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Bedeutung von Film und Kino für das Publikum

Wir wissen, dass es das eine Kinopublikum nicht gibt. Und wir wissen, dass die Kinonutzung und das Bedürfnis ins Kino zu gehen, um sich unterhalten zu lassen und abzuschalten, sich im Laufe eines Lebens verändern. Es stellt sich jedoch die Frage, welchen Einfluss die Filme, die das Publikum im Kino sehen, auf die Lebensführung haben und welche Rolle Kino überhaupt im Leben der Menschen spielt.

Mit medienbiografischen Interviews hat die Autorin dieses Buches das veränderte Kinoverhalten im Laufe des Lebens bei knapp 100 Befragten untersucht. Die Kinobesuchszeit kann demnach in drei Phasen eingeteilt werden: in die Kinokindheit, die kinointensive Zeit und das Ende der Kinobesuche. Die Studie zeigt: In der Kinokindheit werden die Menschen von Kinoerlebnissen geprägt. Wer schon als Kind fasziniert vom Medium Kino war, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er auch in einem höheren Alter noch ins Kino geht. In der kinointensiven Zeit gingen die meisten Befragten regelmäßig oder häufig ins Kino. Vorherrschendes Motiv war die Geselligkeit, der Wunsch, etwas mit anderen zu unternehmen. Das Kino ist ein geeigneter Raum, um sich mit Freunden zu treffen. Ab einem bestimmten Alter bzw. einer bestimmten Lebensphase reduziert sich die Häufigkeit der Kinobesuche jedoch deutlich. Von den 100 Befragten haben 61 Personen irgendwann mit den regelmäßigen Kinobesuchen aufgehört. In den Erinnerungen der Befragten lässt sich hierfür selten ein spezifisches Ereignis oder ein eindeutiges Alter bestimmen. Aber, so ließ sich feststellen, im Alter von 35 Jahren war bei den meisten Befragten die kinointensive Phase beendet. Gründe waren vor allem die Familiengründung und/ oder der Berufsbeginn bzw. der berufliche Aufstieg. Bei einigen Befragten fiel das Ende der Kinobesuche mit einem persönlichen Lebenseinschnitt wie einen neuen Partner, der Geburt eines Kindes oder einem Umzug zusammen. Andere befanden sich in einem anstrengender werdenden Abschnitt ihrer schulischen Weiterqualifikation. Ein Befragter besuchte die Abendschule, um das Abitur nachzuholen, und konnte somit abends nicht mehr ins Kino gehen.

Die Kinobesuche hören in der Regel auf, weil die Befragten keine Zeit mehr haben und in einer neuen Phase ihren Lebens andere Prioritäten setzen. Geschlechtsspezifische Unterschiede werden in dieser Phase sehr deutlich. Das Ende des regelmäßigen Kinobesuchs fällt bei den befragten Frauen wesentlich häufiger mit der Familiengründung zusammen als bei den Männern. Umgekehrt verhält es sich mit der beruflichen Karriere. Bei 13 Männern fiel der Berufseinstieg mit der Kinoabstinenz zusammen, bei Frauen hingegen lediglich in fünf Fällen. Häufig gehen Frauen ab 50 Jahren dagegen wieder vermehrt ins Kino, wenn die Kinder aus dem Haus sind, der Haushalt aufgestellt und die Karriere gefestigt ist.

Ausnahmen von der Norm gibt es bekanntlich immer, so auch im Hinblick auf den Kinobesuch. Cineasten, also Personen, für die von früher Kindheit an der Kinobesuch nicht nur ein geselliger Abend war, sondern ein visuelles Ereignis, von dem sie sich tief beeindrucken ließen, hören nicht auf, ins Kino zu gehen. Für sie ist es in erster Linie Filmkulturgenuss und bedeutet weniger Geselligkeit, und sie können diese Funktion nicht durch andere Geselligkeitsformen wie Grillabende ersetzen. Für Cineasten spielen die Filme und ihre Protagonisten eine wichtige Rolle. Den anderen Kinobesuchern bleiben die einzelnen Filme jedoch eher selten in der Erinnerung. Dies bedeutet, dass sie nur für einen kleinen Personenkreis von Bedeutung sind.

 
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