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4.1 Themen, abstrakte Begriffe und Wissensdomänen

In seinem Beitrag Where do literary themes come from? schlägt Willie van Peer (2002) vier Kriterien vor, die ausschlaggebend für die Abgrenzung von ‚Themen literarischer Texte' zu sein scheinen. Nach van Peer (2002) sollen Themen literarischer Texte die folgenden vier Kriterien erfüllen:

„[they] must be relatable to human activity of a non-routine character and are involved in human interests and concerns; they are emotionally charged; they are foregrounded; they occur in different cultures and in different historical periods with a probability higher than chance.” (van Peer 2002 in Louwerse & van Peer (eds.) 2002, S. 255 – 256)

Van Peers Kriterien kombinieren die kognitive Fähigkeit des Lesers, Außergewöhnliches und Abweichungseffekte sowie routinemäßige Angelegenheiten von menschlichem Interesse zu erkennen, mit den sprachlichen und stilistischen Merkmalen eines Textes der Literatur sowie mit der kulturell bedingten Relevanz eines Themas. In dieser Arbeit soll den ersten drei Kriterien Aufmerksamkeit geschenkt werden. In diesem Abschnitt soll besonders van Peers erste Bedingung für thematische Relevanz in den Blick genommen werden. Die Merkmale der Themen der Literatur im Zusammenhang mit deren kognitiven und kognitivemotionalen Mechanismen, die mit textuellen und stilistischen Erscheinungen verbunden sind, sollen im nächsten Abschnitt dieses Kapitels entsprechend behandelt werden. Nach van Peer müssen Themen „be relatable to human activity of a nonroutine character and are involved in human interests and concerns”. Um erfüllt werden zu können, erfordert diese Bedingung die Antwort auf die Frage, wie man thematisch literarisch relevante Angelegenheiten von Interesse für die Menschen eingrenzen kann. Van Peer (2002) selber gibt keine Antwort. Er weist aber darauf hin, dass sich zum Beispiel ‚Ehebruch' und ‚Liebe' zu literarisch relevanten Themen entwickelt haben und in Texten der Literatur kulturübergreifend wiederkehren. Er betont, dass ‚Autounfall' oder ‚One-Night-Stand' dagegen keine Themen der Texte der Literatur seien. Auf den ersten Blick scheint van Peer aus meiner Sicht seiner eigenen Bedingung zu widersprechen. Tatsächlich können ‚Autounfall' oder ‚One-Night-Stand' auf menschliche Tätigkeiten nicht-routinemäßigen Charakters verweisen, genauso wie ‚Ehebruch'. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, können sie sicherlich Themen der Literatur sein. Warum haben sie dann keinen Anspruch auf thematische Bedeutsamkeit in Texten der fiktionalen Literatur? Um diese Frage beantworten zu können, sollte man dann entweder auch die thematische Bedeutsamkeit von ‚Ehebruch' in Frage stellen, der sich im Vergleich zu ‚Liebe' von einer gewissen Routine des Alltags mehr entfernt, oder die thematische Bedeutsamkeit von ‚Autounfall' oder ‚One-Night-Stand' in der Literatur rehabilitieren. Die Frage nach der literarischen thematischen Relevanz von Wissensgehalten wie ‚Autounfall' sollte eher lauten, ob ein Leser nach der thematischen Verarbeitung eines Textes der Literatur, in dem von einem ‚Autounfall' erzählt wird, den Text selber auch dem Wissensschema ‚Autounfall' zuordnen würde oder nicht und warum. Würde ein Leser Fitzgeralds The Great Gatsby, in dem eine Episode über einen Autounfall erzählt wird, nach dem Verarbeitungsprozess den Text auch dem Wissensschema ‚Autounfall' zuordnen? Van Peer erklärt sich das von ihm beobachtete Phänomen nicht wirklich. Er betont nur, dass die Bedeutung eines Autounfalls oder eines One-Night-Stand im Vergleich zu Liebe oder Ehebruch für den Leser zu ephemer sei.265 Obwohl nach dem Allgemeinverstand diese Beobachtung gewiss als nachvollziehbar erscheint, kann van Peers Bemerkung, dass bestimmte Themen als zuephemer empfunden werden, kaum als Erklärung dafür durchgehen, dass einige Themen nicht Literatur stiftend sind oder dass sie sich nicht in der literarischen Überlieferung halten können.

