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Filmanalyse

Unabhängig davon, ob es sich bei einem Film um ein Kunstwerk handelt oder um ein Abbild der Wirklichkeit, um einen medialen Inhalt, der erst bei der Rezeption entsteht, oder um ein populäres Unterhaltungsprodukt, stellt sich die Frage, wie man Film analysieren und untersuchen kann. Untersucht man Filme als singuläres Kunstwerk, oder setzt man sie in Bezug zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen sie entstanden sind? Die Filmanalyse hat eine eigene Sprache entwickelt, um formale Bildmerkmale zu beschreiben, die Einstellungen, die Art, wie die Schauspieler in Szene gesetzt werden, aber auch was dieses beim Publikum bewirken wird. Auch für den gesamtheitlichen Blick auf Film, der die Herstellung und die Rezeption durch das Publikum gleichermaßen berücksichtigt, braucht es eigene Instrumentarien und Definitionen, die eng mit der Produktion und dem Dreh von Filmen zusammenhängen. Die folgende kurze Einführung in die rezeptionsästhetische Filmanalyse lehnt sich an das Lehrbuch von Lothar Mikos (2008) an, das für die vertiefende Lektüre empfohlen wird.

Kamera, Schnitt, Licht und Ton: die Ästhetik des Films

Das Besondere an Film sind die bewegten Bilder und wie aus ihnen bei der Betrachtung eine Geschichte entsteht. Deshalb achtet man bei der Filmanalyse darauf, wie und aus welchem Blickwinkel uns etwas gezeigt wird. Erleben wir die Geschichte aus der Gegenwart heraus mit Rückblenden in die Vergangenheit, oder haben wir das Gefühl, gleichzeitig an verschiedenen Orten zu sein? All dies kann mit der Kamera, den Einstellungen und dem Schnitt bei uns erzeugt werden. Diese Mittel steuern unseren Blick und damit die Wahrnehmung des Films. Lenkt die Kamera zum Beispiel unseren Blick auf ein Detail im Hintergrund, wissen wir, dass dieses Detail später wichtig sein wird.

Dabei wird uns Zuschauern nicht die gesamte Handlung der Geschichte in linearer, zeitlicher Abfolge gezeigt, das würde uns langweilen. Uns reichen einzelne Szenen, um einen Film und seine Story zu erschließen. Um die Geschichte und Handlung eines Films zu beschreiben, verwendet man die Begriffe Plot und Story. Sie beschreiben den sichtbaren und unsichtbaren Inhalt eines Films. Dabei steht der Fachbegriff Plot für den tatsächlich gefilmten Inhalt des Films, während Story schon die Rezeption des Publikums miteinschließt, das Wissen der Zuschauer und seine Emotionen. So ist der Plot das, was filmisch zu sehen ist, also der zeitliche Verlauf der Erzählung. Hier kann es vorkommen, dass der Film Handlungsteile ausspart, da die Zuschauer diese selbst erschließen können. Es reicht uns Zuschauern beispielsweise aus, dass eine Person in einer Szene in ein Auto steigt und in der folgenden Szene in einem Wohnzimmer sitzt, um daraus zu schließen, dass hier jemand mit dem Auto an einen anderen Ort gefahren ist. Die Fahrt muss man uns nicht zeigen, dies erschließen wir selber. So geht es den Zuschauern aber auch mit vielen anderen komplexen Erzählaspekten eines

Films. Nicht alles muss explizit gezeigt werden, um von uns zur Story erschlossen zu werden. So kann Film auch Raum und Zeit überwinden.

Ästhetische Mittel wie Kamera, Licht, Montage und Schnitt, Ausstattung, Ton, Musik und Spezialeffekte erzeugen die Story für die Zuschauer. Die Kamera bestimmt, was wir als Zuschauer später im Kino oder auf einem anderen Bildschirm, wie dem Handy, sehen können. Die Kamera lenkt unseren Blick. Sie setzt den Rahmen der Wirklichkeit und bestimmt, was gezeigt wird. Die Kamera "positioniert" den Zuschauer. Mithilfe der Montage wird dann aus den Einzelbildern/Szenen ein Film.

