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Jugendschutz im Kino

Auch wenn die Forschung nicht zu eindeutigen Ergebnissen in Bezug auf potenzielle negative Filmwirkungen kommt, so sind sich Eltern, Politiker, Jugendschützer, aber auch die Filmindustrie einig, dass nicht jeder Film für jede Altersgruppe geeignet ist. Filme können zu brutal sein, können Kinder und Jugendliche erschrecken, ihnen nachhaltig Angst machen. Grausame Bilder können schlaflose Nächte mit schlechten Träumen verursachen, sexuelle Darstellungen können verwirren, und manche (Fäkal-)Wörter kennen Kindergartenkinder noch nicht. Grund genug, Altersbeschränkungen für Filme einzuführen. Nach den Zensurerfahrungen im Dritten Reich entschied sich die Filmindustrie in Deutschland für eine freiwillige Selbstkontrolle; also einem System, das nicht staatlich gelenkt ist, sondern von der Filmwirtschaft selbst gestaltet und kontrolliert wird. Vorbild waren die amerikanischen "Production Codes". In den Prüfgremien wirken neben Vertretern der Filmindustrie auch Abgesandte der Kirchen, einiger Jugendschutzinstitutionen sowie Jugendschutzbehörden mit. Jeder Film, der in Deutschland einem Publikum von unter 18 Jahren gezeigt werden soll, muss zur Begutachtung bei der FSK. Dort wird entschieden, ob der Film für alle Altersgruppen geeignet ist (frei ab 0 Jahren) oder erst für Kinder und Jugendliche ab 6, 12 oder 16 Jahren. Erhält er keine Jugendfreigabe, darf diesen Film nur ein Publikum ab 18 Jahren ansehen. Entscheidende Kriterien für die jeweilige Altersfreigabe sind gewalthaltige Inhalte, sexuelle Bezüge, die Sprache, die Machart sowie der Inhalt (die "Botschaft") der Geschichte. Eine Freigabe ab 0 Jahre bedeutet, dass der Film auch schon für Kleinkinder geeignet ist. Die Prüfkommission achtet auch auf die Schnelligkeit der Schnitte, die Lautstärke und eben den Inhalt des Films. Für Kleinkinder dürfen dabei nicht nur keine Gewalt vorkommen, sondern auch keine indirekten Bedrohungen oder zu starke Beziehungskonflikte. Die Prüferinnen und Prüfer der FSK gehen davon aus, dass je nach Altersstufe unterschiedliche kognitive Fähigkeiten, Medienkompetenzen und Genrewissen vorhanden sind und damit unterschiedliche Filme gesehen werden können.

Die Altersfreigaben dürfen nicht mit einer pädagogischen Empfehlung – im Sinne von "geeignet für diese oder jene Altersgruppe" – verwechselt werden, denn die Alterskennzeichnung ist eher eine Einschätzung, für welche Altersgruppe der Film keine die Entwicklung beeinträchtigenden Wirkungsrisiken darstellen sollte. Sie sind also nur generelle Hinweise; die Eltern müssen selbst die Entwicklung der eigenen Kinder berücksichtigen. Da gerade zwischen den Altersstufen von 6 und 12 Jahren große Unterschiede bestehen, gibt es die Freigabe "ab 12 PG". Filme mit diesem Kennzeichen sind eigentlich erst ab 12 Jahren freigegeben, es werden aber auch Kinder ab 6 Jahren ins Kino gelassen, wenn sie in Begleitung ihrer Eltern (PG = Parental Guidance) kommen. So kann auch der 11-Jährige schon die neueste Folge von Star Wars sehen. Es wäre auch schwer zu vermitteln, warum er noch ein Jahr warten müsste.

Die Altersfreigaben gelten nicht nur für Filme im Kino, sondern auch für Videos, DVDs oder Blu-Rays. Entsprechende Regelungen und Prüfungen gibt es übrigens auch für Computerspiele, Internetinhalte und Fernsehsendungen.

In fast allen Ländern gibt es Institutionen wie die FSK, die Filme unter Jugendschutzgesichtspunkten prüfen. Dabei spielen kulturelle Unterschiede eine große Rolle. In den USA werden beispielsweise sexuelle Handlungen und schon verbale Bezüge auf Sex erst einem wesentlich älteren Publikum zugemutet, während explizite Gewalthandlungen als weniger problematisch für Jugendliche eingestuft werden. Ganz anders in Deutschland: Sexuelle Bezüge irritieren hier weniger, dafür sind die Prüfer viel kritischer gegenüber Gewalt.

 
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