Auf der Suche nach einer plausiblen Erklärung möchte ich im Folgenden zur Erinnerung auf die kognitive Rolle von Themen zurückkommen, die in dieser Arbeit in den vorigen Kapiteln angesprochen wurde: Themen, die sich als literarisch relevanter erweisen könnten, entsprechen einem gespeicherten Erfahrungsoder Wissensgehalt mit hohem Abstraktheitsgrad und mit einem Ziel-und-Plan-Pattern in der Wissensstruktur des Lesers. Ein solcher Wissensgehalt kann aufgrund seines Abstraktheitsgrades analogisch von einer Wissensdomäne in eine andere projiziert werden. Er ist überlieferungsfähig, weil er nicht kontextgebunden ist. In dieser Arbeit wird die Ansicht vertreten, dass Themen Wissensstrukturen entsprechen, die zur Orientierung in der Welt dienen. In diese Kategorie sind, zum Beispiel, die abstrakten Wissensschemata ‚Liebe', ‚Treue', ‚Freude', Glück', ‚Trauer', ‚Freundschaft', ‚Rache' einzuordnen. Dass einige der erwähnten Begriffe in der Emotionsforschung als Emotionen klassifiziert werden und dass sich die Frage stellt, ob sie auch kognitive, d. h. mit Wissen verbundene Begriffe sind, soll hier beiseitegelassen werden. Vor diesem Hintergrund soll auch die thematische Bedeutsamkeit von Ehebruch aufgrund dessen Mangels an Abstraktheit zugunsten des mit einem höheren Verallgemeinerungspotential ausgestatteten Schemas UNTREUE in Frage gestellt werden. Allerdings wird hier nicht beabsichtigt, die thematische Bedeutsamkeit und Tragweite von Ehebruch, von Autounfall oder von One-Night-Stand in Texten der Literatur in Frage zu stellen. Es wird hier eher bezweckt, im Folgenden die Begriffe ‚Hauptthemen' und ‚Nebenthemen' zu verwenden und einzubeziehen. Van Peers Beobachtung, dass Themen auf menschliche Aktivitäten nicht-routinemäßigen Charakters verweisen sollen und dass sie von Interesse für die Leser sein sollen, soll mit der Frage verbunden werden, wie man in Texten der Literatur thematisch relevante Angelegenheiten aufdecken kann, die von Interesse für die Leser sind. Die Rolle des Nicht-Routinemäßigen bzw. des Außergewöhnlichen wird im nächsten Abschnitt behandelt. Im Folgenden werde ich meine Annahme präsentieren, dass thematische Wissensgehalte mit einem hohen Verallgemeinerungspotential wie Liebe, Treue, Reue und Untreue die Textkohärenz gewährleistenden Hauptthemen entsprechen, die aufgrund ihrer evolutionspsychologischen adaptiven Funktion für die Leser überlieferungsfähiger sind und kulturübergreifend wiederkehren können, weil sie keine Spezifität einer bestimmten Kultur vermitteln. Sie können kulturellen Universalien entsprechen. Wissensschemata ohne Verallgemeinerungspotential wie Ehebruch, One-Night-Stand oder Autounfall können dagegen in der Interaktion mit einem literarischen Text als Nebenthemen als kulturell bedingte Wissensgehalte des Lesers kulturelle Universalien triggern. Es soll gezeigt werden, dass Nebenthemen als Wissensstrukturen des Lesers kulturellen Schemata entsprechen. Diese weisen eine kulturell bedingte Spezifität von Wissen über Situationen oder Objekte auf.

Das Hauptproblem, das in der kognitiv orientierten Literaturwissenschaft die Auseinandersetzung mit meiner Annahme erheblich erschweren könnte, besteht darin, dass brauchbare Kriterien für die Abgrenzung des Begriffes ‚Wissensdomäne' in der Fachliteratur innerhalb der kognitiv orientierten Literaturwissenschaft fehlen. Auf dieses Problem weist Carroll (1999) in seiner Kritik an der kognitiven Metaphernforschung von Lakoff und Johnson hin.266 Die Bestimmung von Kriterien für die Abgrenzung des Begriffes ‚Wissensdomäne' würde dazu beitragen, die erwähnten Wissensstrukturen auszudifferenzieren, die mit kulturellen Universalien oder kulturellen Schemata gleichgesetzt werden können. In diesem Kapitel soll gezeigt werden, dass Hauptthemen als verallgemeinernde Wissensstrukturen des Lesers kulturellen Universalien entsprechen. Auch die Ergebnisse der Studie von Murdock (1949 in Murdock 1965) sollen zu diesem Zweck in Betracht gezogen werden.

