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3.6.3 Aufgabengruppe M

Die Hilfshypothese ist wenig stichhaltig. Die Befürwortung von Schusswaffen wird (in den USA) damit begründet, dass sie eine Schutzmaßnahme gegen Verbrechen ist. Ein Waffenlobbyist ist von daher kein potenzieller Raubmörder. Die Rahmenbedingung, die sich auf das Aussehen von Fred bezieht, kann nicht als rationale Grundlage für eine Hypothese gelten. Damit verliert auch die Folgerung, dass Fred den Beamten erschossen hat, an Plausibilität.

3.6.4 Aufgabengruppe N

Die Folgerung (Verallgemeinerung) ist: Studierende in Deutschland beschäftigen sich fünf bis zehn Stunden pro Tag zu Hause mit universitären Aufgaben.

Die Folgerung stützt sich dabei auf Befragungsergebnisse von 200 Studierenden der Universität Bremen. Vorausgesetzt, dass die Befragung unter Einhaltung methodologischer Standards durchgeführt wurde, kann man der Studie Bedeutsamkeit für die Hypothese zusprechen. Allerdings sind die Umstände der Befragung zu beachten: Beschränkung auf eine Universität, Beschränkung auf Bachelor-Studierende, Ort und Zeitpunkt der Befragung (nur der fleißigere Anteil der Studierenden wird am Wochenende die Universitätsbibliothek aufsuchen). Von daher handelt es sich bei der Folgerung um eine Übergeneralisierung. Besser durch die Untersuchungsdaten gestützt wäre die folgende Schlussfolgerung: Ein Großteil der Bachelor-Studierenden in Bremen benötigt in etwa 5 bis 10 Stunden pro Tag zu Hause für universitäre Aufgaben.

Die Folgerung (Verallgemeinerung) ist: Die Zustimmung zur Wirtschaftspolitik der Bundeskanzlerin in der deutschen Bevölkerung liegt unter 25 %.

Die Folgerung stützt sich auf die Umfrageergebnisse bei 1000 Studierenden. Die untersuchte Stichprobe ist zwar relativ groß, aber nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. Zudem weiß man um die zeitliche Instabilität der Ergebnisse von Meinungsumfragen (z. B. deren Abhängigkeit von der aktuellen Tagespolitik). Besser durch die Untersuchungsdaten gestützt wäre die folgende Schlussfolgerung: Die überwiegende Mehrheit von deutschen Studierenden lehnt die Wirtschaftspolitik der Bundeskanzlerin ab.

Die Folgerung (Verallgemeinerung) ist: Motorradfahrer sind asozial …

Zur Untermauerung der Hypothese wird auf den Versuch einer Befragung bei einer Biker-Gang einer Stadt verwiesen. Dass fünf der Fahrer bereits Haftstrafen verbüßt haben, lässt per se nicht auf Gewaltbereitschaft schließen (das ist von den Delikten abhängig). Ebenso weiß man nichts über die Umstände der mangelnden Mitwirkungsbereitschaft der Fahrer am Rande einer Versammlung. Es ist außerdem und vor allem völlig unzulässig, eine spezielle und kleine Teilgruppe von Bikern als repräsentativ für alle Motorradfahrer anzusehen. Aufgrund der vorgelegten Informationen und Daten lässt sich deshalb keine vernünftige Alternativhypothese oder Folgerung formulieren.

Die Folgerung (Verallgemeinerung) ist: Deutsche Autos sind die besten der Welt.

Die Folgerung ist als Alternativhypothese zur Kritik von Verbraucherschützern und Umweltverbänden an der Qualität deutscher Autos formuliert. Auf die Inhalte dieser Kritik geht die Gegenargumentation jedoch nicht oder allenfalls teilweise ein. Die Folgerung stützt sich allein auf eine Untersuchung von 1000 Autos deutscher „Nobelmarken“, die vom Herstellerfachverband durchgeführt wurde, wobei sich kaum „Energieprobleme“ zeigten. Diese Vorgehensweise ist problematisch: Man darf unterstellen, dass der Herstellerfachverband parteilich ist, was Design und Ergebnisse der Untersuchung beeinflusst haben könnte. Es wurden zudem nur bestimmte Fabrikate untersucht. Schließlich lässt sich aus einer Einzelstudie über Energieprobleme von Autos keine allgemeine Aussage über die energetische Problematik von Automobilen treffen, schon gar nicht über die (mehrdimensional zusammengesetzte) Qualität von Automobilen. Eine halbwegs vertretbare Schlussfolgerung aufgrund der Untersuchung könnte lauten: Nur 0,2 % der deutschen Autos von Premiumherstellern weisen Energieprobleme auf.

 
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