Den Bildausschnitt, den wir zu sehen bekommen, nennt die Fachsprache Kadrage. Sie legt den Rahmen des Bildes fest, also das, was im Bild zu sehen ist – und was außerhalb unseres Blickfeldes bleibt. So wie der Bildausschnitt bestimmt, was wir zu sehen bekommen und was nicht, bestimmen die Einstellungsgrößen Nähe und Distanz zum Gesehenen.

Wird in einer Totalen oder Supertotalen gefilmt, dann sind wir als Zuschauer weit weg vom Geschehen und können einen Überblick bekommen. Ganz nah und detailreich sind Einstellungen wie Close-up oder sogar Extreme Close-up. In seinem Buch "Filmund Fernsehanalyse" zeigt Lothar Mikos (2008) am Beispiel von Titanic (1997) mit Screenshots, wie die unterschiedlichen Einstellungen verwendet werden.

Um die Weite des Meeres zu verdeutlichen und wie klein das Schiff im Verhältnis dazu ist, wird mit einer weiten Panorama-Einstellung nur das Schiff (klein) im weiten Meer ohne Begrenzungen durch Küste gezeigt. Darauf folgt eine Totale, in der nur das Schiff als Ganzes zu sehen ist und die uns den Handlungsort des Films (das Schiff) zeigt. Durch eine Halbtotale, hier werden die Menschen von Kopf bis Fuß gezeigt, lernen wir die Figuren des Films kennen. Mit der Amerikanischen Einstellung sehen wir sie deutlicher, bis eine Nahaufnahme uns auch ihre Mimik erkennen lässt. Zwar wissen wirbei Nah-/Großaufnahmen nicht mehr, wohin die Figur blickt, aber wir erkennen ihre Emotionen und können diese miterleben.

Dieses Beispiel zeigt, wie die Einstellungsgrößen uns unterschiedliche Aspekte einer Handlung näherbringen. Auch die Perspektive, mit der die Kamera auf die Figuren blickt, lässt uns Unterschiedliches wahrnehmen. Blickt eine Kamera von oben auf Figuren, dann wirken diese kleiner und schwächer, während ein Blick von unten die Figur mächtiger wirken lässt.

Im Laufe der Filmgeschichte wurde die Kamera dynamisch, das heißt, Bewegung im Film wurde auch gezeigt. Bei Kamerafahrten begleitet die Kamera das Geschehen parallel, Zooms und Schwenks lenken unseren Blick entweder weg oder fokussieren ihn stärker.

Die Arbeit der Kamera und – überwiegend – des Kameramannes ist nicht zufällig, alle Einstellungsgrößen, alle Schwenks müssen vorgeplant und im Detail vorher ausgearbeitet sein. Legendär ist die Arbeit Alfred Hitchcocks, der durch Storyboards, also gezeichnete Szenen, die Haltung und Einstellung der Kamera genau vorab festlegte. Diese Planung ist wichtig, da mit der Kamera und den unterschiedlichen Einstellungen das Licht gesetzt werden muss. Es spielt eine Rolle, von wo das Licht kommt, ob es einen Schatten oder keinen Schatten werfen soll, ob es hell, dunkel oder halbdunkel ist usw. Mithilfe des Lichts entsteht für uns Zuschauer auch erst das Gefühl der Dreidimensionalität von Filmen. Auch für die verschiedenen Arten von Licht hat sich ein Fachjargon entwickelt.

Normalstil orientiert sich an den alltäglichen Sehgewohnheiten, hell und dunkel sind ausgewogen. Low-Key erinnert an die Gangsterfilme der 1930er Jahre, in denen es düster und dunkel zugeht. High-Key ist oft das Licht von hellen, heiteren Komödien. Licht beeinflusst die Stimmungslage einzelner Szenen oder eines ganzen Films.

 
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