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Wie entsteht ein Film?

Der international wichtigste Filmpreis, der Oscar, wird als Academy Awards von der Academy of Motion Picture Arts and Science seit 1929 verliehen. Die bis zu 25 Kategorien, die der Oscar ehrt, illustrieren die Komplexität des Filmherstellungsprozesses gut. Einteilen lässt sich die Filmproduktion in die Vorbereitungsphase (Pre-Produktionsphase), die Produktionsphase oder Drehphase und die Post-Produktionsphase, also Fertigungsphase. Die im Folgenden beschriebene eher starre und hierarchische Arbeitsteilung betrifft vor allem Hollywoodproduktionen und Filme mit großem Budget; bei Autorenfilmen und Filmen mit kleinen Budgets fließen in der Regel viele Positionen ineinander über und werden von der gleichen Person übernommen. An der Filmproduktion können zwischen 200 und einer Person beteiligt sein, je nachdem, um was für einen Film es sich handelt. Aber der Prozess der Filmherstellung ist immer annähernd gleich. Die Funktionen haben unterschiedlichen Einfluss und Bedeutung. Above-the-Line-Funktionen sind diejenigen Berufe in der Filmproduktion, die im Vorspann eines Films genannt werden, also Produzenten, Regisseure, Drehbuchautoren und Kameramänner. Above-the-Line-Funktionen haben zumeist Männer inne. Below-the-Line arbeiten die jeweiligen – meist weiblichen – Assistenten dieser Funktionen, die Continuity, die Regie-Assistenz oder die Casterinnen. Nur 15 bis 20 Prozent der Projekte haben weibliche Regisseure. So schloss sich im Sommer 2014 eine Gruppe von Regisseurinnen zusammen, um – ähnlich wie die Journalistinnen bei Pro-Quote – darauf hinzuweisen, dass bei der Vergabe von Fördermitteln Projekte mit weiblichen Regisseuren dramatisch unterrepräsentiert sind. Obwohl Frauen fast die Hälfte der Absolventen von Filmhochschulen ausmachen, erhalten sie nur zehn Prozent der Fördermittel. Zu den namhaften Unterzeichnerinnen der Petition für eine geschlechterausgewogene Filmförderung gehören z. B. Doris Dörrie und Connie Walther.

In der Pre-Produktionsphase werden alle Vorbereitungen für den Filmdreh getroffen. Zunächst braucht man eine Idee, eine Story. Die kommt oft von einem Drehbuchautor. Mit der Idee, die in einem Exposé auf wenigen Seiten dargestellt wird, sucht der Drehbuchautor einen Produzenten. Kann er einen Produzenten oder eine Produktionsfirma begeistern, dann vergibt der Produzent den Auftrag, das Drehbuch zu schreiben. Ein Drehbuch unterscheidet sich von anderen Büchern darin, dass die Handlung in Dialogform dargestellt wird und es daneben schon Hinweise auf Drehort, Tageszeit, Mimik der Figuren und so weiter enthält. Die Aufgabe des Filmproduzenten ist es nun, für eine Finanzierung des Projektes zu sorgen, einen Regisseur zu finden und den Dreh zu organisieren.

Da die wirtschaftliche Verantwortung und somit auch das finanzielle Risiko beim Produzenten liegen, hat dieser bzw. die Produktionsgesellschaft, für die er arbeitet, das letzte Wort und profitiert von den möglichen Gewinnen, die ein Film abwirft. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass der Oscar für den besten Film die Produzenten dieses Films auszeichnet und nicht die Regie.

Ist das Drehbuch abgenommen, das heißt sind Filmproduzent und Regie damit zufrieden, kommen die restlichen Mitglieder des Teams dazu: Die Schauspieler werden ausgesucht (gecastet); der Kameramann plant mit seinem Team die Filmeinstellungen/Bilder und organisiert die Technik; die Ausstattung näht die Kostüme und die Szenographen bauen die Bühnenbilder. Auch für Drehbuch, Kamera, Szenografie und Kostüme werden Oscars verliehen. Die Herstellungsleitung und der Produktionsleiter erstellen einen Drehplan. Dieser Plan ist wichtig, da die Dreharbeiten nicht chronologisch dem Buch folgen, sondern alles, was am gleichen Drehort, am gleichen Bühnenbild oder Schauplatz stattfindet, wird an einem Stück gedreht. Dies kann erzählerisch sowohl am Ende des Films, in der Mitte als auch am Anfang sein.

