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6.5.4 Soziale Bewegungen und neue Parteien I: die Grünen

Die grüne Bewegung versteht sich als basisdemokratisch, feministisch und pazifistisch und lehnt individuelle und kollektive Gewalt konsequent ab. Sie plädiert für den fundamentalen ökologischen Umbau unserer Wirtschaftsund Lebensweise. Sie erinnert daran, dass menschliches Wirtschaften und Leben sich immer in die Gegebenheiten der Natur einfügen muss, wenn es auf die Dauer erfolgreich sein will. Deshalb muss die maßlose Wachstumswirtschaft, die auf eine ständige Ausweitung des Verbrauchs von Ressourcen und der Produktion von Müll hinausläuft, langfristig zu einer Kreislaufwirtschaft umgebaut werden. Für die Energieversorgung bedeutet dies die Ablehnung der Atomenergie unter anderem aufgrund der Unmöglichkeit der sicheren Endlagerung des Atommülls. Ferner fordern die Grünen von Anfang an den Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung aufgrund der Begrenztheit der Quellen und der Klimaproblematik auf der Seite der ökologischen Senken, also die konsequente Umstellung auf erneuerbare Energiequellen. Der Ausgleich unterschiedlicher Entwicklungsniveaus kann aus dieser Sicht weder dem Markt noch irgendwelchen Autoritäten überlassen werden, sondern ist nur durch die Orientierung am Prinzip der Subsidiarität und die Suche nach jeweils angemessenen Formen der Kooperation zu organisieren.

Dabei bauen grüne Parteien zum einen auf die Aufklärung der Bürger mit dem Ziel der Veränderung des Konsumverhaltens, zum andern auf umweltund entwicklungspolitische Instrumentarien (Konventionen zu Umweltund Sozialstandards, Handel mit Umweltnutzungszertifikaten, Einführung von Steuern und Subventionen zur Finanzierung einer Nachhaltigen Entwicklung, Auflegen eines Globalen Marshallplans etc.). Wenn die Integration Europas und der Welt in einem ökologisch verantwortbaren Rahmen geschehen soll, müssen die geografischen Besonderheiten der jeweiligen Räume anerkannt und die jeweiligen Lebensbedingungen entsprechend verbessert werden. Die Kosten für die Mobilität von Gütern, Menschen und Informationen müssen die „ökologische Wahrheit“ sagen und das Regionale muss gegenüber dem Globalen gestärkt werden. Die Schwachstelle dabei ist, dass wir über die ökologischen Grundlagen und vor allem über die zukünftigen technischen Nutzungsmöglichkeiten dieser Grundlagen bisher nur wenig wissen.

 
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