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4.1.3 Die Gleichaltrigengruppe

Für die Ablösung vom Elternhaus und die Vorbereitung auf das Erwachsenenleben ist die Gruppe der Gleichaltrigen (peergroup) wichtig [1]. Auch diese Gruppen können im weiteren Sinn als Institutionen bezeichnet werden, die zur Sozialisation junger Menschen beitragen. Diese informellen Institutionen sind freilich lockerer und dynamischer als Familie und Schule. Die Beziehungen in diesen Gruppen zeichnen sich durch eine unbeständige Rangordnung aus, in ihnen werden sowohl Erfahrungen mit Gleichheit wie mit Ungleichheit gemacht. Je weniger Geschwister Kinder und Jugendliche haben, desto wichtiger wird diese Gleichaltrigengruppe.

In Hinblick auf die Politische Bildung kann dreierlei festgehalten werden: Erstens erhalten Kinder und Jugendliche in solchen Gruppen Anerkennung und Sicherheit zum ersten Mal nicht von Erwachsenen, sondern eben von Ihresgleichen.

Allein das ist schon ein emanzipatorisches Element, weil diese Anerkennung ja auf prinzipiell selbst bestimmten Kriterien und Vorbildern beruht. Zweitens werden in diesen Gruppen neue Verhaltensmuster erprobt, und zwar solche, die nicht wie in Familie und Schule von einer personalen oder institutionellen Autorität vorgegeben sind. Dieses Experimentierfeld der Gleichaltrigengruppen ermöglicht zum Beispiel Erfahrungen mit der Veränderlichkeit von Regeln und Machtverhältnissen. Es kann erlebt werden, wie durch Solidarisierung Gegenmacht entsteht und Hierarchien umgestürzt werden. Und drittens bieten die prinzipiell offenen Prozesse in solchen Gleichaltrigengruppen die Möglichkeit, eine eigene Identität zu finden und zu stärken. Gerade die Offenheit dieser Prozesse schafft einen Raum für Autonomie.

  • [1] Z. B. Endruweit 2002 und Oswald 2008
 
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