Nach Carroll (1999) bleibt der Begriff ‚Wissensdomäne' in der Literaturwissenschaft kognitiver Prägung bzw. in der sogenannten cognitive rhetoric vage.267 Mit Carrolls Worten:

„The one crucial element missing in cognitive rhetoric is an ordered system of domains; the necessary precondition for this system is a structured concept of the human nature; and the source for this concept is the study of the adapted mind – that is the study of the evolved structure of the human psyche.” (Carroll 1999, S. 161)

Der Mangel an Kriterien für die Entwicklung einer Definition von ‚Wissensdomäne' kann in dieser Arbeit nicht behoben werden. Stimmt man Carroll zu, dass ein System von Wissensdomänen nötig ist und dass man durch die Untersuchung des adaptiven Geistes dazu gelangen kann, so muss man auch versuchen, Lösungen für das Problem des Mangels an Kriterien für die Bestimmung von Wissensdomänen vorzuschlagen. Obwohl im Folgenden eine vollständige Definition von ‚Wissensdomäne' weder vorgeschlagen noch formuliert wird, werden die Anhaltspunkte diskutiert, die die kognitive Evolutionspsychologie und die kognitive Anthropologie für die Abgrenzung von Wissensdomänen bieten. Sie werden dazu beitragen, die thematisch relevanten Wissensstrukturen auszudifferenzieren.

Wissensdomänen behandelt Mithen (1996). Er setzt sie mit angeborenen Wissensstrukturen gleich, über die der Mensch verfügt. Diese Domänen-Strukturen, die dem Überleben dienen, werden als Modulen bezeichnet.268 In die Kategorie der angeborenen Wissensdomänen sind, z. B., visuelle Wahrnehmung, Nahrungssuche, Partnersuche oder auch Schutz vor Raubtieren einzuordnen.269 Vor zwischen 100.000 und 30.000 Jahren hat der menschliche Geist die entscheidende Entwicklungsphase der Herausbildung der Fähigkeit zum analogischen und interkategorialen Denken durchgemacht. Die Fähigkeit zur kognitiven Verbindung der

‚Modulen' miteinander, d. h. die Fähigkeit, durch Erfahrungen in einem bestimmten Verhaltensbereich das Verhalten in anderen Bereichen zu beeinflussen, wurde entwickelt.270 Diese Fähigkeit bezeichnet Mithen (1996) als „cognitive fluidity“.271 „Cognitive fluidity“ ermöglicht die kognitive Verbindung der Wissensdomänen miteinander. Den Grund, warum sich die kognitiven Mechanismen der „cognitive fluidity“ in der Evolutionsgeschichte der Menschheit entwickelt haben, führen die Evolutionstheoretiker Tooby und Cosmides darauf zurück, dass sie dazu dienten, das Verhalten in den Domänen des Überlebens und der Fortpflanzung der Spezies in der Umwelt zu regulieren.272 Die Anpassung angeborener Dispositionen an die Umwelt zum Zweck des Überlebens der Spezies macht Eibl (2004) deutlich. Menschen werden mit Suchimpulsen geboren, die auf Informationen in der Umwelt treffen müssen, um sich weiter zu entwickeln. Wir werden mit angeborenen Suchaufträgen geboren, die Erfahrungen und die Verarbeitung der als Weltwissen bekannten handlungsleitenden Gedächtnisinhalte ermöglichen.273 Eibl (2004) macht es an dem folgenden Beispiel deutlicher: Die Schlangenfurcht ist nicht angeboren. Angeboren ist eine gewisse Aufmerksamkeit auf bestimmte Formen und Bewegungsweisen, die dann durch entsprechende Hinweise kulturell näher definiert werden können – in der Regel als Schlange.274 Angeboren sind nicht die Wissensstrukturen an sich. Angeboren ist eine gewisse Disposition, gewisse Wissensstrukturen zu erwerben und zu entwickeln. Wie der Nobelpreisträger Gerald Edelman (1992) in seinem Werk The Remembered Present feststellt, ist die kognitive Fähigkeit des interkategorialen Denkens eine wichtige Bedingung, um Begriffe zu bilden. Sie ist eine prä-linguistische Fähigkeit des Menschen. Mit anderen Worten: Um Begriffe zu bilden, muss der Mensch eine Wissensdomäne mit einer anderen in Verbindung bringen können.275 Edelman zufolge kann eine Brücke zwischen zwei verschiedenen Wissensdomänen geschlagen werden, weil der Mensch in seiner Evolutionsge schichte die Fähigkeit entwickelt hat, analogisch und metaphorisch zu denken. Im Folgenden möchte ich Edelman (1992) das Wort geben:

„Concept formation requires the capacity to deal with relations, a capacity that needs to include many abstract spatial and temporal cues. Above all, these relations are varied. They include those based on immediate perceptual categorization, on bodily and external events, on motion in relation to time and space, on feeling and on memory. The categorizations and generalizations reflected in concepts are much richer, more abstract, and therefore less immediate than those seen in perceptual categorization.” (Edelman 1992, S. 142) 276

Nach Edelman hängt Kognition von Erfahrungen ab, die jeder Mensch machen kann, weil er über einen Körper mit verschiedenen sensomotorischen Fähigkeiten verfügt, die die Interaktion mit der Umwelt und daher Erfahrungen ermöglichen. Die sensomotorische Struktur des Wahrnehmenden legt fest, wie der Wahrnehmende handelt und durch Ereignisse in der Umwelt beeinflusst wird.277 Wissensstrukturen sind das Ergebnis der Fähigkeit neuronaler Strukturen in unserem Gehirn, Gegenstände und Sachverhalte wahrzunehmen und sensomotorische Erfahrungen zu verarbeiten.278 Danach ist Wissenserwerb ein aktiver Prozess, der durch die sensomotorischen Erfahrungen unseres Körpers zustande kommt.279 Nach Edelman (1992) trägt die Fähigkeit der „cognitive fluidity“ dazu bei, analogisch und metaphorisch abstrakte Begriffe und komplexere Systeme von Begriffen zu entwickeln,280 die in den sensomotorischen Wahrnehmungen und Wahrnehmungskategorien des Menschen begründet liegen. Vor diesem Hintergrund kann man sagen, dass sich Wissensdomänen auch durch die sensomotorischen Erfahrungen des Menschen entwickelt haben und Erfahrungen mit der Umwelt mit einschließen. Gerade auf diese sensomotorischen Erfahrungen mit der Umwelt, besonders auf die Erfahrungen mit Raum, die der menschliche wahrnehmende Körper macht, gründet sich die Metaphernforschung von Lakoff und Johnson.281 Carrolls (1999) Hauptkritik an den Arbeiten von Lakoff und Johnson besteht allerdings darin hervorzuheben, dass die Wissensdomänen des Menschen nach der Metaphernforschung allein auf den Begriff des Raums und der räumlichen Relationen und auf deren metaphorische Ausdehnungen reduziert werden, obwohl Lakoff (1988) Erfahrungen im sozialen Raum als Wissensdomäne prinzipiell nicht ausschließt: „Meaningful conceptual structures arise from two sources: (1) from the structural nature of bodily and social experience and (2) from our innate capacity to imaginatively project from certain well-structured aspects of bodily and interactional experience to abstract conceptual structures.” (Lakoff 1988)282 Die Vertreter dieser Forschungsrichtung weisen die Kritik zurück, dass ihr Ansatz reduktionistisch wäre. Als Beispiel dafür, dass sie Reduktionismus vermeiden, soll ihre Auseinandersetzung mit abstrakten Begriffen fungieren. Darunter versteht man Begriffe, die sich weder auf physikalische Gegenstände noch auf räumliche Relationen beziehen. Sie sind in den sensomotorischen Strukturen des menschlichen Körpers begründet. Barsalou & Wiemer-Hastings (2005), zum Beispiel, stellen in ihrer Arbeit die Gemeinsamkeiten zwischen konkreten und abstrakten Begriffen in den Vordergrund. Sie zeigen, dass die sensomotorischen antidualistischen Ansätze, nach denen Wissen in dem menschlichen Körper begründet ist, als ‚nicht reduktionistisch' betrachtet werden können.283 Trotz der Bemühungen der Forschung im Bereich der sensomotorischen und antidualistischen Ansätze, die Verbindungen von abstrakten und konkreten Begriffen miteinander zu beleuchten, bleibt der Begriff von ‚Wissensdomäne' weiterhin unbestimmt. Gewiss kann, wie mir scheint, Carrolls Kritik nicht zurückgewiesen werden. Trotz des Mangels an einer durchstrukturierten Definition von ‚Wissensdomäne' und trotz des fehlenden Beitrages der Forschung im Bereich der sensomotorischen und ‚embodied' Ansätze zur Entwicklung der Bestimmung des Begriffes von ‚Wissensdomäne' bieten die Studien über abstrakte und konkrete Begriffe, die in dem Ansatz von Lakoff & Johnson (1999) ihren Ursprung haben, aus meiner Sicht die Möglichkeit, thematisch relevante Begriffe und daher auch die entsprechenden Wissensstrukturen abzugrenzen. Im Folgenden möchte ich genauer auf die Studie von Barsalou & WiemerHastings (2005) über die Gemeinsamkeiten von abstrakten und konkreten Begriffen eingehen, um ihre Rolle für die Weiterentwicklung der kognitiv und embodied orientierten Themenforschung in den Blick zu nehmen.

