Desktop-Version

Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Film und Kino

< Zurück   INHALT   Weiter >

Schnitt und Montage

Die Verknüpfung der einzelnen kurzen Szenen und Einstellungen durch Schnitt und Montage macht erst aus gefilmten Sequenzen einen Film. Wir wissen, dass Filme keine abgefilmten Theaterstücke sind. In Filmen sehen wir Gesichter nah, Kameraeinstellungen zeigen uns die Mimik (Close-up) verschiedener Personen in der gleichen Szene, durch Rückblenden können wir etwas über die Vorgeschichte erfahren, eine Traumsequenz kann eingeblendet werden und vieles mehr. Erst durch das Zusammenfügen der einzelnen Bilder entstehen Bewegung und Erzählung eines Films. Eine bestimmte Zusammenstellung der Bilder ruft bestimme Reaktionen beim Publikum hervor. Durch filmische Experimente aus den 1920er Jahren wissen wir, dass je nach Montage von Bildern unterschiedliche Stimmung erzeugt werden kann. In diesem Experiment, man kennt es als den "Kuleschow-Effekt", wurde einem Publikum immer die gleiche Aufnahme vom Gesichts eines Mannes in unterschiedlichen Kombinationen mit anderen Bildern gezeigt. Kombinierte man den Mann vorab mit einem Bild eines leeren Tellers, so erschien er den Befragten hungrig. Zeigte man vorher ein junges Mädchen, so meinten die Befragten, er sei glücklich. Zeigte man einen Sarg, so nahm man an, er sei unglücklich. Dieses kleine Beispiel veranschaulicht die Kraft der Montage der Bilder, denn erst durch die Montage entsteht aus dem Rohmaterial die Filmwirklichkeit. Unterschieden wird dabei in verschiedene Schnittund Montagearten, dies können harte Schnitte sein, Auf-/Abblenden, Überblendungen oder Trickblenden. Während die harten Schnitte einfache Wechsel der Bilder sind, wird bei der Aufoder Abblende das Bild heller oder dunkler, bis das neue Bild erscheint. Bei Trickoder Überblendungen gehen die neuen Szenen in die alten über. Beachtet werden muss, welche Beziehung die Bilder durch die Montage zueinander bekommen. Das kann ästhetisch sein, räumlich oder zeitlich und rhythmisch. Rhythmik und Dynamik der Schnitte hängen oft mit dem Filmgenre zusammen. So sind Actionfilme schneller geschnitten, um z. B. die Dynamik einer Verfolgungsjagd zu zeigen. Spannung wird erzeugt durch Langsamkeit. Zeitliche Kontinuität kann durch Montage aufgelöst werden, durch Parallel-Montage können wir erfahren, was gleichzeitig in anderen Handlungssträngen des Films geschieht: Während in der einen Einstellung eine Familie ein harmonisches Weihnachtsfest feiert, sitzt in der anderen Einstellung eine andere Filmfigur allein vor dem Fernseher. Neben der Zeit wird damit auch der Raum aufgelöst. Wir können erfahren, was gleichzeitig an verschiedenen Orten passiert. Durch Schnitt und Montage entsteht die Filmzeit, die der realen Lebenszeit nicht entsprechen muss. In Filmen können wir Jahrzehnte in 90 Minuten erleben. Stimmen Filmund Lebenszeit doch einmal überein, dann ist es vielleicht eine künstlerische Entscheidung oder es handelt sich um besondere Formen von Dokumentarfilmen, wie 24 Stunden Berlin.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics