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Der Weg zum Geld: Filmfinanzierung und Filmförderung

Ein Kinofilm erwirtschaftet nicht nur an der Kinokasse Umsatz, sondern auch durch den Verkauf und Verleih von DVDs und Videos, den Verkauf von Fernsehrechten und Lizenzen für Merchandising-Artikel. Schon bei der ersten Kalkulation berücksichtigen die Firmen den Wert des Verkaufs der sogenannten Nebenrechte (z. B. auf DVD oder via Internet).

Mit den Nebenrechten machen sie die eigentlich lukrativen Geschäfte. In Deutschland werden sogar zwei Drittel des

Abb. 2 Die Verwertungskette der "Herr der Ringe"-Trilogie, Deutschland

Kino

1

1

2

2

3

3

DVD-/Video-Verleih

1

2

3

Kauf-DVD/Video

1

1

2

2

3

3

Kauf-DVD Extended)

1

2

3

Pay-per-View

1

2

3

Pay-TV

1

2

3

Free-TV

1

2

3

Monate

0

6

9

13

14

21

24

30

40

48

52

64

1 = Die Gefährten, 2 = Die zwei Türme, 3 = Die Rückkehr des Königs Eigene Recherchen, veröffentlicht in Mikos, Eichner, Prommer, Wedel 2007, S. 58

Umsatzes mit dem Verkauf und Verleih von Filmen, sei es auf DVD, Blu-Ray oder als Datenstream, erzielt. Nicht miteingerechnet sind die Fernsehrechte, deren Höhe meist nicht veröffentlicht wird; man schätzt jedoch, dass sie ungefähr ein Viertel des Umsatzes ausmachen. Das meiste Geld stammt also nicht aus dem Ticket-Verkauf an der Kinokasse. So erwirtschaftete beispielsweise die Herr der Ringe-Trilogie noch einmal in etwa die gleiche Summe durch den Verkauf der DVDs und der verschiedenen Lizenzen für Spiele und Merchandising-Artikel, zu den an der Kinokasse eingespielten 2,9 Mrd. US-Dollar hinzu. Nach Angaben der Verleihfirma New Line Cinema ergab das zusätzliche Einnahmen von etwa drei Milliarden US-Dollar.

Die Filmwirtschaft nennt dies die Verwertungskette eines Films. Das ist die zeitliche Abfolge von Kino, DVD-/Blu-Ray-Verleih und -Verkauf. Dazu zählen auch alle Video-/Interneton-Demand-Dienste, außerdem Ausstrahlungen im Bezahlfernsehen (wie Sky) und Free-TV (wie ARD oder RTL). Die ersten sechs Monate ist ein Kinofilm nur im Kino zu sehen, anschließend kommt er in den Verkauf und Verleih, zwölf Monate nach dem Kinostart kann er im Bezahlfernsehen gezeigt werden und in der Regel erst 24 Monate nach Kinostart im frei empfangbaren Fernsehen. In jedem Zeitfenster kann mit einem Film Geld verdient werden.

Zwar ist das sogenannte Kinofenster in Deutschland sechs Monate lang, aber das eigentliche Leben eines Films an der Kinokasse ist viel kürzer. In der Regel entscheidet das Startwochenende über den zukünftigen Erfolg eines Films. Für den Verlauf der weiteren Auswertung spielt der Erfolg an der Kinokasse eine große Rolle: Je besser ein Film im Kino läuft, desto größer ist die Nachfrage nach DVDs, Blu-Rays und Streamings; es werden mehr Merchandising-Artikel verkauft und die Einschaltquote im Fernsehen ist entsprechend hoch.

Für deutsche Filme gilt: Nur wenige spielen zumindest ihre Produktionskosten an der Kinokasse ein. Da aber der Erfolg des Abverkaufs von DVDs von einem Erfolg im Kino abhängt, ist auch dieser Teil der Verwertungskette für deutsche Filme nicht mit großen Umsätzen verbunden. Eine Refinanzierung der deutschen Filmindustrie alleine durch wirtschaftliche Umsätze scheint schwer möglich zu sein.

Neben der wirtschaftlichen Filmfinanzierung existiert in Deutschland und in den meisten Ländern Europas eine Filmförderung. Filmförderung berücksichtigt den Doppelstatus, den der Film hat. Zum einen ist er ein kommerzielles Produkt, das arbeitsteilig hergestellt und professionell vertrieben wird, zum anderen ist ein Film aber auch ein Kunstwerk und gehört zum Kulturgut eines Landes. So gibt es also eine kulturelle Filmförderung auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist auch die Medienindustrie – als Kulturindustrie – förderungswürdig, weil sie sehr viele Arbeitsplätze bietet. Deshalb spielen bei der Filmförderung sowohl künstlerische als auch wirtschaftliche Aspekte wie Besucherpotenziale eine Rolle. Manche Filme werden sich niemals an der Kinokasse rechnen, zählen aber zum Kulturgut eines Landes. Filmförderung ist in dem Sinne eine Kulturförderung, ohne die beispielsweise auch Opernhäuser und Theater ihren Betrieb kaum aufrechterhalten könnten. Derzeit besteht deutschlandweit ein Fördervolumen von 350 Millionen Euro, alle Landesförderungen und die Bundesförderung zusammengerechnet. Beachtenswert ist hier, dass davon nur 80 Millionen Euro direkt aus Steuermitteln stammen. Die anderen Mittel für Filmförderung kommen zum Teil aus dem Verkauf der Kinokarten und den Abgaben der Fernsehveranstalter. Mit diesen Geldern entstehen die meisten der jährlich 200 Filme, die in Deutschland produziert werden. Die Summe entspricht ungefähr der Förderung von vier Opernhäusern. Zum Vergleich: Die Münchner Staatsoper hat einen Jahresetat von 80 bis 90 Millionen Euro; die Berliner Opernhäuser erhalten allein vom Berliner Senat ungefähr 120 Millionen Euro pro Jahr.

 
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