An einem Filmdreh sind bis zu 50, manchmal über 100 Personen beteiligt. Neben Schauspielerinnen und Schauspielern, Regie und Produktionsleitung braucht man noch Kamera, Licht, Ton. Alle diese Funktionen haben Assistentinnen. Außerdem muss fürs Essen gesorgt werden; das macht das Catering (ohne Oscar); den Drehort sperren Hilfsund Security-Kräften ab; die Schauspieler brauchen Make-up, das macht die Maske. Eine Funktion, bei der oft auffällt, wenn die Person ihren Job nicht gut gemacht hat, ist die Continuity, das bedeutet so viel wie "Anschlusskontrolleur". Die Continuity muss darauf achten, dass die Anschlüsse, also die Übergänge im Film stimmen. Hält zum Beispiel ein Schauspieler in einer Szene den Kaffee zunächst in der linken Hand, und in der nächsten Einstellung ist der Kaffee plötzlich in der rechten Hand – hat die Continuity hier nicht aufgepasst. Im Internet listen Fans gern Anschlussfehler in Filmen auf.

Oscars werden vergeben für die besten Schauspielerinnen und Schauspieler (sowohl in Hauptals auch in Nebenrollen), für die beste Kamera, beste Regie, bestes Make-up und Hairstyling. Auch wenn die Filmpreisverleihungen davon leben, dass Schauspielstars in Designer-Roben unter Blitzlichtgewitter über den roten Teppich gehen, muss man sich immer wieder klarmachen, dass nur einer kleiner Anteil der Schauspieler gutes Geld verdienen und die meisten Designer-Roben nur geliehen sind. So können laut Schauspielerverband von den 5000 gemeldeten deutschen Schauspielern nur zwei Prozent von ihren Filmrollen leben, und nur ganz wenige unter ihnen kommen auf ein Jahreseinkommen von mehr als 100 000 Euro.

In der Post-Produktionsphase schneidet man aus den vielen Stunden Filmmaterial einen ca. 90-minütigen Film. Zu Zeiten von Zelluloid, einem teuren Material, war ein Drehverhältnis von 1:4 üblich, inzwischen kann es sein, dass aus 900 Minuten Material ein 90-minütiger Film entstehen muss. Den Filmschnitt übernimmt eine Cutterin. Auch wenn Filme heute nicht mehr aus Zelluloid "geschnitten" werden, sondern man am Computer editiert, nennt man die Position immer noch Filmschnitt. Im Schnitt werden die einzelnen Szenen montiert, sodass eine Geschichte entsteht; man nennt es deshalb auch Filmmontage. Diese Arbeit läuft in enger Kooperation mit der Regie ab. Zeitgleich mit dem Schnitt fertigen andere Teams die Computeranimationen an, falls so etwas in dem Film vorkommt. Diese sind oft sehr aufwändig und erfordern viel Zeit. Je nach Film sind viele oder wenige Special Effects nötig. Ist ein Film montiert, kommt der Ton hinzu. Auch hier bestehen mehrere Varianten: Es gibt den Originalton, z. B. die Gespräche der Schauspieler, dazu kommen Töne wie Autortüren, die zugeschlagen werden, oder andere Hintergrundgeräusche. Ist der Ton fertig, fügt man die Filmmusik hinzu. Für Schnitt, Special Effects, Ton und Musik erhalten die Verantwortlichen jeweils unterschiedliche Oscars.

Üblicherweise vergehen 24 bis 36 Monate, bis aus einem Drehbuch ein fertiger Film entstanden ist. Die eigentliche Drehzeit, ungefähr 30 Tage bei einem 90-minütigem Film, ist dabei der kürzeste Zeitraum. Bei kleineren Produktionen und beim sogenannten Independentoder Autorenfilm liegen Drehbuch, Regie und manchmal sogar auch die Produktion in einer Hand. Viele der deutschen Regisseure, wie etwa Doris Dörrie, schreiben ihre Drehbücher selbst. Ist der Film fertig, übernimmt der Filmverleih die weiteren Aufgaben.

 
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