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5. Filmtheorie und Filmanalyse

Dieser Abschnitt beschreibt die Methoden, mit denen man die Filmbilder, die Montage, den Ton, die Geschichte, die Narration und Dramaturgie analysiert. Die Filmtheorie liefert dazu den Blickwinkel und Interpretationsrahmen. In der Filmtheorie gelten Filme meist als Kunstwerke, und man analysiert sie dementsprechend. Die zentrale Frage ist jedoch, ob ein Film ein Kunstwerk ist oder ob es sich bei Film um ein Abbild der Wirklichkeit handelt.

So alt wie das Medium Film ist die Frage, was diese bewegten Bilder eigentlich sind: Handelt es sich beim Film

um bewegte Fotografien, ist er eine Form von Kunstwerk oder gar ein neues Medium? Schon die frühen Theoretiker wollten wissen, wie die Wirkkraft der Bilder entsteht und wie diese analysiert werden sollte. Das "Wesen" des Films galt es zu ergründen. Letztlich stellte sich die Frage: "Was ist Film?", wie es der französische Filmtheoretiker Bazin in den 1950er Jahren formulierte. Die Faszination, die das neue Medium Film ausübte, inspirierte Autoren verschiedenster Fachrichtungen, wie Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Psychologie oder Philosophie, zu ihren Analysen.

Die Frage, aus welcher Perspektive man sich dem Phänomen "Film" nähert, ist insofern wichtig, als die Perspektive die Methoden und Instrumente der Analyse bestimmt. So ist den meisten Filmtheorien und filmanalytischen Zugängen zu eigen, dass sie Film nicht als Massenmedium betrachten, sondern als Kunstform. Eine Betrachtung als Massenmedium würde bedeuteten, dass ein Film ein Kommunikationsinhalt wäre, der auf ein Publikum trifft und erst beim Betrachten die Emotionen und Wirkungen auslöst. Somit müsste immer das Publikum und seine Wahrnehmung berücksichtigt werden. Die meisten Filmtheorien aber rücken den Film als singuläres Kunstwerk in das Zentrum der Analyse. Das bedeutet, der Film, seine Geschichte, die einzelnen Szenen und Einstellungen, die Kameraarbeit, aber auch die Musik werden analysiert wie ein Kunstwerk. Der "Auteur", also der Künstler, hatte dieses Werk verfasst, und es gilt seine Intention zu analysieren. Man erkennt diesen Zugang an der Sprache, die häufig verwendet wird, um Filme zu analysieren. In der Filmsemiotik, einer Theorierichtung, die stark von der Literaturund Sprachwissenschaft beeinflusst ist, wird beispielsweise von einem Film als "Text" gesprochen. Andere Theoretiker stehen der Psychoanalyse nahe und argumentieren mit Begriffen wie "gaze" (dt. der Blick ), um das tranceartige Eintauchen in die Filmwelt bei der Betrachtung zu beschreiben.

 
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