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Analysebeispiel: Blockbuster-Theorie

Die Filmwissenschaft stellt sich beispielsweise die Frage: Was macht aus Filmen einen Blockbuster, also einen kommerziell erfolgreichen Film? Wie unterscheidet sich dieser von anderen Filmen? Kann man so einen Erfolg planen und steuern? Und wenn das möglich ist, warum gibt es dann so viele Flops, also Filme, die nicht erfolgreich sind?

Zahlreiche Erklärungsansätze versuchen Kinokassenhits und DVD-Verkaufserfolge aus ökonomischer Perspektive zu erklären und sogar zu prognostizieren. Aus filmwissenschaftlicher Sicht versuchen die theoretischen Konzepte zu EventMovies, Blockbustern und High Concept-Filmen zu zeigen, warum bestimmte Filme zu Erfolgen werden und warum andere an der Kinokasse floppen. Einige analysieren tiefenpsychologisch die Erzählstrukturen, andere gehen betriebswirtschaftlich orientiert vor und wollen Ergebnisse prognostizieren, indem sie die Fakten wie Stars, Regisseur und Produktionsbudget vergleichen. Wieder andere versuchen mit Forschung und Test-Screenings in den verschiedenen Stadien der Filmproduktion die Risiken zu vermindern.

Allen Konzepten ist gemein, dass sie nicht oder nur schlecht zu Vorhersagen taugen, sondern vor allem im Nachhinein als Erklärung eines kommerziellen Erfolges dienen. Eines bleibt: Filmemachen ist ein riskantes und schwer kalkulierbares Geschäft. Häufig wird solch ein kommerzieller Erfolg der fast ehrfürchtig als "übermächtig" bezeichneten Hollywood-Marketing-Maschinerie zugeschrieben. Doch auch hier zeigt sich, dass selbst mit viel Marketingaufwand aus einem schlechten Film kein Kassenhit wird.

Dennoch verbinden die Blockbuster-Filme einige Aspekte, die hier am Beispiel der Herr der Ringe-Trilogie kurz erläutert werden.

Warum heißt der Film, der ökonomisch sehr erfolgreich ist, "Blockbuster"? Einige Experten gehen davon aus, dass der Begriff aus dem Zweiten Weltkrieg stammt. BlockbusterBomben waren Bomben, die so eine große Durchschlagskraft hatten, dass sie einen ganzen Häuserblock zerstören konnten. Die Analogie besteht darin, dass ein Blockbuster-Film eine ähnliche – emotionale – Kraft hat. Eine andere Erklärung ist einfacher: Sie bezieht sich auf eine lange Schlange mit wartenden Personen, die an der Kinokasse anstehen. Möglichweise ist die Schlange so lang, dass sie um den ganzen Block stehen. In Zeiten vor der Kartenreservierung war dies bei erfolgreichen Filmen häufig der Fall.

Seit den 1950er Jahren verwendet die Filmindustrie den Begriff "Blockbuster" zur Beschreibung eines kommerziell besonders erfolgreichen Films. Erst in den 1970 und 1980er Jahren unternahmen die Studios Versuche, durch strategische Planung diese Erfolge herbeizuführen. Kombiniert wurden dabei ansprechende Geschichten mit den entsprechenden Genres und einem hohen Marketingaufwand.

Die sogenannten Blockbuster-Formel, um mit einem Film mehr als 100 Millionen Dollar einzuspielen, besteht in der Mischung aus bekannten Schauspielern, meistens im ActionGenre, aus Abenteuerelementen und der Möglichkeit, eine Serie daraus zu machen. Das Blockbuster-Genre ist oft eine Mischung aus vielen Genres, was die Wahrscheinlichkeit erhöht beim Publikum Erfolg zu haben. So besteht die Herr der Ringe-Trilogie aus Fantasyfilmund Martial-Arts-Elementen, ist aber auch ein episches Drama.

In diesem Sinne sind Blockbuster fast dazu verurteilt, kommerziell erfolgreich zu sein, da sowohl in die Produktion als auch in die Vermarktung große Summen fließen. Um die Risiken für ein Filmstudio abzusichern, wird die gesamte Verwertungskette eines Films beworben und versucht, an jedem Punkt möglichst viel zu verdienen. Die Verwertungskette beschreibt den Weg eines Films vom Kino, über DVD, Pay-TV bis zum frei empfangbaren Fernsehen (vgl. Kapitel 2 zur Filmindustrie). Dies wird kombiniert mit Spielen zum Film, und der gesamten Merchandising-Welt (Postern, Kalendern, Bettwäsche usw.).

Ein anderer wichtiger Aspekt für den kommerziellen Erfolg ist die Möglichkeit der Serie. Ein Blick ins Kinoprogramm zeigt uns, dass es kaum noch Filme gibt, die nicht eine Fortsetzung in irgendeiner Form sind. Fortsetzungen oder Adaptionen werden in der Fachsprache Franchise genannt. Verfilmungen von Büchern, Comics und Computerspielen haben nicht nur den Vorteil, dass bereits eine existierende Fanbasis besteht, also Rezipienten, die das Buch schon gelesen oder das Spiel gespielt haben, sondern dass viele dieser Geschichten inzwischen Einzug in unsere populäre Kultur gehalten haben. Dieses gemeinsame Wissen unserer Gesellschaft macht es leichter, Adaptionen zu vermarkten. In der Filmwissenschaft vermutet man, dass diesen Filmen die Aufmerksamkeit des Publikums gleichsam innewohnt. Beispiele sind Filme wie Titanic (1997), die Adaption eines historischen Ereignisses; Der Herr der Ringe (2001), eine Buchverfilmung; Spiderman (2002), die Comic-Adaption; Die Simpsons (2007), die Verfilmung einer Fernsehserie; oder Piraten der Karibik (2003), eine Fahrt im Vergnügungspark Disneyland. Sieht man auf die aktuellen Startlisten von Hollywoodfilmen in Deutschland, so ist die Mehrzahl der Filme eine Form von Adaption, nur selten sehen wir Filme, die aus neuen Ideen entstanden sind.

Aber auch die Berücksichtigung der Blockbuster-Formel führt nicht zu einem garantierten Erfolg an der Kinokasse. Ökonomische Flops bereichern die Kinogeschichte, dazu zählen Das Cabinet des Dr. Caligari (1919) oder Cleopatra (mit Elizabeth Taylor 1963), Godzilla (1998) und Catwoman (2004). Ebenfalls als Flop gilt Jackie Chans Adaption des Klassikers von Jules Vernes In 80 Tagen um die Welt (2004). Diese Liste könnte endlos weitergeführt werden. Filmgeschäft ist ein Hochrisikogeschäft – Millionenausgaben fürs Marketing genügen nicht, daneben muss der Film auch gut sein und zur richtigen Zeit kommen.

Fazit

Filmtheorie und Filmanalyse beschäftigen sich mit dem Wesen des Films aus unterschiedlichen Perspektiven. Es hat sich ein eigenes Vokabular entwickelt, das man entsprechenden Lehrbüchern entnehmen kann. Stets geht es um die Story (Geschichte) und wie diese durch das Setting und die Szenografie gezeigt wird. Es geht um Kostüme und Maske, die die Schauspieler tragen, und um die Zusammenstellung der Bilder. Kombiniert mit Spezialeffekten und Ton wird daraus ein Spielfilm. Wenn alles gut gemacht wurde, kann der Film bei uns die verschiedensten Emotionen wie Spannung, Trauer und Freude auslösen.

 
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