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5.3.1 Didaktisches Dreieck

Das bekannteste didaktische Modell ist das Didaktische Dreieck[1]. Es geht davon aus, dass Lehr-Lern-Prozesse immer durch drei Faktoren geprägt sind: den Lehrenden (Lehrer, Referent, Workshopleiter o. ä.), den oder die Lernenden (Schüler, Zuhörer, Workshopteilnehmer o. ä.) und den Gegenstand (Thema, Inhalt, Fragestellung o. ä.). Jeder dieser Faktoren bringt besondere Anforderungen an die Gestaltung des Lehr-Lern-Prozesses mit sich. Der Lehrende sollte fachlich und kommunikativ kompetent sein, die Lernenden sollten aufgeschlossen und lernwillig sein, der Gegenstand sollte subjektiv (in Hinblick auf den Lernenden) und objektiv (in Hinblick auf die Welt) bedeutsam sein. Nur wenn alle drei Anforderungen erfüllt sind, kann davon ausgegangen werden, dass der Lehr-Lern-Prozess gelingt[2]. Das Didaktische Dreieck wird meist als gleichseitiges Dreieck beschrieben. Damit sind die Beziehungen zwischen den drei Polen angesprochen. Gemeint ist, dass alle drei Arten von Anforderungen gleich wichtig für das Gelingen sind, dass also keiner der drei Faktoren eine dominante Rolle einnehmen sollte. Das wäre der Fall, wenn der Lehrende zum Alleinunterhalter mutiert und über die Fähigkeiten der Lernenden und die Eigenart des Gegenstands souverän hinweggeht. Oder wenn die Lernenden mit ihren subjektiven Interessen ganz das Geschehen bestimmen. Oder aber, wenn Lehrende wie Lernende ganz damit beschäftigt sind, verzweifelt den Gegenstand abzuarbeiten (den Stoff schaffen), ohne dass sie selbst ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten einbringen können. Lehrende, Lernende und der Gegenstand müssen ständig ausbalanciert werden und dies betrifft sowohl die Beziehungen zwischen den Personen wie die zwischen der Personen und den Sachen. Wir haben es also im Didaktischen Dreieck mit einer komplexen Beziehungsarbeit zu tun.

Um dem Anspruch einer kritischen Bildungsarbeit gerecht zu werden, müssen drei weitere Bedingungen erfüllt sein: Erstens knüpft jeder Bildungsprozess an realen oder notfalls fiktiven Erfahrungen an. Zweitens geht es um ein wirkliches Verständnis des Gegenstands, wobei die Suche nach geeigneten Kategorien, die also zugleich subjektiv fundamental und objektiv elementar sind (vgl. Kap. 5.2), im Zentrum steht. Und drittens geht es um ein dialogisches Verhältnis zwischen dem Lehrenden und den Lernenden, die sich menschlich auf Augenhöhe begegnen müssen, wenn das Ziel der Förderung der Autonomie des Subjekts nicht gefährdet werden soll[3]. Genau auf diesen zweiten und den dritten Punkt zielt Hartmut von Hentigs oft zitierte Kurzformel für schulische Bildung: „Die Menschen stärken, die Sachen klären[4].“

Die nachfolgenden Didaktischen Prinzipien können als spezifische Akzentsetzungen im Didaktischen Dreieck verstanden werden. Auch diese Prinzipien und die ihnen zugeordneten Methoden sind idealtypische Konzepte, in der Bildungspraxis gehen sie in der Regel ineinander über[5].

  • [1] Im Folgenden z. B. Jank/Meyer 1991, S. 55–60
  • [2] Dieses Grundmodell wurde vielfach ausdifferenziert, z. B. in Richtung Themenzentrierte Interaktion (Ruth Cohen) oder Didaktische Spirale (Edmund Kösel)
  • [3] Zum Problem der Subjektivität in der Politischen Bildung vg. Z. B. Scherr 2010 und Bürger 2010
  • [4] Hentig 1985
  • [5] Ein vertiefender Überblick über die in der Politikdidaktik diskutierten Prinzipien findet sich z. B. bei Reinhardt 2005, S. 75–159
 
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