Die Studie von Barsalou & Wiemer–Hastings (2005) mit dem Titel Situating Abstract Concepts nimmt sich vor, in den Vordergrund zu stellen, dass abstrakte Begriffe sensomotorische Informationen enthalten und dass daher konkrete Begriffe, d. h. Begriffe über körperlich wahrnehmbare Gegenstände, und abstrakte Begriffe Gemeinsamkeiten aufweisen können.284 In ihrem Beitrag formulieren sie vier Hypothesen, mit denen sie sich auseinandersetzen. Im Folgenden die Hypothesen ihrer Studie:

„[abstract and concrete concepts] share important similarities. In particular we propose that they share common situational concepts (Hypothesis 1). Where concrete and abstract concepts differ is their focus within background situations, with concrete concepts focusing on objects, and abstract concepts on events and introspections (Hypothesis 2). As a result of these different foci, the representation of abstract concepts is more complex, being less localized in situational content than the content of concrete concepts (Hypothesis 3). Finally, because the content of abstract concepts is grounded in situations, this content can be simulated in modality-specific representations (Hypothesis 4).” (Barsalou & Wiemer-Hastings in Pecher & Zwaan (eds.) 2005, S. 124)

Den Autoren gelingt es, durch ihre empirischen Studien nur die ersten drei Hypothesen zu fundieren.285 Der Abstraktheitsgrad abstrakter Begriffe, wie TRUE, z. B., wird von den Autoren dieser Studie darauf gegründet, dass sich die Repräsentation solcher Begriffe nicht aus einem einzigen Fokus kognitiver Aufmerksamkeit ergibt, sondern sich ihr semantischer Fokus aus einer Kombination mehrerer Faktoren ableiten lässt. Die Autoren stellen Folgendes fest:

„In a HAMMER situation, for example, the focus is on the region that the hammer occupies. For abstract concepts the focus is on multiple components that are not localized but distributed widely. In a TRUE situation, for example, the focus includes the speaker's claim, the listener's representation of the claim, and the listener's assessment of the claim. All these components must be represented and integrated to evaluate TRUE's focal content.” (Barsalou & Wiemer-Hastings in Pecher & Zwaan (eds.) 2005, S.136)

Gerade die Tatsache, dass der semantische Fokus aus mehreren Elementen besteht, die ineinander integriert und miteinander ergänzt werden müssen, um einen gemeinsamen semantischen Fokus der Aufmerksamkeit zu identifizieren, verleiht abstrakten Begriffen aus meiner Sicht einen höheren Grad an Flexibilität. Dies kann meines Erachtens zu ihrer literarischen thematischen kontextübergreifenden Einsetzbarkeit beitragen. Ich bin der Ansicht, dass ihr hoher Grad an Flexibilität dafür sorgt, dass abstrakte Begriffe dazu geeignet sind, domänenübergreifend analogisch von einer Domäne in eine andere projiziert zu werden. Ich möchte sie deswegen kognitiv als literarisch relevanter betrachten.286 Im Folgenden werde ich erklären, wie ich angeborene Wissensdomänen bzw. Universalien mit kulturellen Schemata und Themen der Literatur in Verbindung bringe.

 
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