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2.2 Validität und Stichhaltigkeit von deduktiven Argumenten

Bei der deduktiven Argumentation unterscheidet man zwischen validen (gültigen) und invaliden (ungültigen) deduktiven Argumenten (vgl. Bierman und Assali 1996, S. 43). Im Folgenden sind mögliche Formen deduktiver Argumente aufgelistet, wobei die ersten drei Formen valide sind, die letzte vierte Form jedoch invalide ist.

Valide Formen der Argumentation:

1) Das Argument besteht nur aus wahren Prämissen und einer wahren Konklusion (Beispiel siehe Tabelle 2.3).

2) Das Argument besteht entweder aus nur falschen Prämissen oder einigen falschen Prämissen und einer sich daraus ergebenden wahren Konklusion (Beispiel: Alle Füchse sind Politiker; Willy Brandt war ein Fuchs; folglich war

W. Brandt ein Politiker).

3) Das Argument besteht entweder aus nur falschen Prämissen oder einigen falschen Prämissen und einer falschen (jedoch folgerichtigen) Konklusion (Beispiel: Alle Füchse sind Reptilien; George W. Bush ist ein Fuchs; folglich ist

G. W. Bush ein Reptil).

Invalide Form der Argumentation:

4) Das Argument besteht nur aus wahren Prämissen und einer falschen Konklusion (siehe Beispiel in Tabelle 2.3).

Bei den Formen valider Argumentation folgt die Konklusion jeweils zwingend aus den Prämissen, d. h. sie ist folgerichtig. Es ist jedoch auch möglich, dass alle Prämissen richtig sind, diese aber zu einer falschen Konklusion führen, da die Konklusion nicht aus den gegebenen Prämissen folgt. Ein solches Argument bezeichnet man als invalide. Prämissen und Konklusionen können nur wahr oder falsch sein; es kann nicht beides zugleich auftreten. Sie können also höchstens einen Wahrheitswert beinhalten. Diesen Sachverhalt beschreibt das Konsistenzprinzip (vgl. Strobach, 2011, S. 21).

Zusätzlich wird zwischen valide und stichhaltig oder zutreffend (sound) unterschieden. Ein Argument gilt als stichhaltig, wenn es valide ist und wenn zusätzlich alle Prämissen des Arguments wahr sind (vgl. Strobach, 2011, S. 18).

In Tabelle 2.3 befindet sich jeweils ein Beispiel für ein valides, invalides und stichhaltiges Argument. Das valide Argument erfüllt die oben genannten Kriterien. Die Prämissen und die Konklusion sind falsch, aber in Bezug auf die Prämissen ist die Konklusion folgerichtig, d. h. wahr. Das dargestellte invalide Argument ist dadurch gekennzeichnet, dass die Prämissen wahr sind, die Konklusion jedoch falsch ist – im Beispiel: die Straße könnte auch durch die Straßenreinigung oder andere Faktoren nass werden, die Konklusion folgt somit nicht aus den Prämissen. Beim Beispiel für ein stichhaltiges Argument sind sowohl die Prämissen wahr als auch die Konklusion folgerichtig – das Argument kann damit nicht nur als valide, sondern auch als stichhaltig oder zutreffend (sound) bezeichnet werden.

Tabelle 2.3 Validitätsunterscheidungen bei Argumenten

P = Prämisse; K = Konklusion Quelle: Strobach 2011, S. 15 ff.

 
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