das auch bei kontrollierter Einnahme durch den Arzt entstehen kann.

Einparkprobleme einer Frau

In dem Beispiel wird überaus vorschnell generalisiert. Wenn eine beobachtete Frau beim Einparken Schwierigkeiten hat und einen Unfall verursacht, dann kann das kein Beweis für die generelle Untauglichkeit weiblicher Autofahrer sein. Die Überzeugung dieser Person beruht auf Vorurteilen oder zumindest auf einem vordergründigen Vorwand, um ihr Auto nicht zu verleihen.

Alkoholkonsum und persönliche Probleme

Wenngleich die Aussage plausibel klingt, so enthält sie jedoch eine ungeprüfte Annahme über Ursache und Wirkung. Es besteht bei Norbert offensichtlich eine enge zeitliche Beziehung zwischen Alkoholkonsum und seiner schlechten psychischen Befindlichkeit. Die Schlussfolgerung, dass der Alkoholkonsum für die Befindlichkeit verantwortlich ist, ist jedoch unzulässig. Gleichermaßen ließe sich plausibel schlussfolgern, dass die schlechte psychische Befi hkeit Norbert dazu verführt, zur Flasche zu greifen.

Der argumentative Fehler fällt in diesem Fall möglicherweise nicht auf, da Ursache und Wirkung nur unzureichend zu trennen sein dürften. Hinzu kommt, dass Alkoholkonsum auch im Falle des Zutreffens der alternativen Folgerung (Alkoholkonsum als Folge der Befindlichkeitsstörung) keine hilfreiche Handlungsstrategie ist.

Analogie zwischen Staatsregierung und menschlichem Organismus

Es handelt sich hier um einen fehlerhaften Analogieschluss. Der Fehler besteht darin, dass die Funktionen des menschlichen Kopfes wörtlich auf den „Kopf “ des Staates übertragen werden. Ein Staat ist nur bedingt mit einem Individuum vergleichbar, das stirbt, wenn ein lebenswichtiges Organ fehlt. Ein Staat umfasst viele Funktionen und „Organe“, die von einer Vielzahl von Akteuren und weitgehend unabhängig von den jeweiligen Akteuren ausgeübt werden. Von daher verliert ein Staat nicht notwendig seine Funktionstüchtigkeit oder ist vom Untergang bedroht, wenn die aktuellen Akteure abgewählt oder gestürzt werden.

 
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