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Filmproduktion

Bevor wir einen Film im Kino sehen können, muss dieser hergestellt, also produziert werden. Bekannt sind amerikanische Produktionsfirmen wie Paramount, 20th Century Fox, Warner Brothers oder Universal Studies. Sie zählen zu den sogenannten amerikanischen Major Studios und stehen bei uns für das "Hollywood-Kino" – dabei sitzen die Firmen oft gar nicht mehr in Hollywood, einem Stadtteil Los Angeles, sondern in Burbank oder Century City. Die Major Studios blicken auf eine lange und bedeutende Vergangenheit zurück. Sie haben in den 1920er und 1930er Jahren die Filmproduktion industrialisiert und perfektioniert. Inzwischen sind sie oft Teile von globalen Medienkonzernen. So gehört Warner Brothers beispielsweise zum Time Warner-Konzern. Sie machen mehrere Milliarden Umsatz und beschäftigen Heerscharen von Mitarbeitern. Bekannte Filme aus der Warner-Produktion sind die Harry-Potter-Reihe (2001–2011), aber auch der Klassiker Casablanca (1942). Ein anderer US-Major ist 20th Century Fox, der die bekannten Filmreihen wie Star Wars, Ice Age (2002–2013), Stirb langsam (1988), oder auch Kevin – Allein zu Haus (1990) produziert hat.

In den USA werden die Majors auch als "Filmstudios" bezeichnet, denn ihnen gehören die Hallen und Flächen, wo die Filme gedreht werden. Auf Filmstudio-Touren hat die Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich diese Studios ansehen. Die Universal Studios haben auf diese Weise einen lukrativen Entertainmentpark geschaffen.

Auch in Deutschland gibt es große Filmstudios. Legendär ist das älteste: Studio Babelsberg vor den Toren Berlins. Dort fiel 1912 die erste Klappe. Seit der Gründung werden Filme von wechselnden Firmen in wechselnden Gesellschaftssystemen produziert: während der Weimarer Republik, zu Zeiten des Nationalsozialismus und der DDR sowie jetzt im wiedervereinigten Deutschland. Nach etlichen Besitzerwechseln ist die Studio Babelsberg AG im Wesentlichen Bereitsteller der Filmproduktionshallen und Studios. Als kreative Filmproduzenten ist Studio Babelsberg eher selten aktiv. Die anderen wichtigen Filmstudios sitzen in einem Vorort von München, die Bavaria Studios. Auch die Bavaria ist keine Filmproduktionsfirma oder ein Major Studio im amerikanischen Sinne. Als hundertprozentige Tochter von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern produziert sie mit ihren vielen Unterfirmen überwiegend fürs Fernsehen.

In Deutschland existieren nur einige wenige größere Filmproduktionsgesellschaften. Die meisten der jährlich rund 200 Kinofilme werden von kleinen Firmen mit wenigen Mitarbeitern hergestellt. Einige Produktionsfirmen gründen sich sogar nur für die Produktion eines einzigen Films. Da es sich eine Filmproduktionsfirma in der Regel nicht leisten kann, ausschließlich fürs Kino zu produzieren, stellt sie auch Filme und Serien fürs Fernsehen her. Es lässt sich schwer beurteilen, wie viel Umsatz mit dem eigentlichen Kinofilm erlöst wird. Genaue Zahlen werden nicht oder nur grob kategorisiert veröffentlicht. Zu den bekannteren und größeren Filmproduktionsfirmen in Deutschland gehören beispielsweise die Constantin Film in München oder das X-Filme Creative Pool in Berlin. Die Constantin Filmproduktion ist dafür bekannt, dass sie auch international kommerziell erfolgreiche Filme produziert. Constantin-Filme sind Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders (2006), Fack ju Göhte (2013) oder die Resident Evil-Reihe (2002–2012). Die Firma X-Filme ist in den 1990er Jahren aus einem Kollektiv von Filmemachern entstanden, die den Anspruch hatten, Kunst und wirtschaftlichen Erfolg zu kombinieren. Das ist dem Team auch in vielen Fällen gelungen. Bekannte Filme sind Lola rennt (1998), Alles auf Zucker (2004) oder Good bye Lenin (2003).

Die heute in Potsdam ansässige Firma UFA GmbH ist Rechtsnachfolgerin der berühmten Universum-Film AG (UFA), die in den 1920er bis 1930er Jahren viele Filmklassiker wie Metropolis (1927) oder Die Feuerzangenbowle (1944) produzierte. Die heutige UFA ist bekannt für Fernsehfilmproduktionen und Daily Soaps wie Gute Zeiten, schlechte Zeiten, seit einigen Jahren aber auch für Kinofilmproduktionen wie Hanni und Nanni (2010) oder Der Medicus (2013). Sowohl bei der UFA, deren Umsatz auf 300 Millionen Euro geschätzt wird, als auch bei der Constantin, die laut Geschäftebericht einen Erlös von rund 400 Millionen Euro pro Jahr macht, hat der Kinofilm nur einen kleinen Anteil an der wirtschaftlichen Tätigkeit. Der größte Umsatz wird mit Fernsehproduktionen erzielt. Zahlen für kleine Firmen sind nicht auffindbar. Viele der kleineren deutschen Filmproduktionsfirmen erwirtschaften jedoch nur wenige Millionen Euro. Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 erlösen 68 Prozent der Produktionsfirmen einen Umsatz von unter 5 Millionen Euro. Umgekehrt bedeutet dies, dass nur ein Drittel der Filmproduktionsfirmen mehr umsetzt, und davon nur eine Handvoll überhaupt mehr als 10 Millionen Euro. Dies steht im Gegensatz zur milliardenschweren Filmindustrie in den USA.

Nicht nur in der Anzahl der Filmproduktionen und den Firmengrößen unterscheiden sich die amerikanische und die deutsche Filmindustrie, auch bei den Produktionskosten der Filme bestehen gewaltige Unterschiede. Genaue Zahlen über die Höhe der Filmbudgets werden wie in den USA auch in Deutschland nur selten veröffentlicht. Derzeit dürfte der durchschnittliche deutsche Kinofilm aber ein Produktionsbudget, also Kosten, von 3 bis 5 Millionen Euro haben. Ausnahmen nach oben sind vereinzelt möglich, wie das Parfum (2006) mit 30 Millionen oder Cloud Atlas (2012) mit 100 Millionen. Doch so wie es diese extremen Ausreißer nach oben gibt, sind auch Ausnahmen nach unten möglich, wie Dicke Mädchen (2011) von Axel Ranisch, der mit einem Budget von 500 Euro auskam. Standard für erfolgreiche Kinofilme sind eher 5 bis 6 Millionen Euro, die beispielsweise der Kassenhit aus dem Jahr 2013 Fack ju Göhte gekostet haben soll. Die SPIO, die deutsche Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, veröffentlicht jährlich die dazu verfügbaren Daten.

Im Vergleich dazu kostet ein durchschnittlicher Hollywood-Film um die 100 Millionen Dollar. Auch hier sind Abweichungen nach oben für die Blockbuster möglich. Diese kosten eher um die 300 Millionen Dollar, beispielsweise Titanic (1997), die Spider-Man-Filme (ab 2002) oder die Piraten der Karibik-Reihe (ab 2003). Actionfilme benötigen schon allein durch die Spezialeffekte und Computeranimationen ein großes Budget. Auf verschiedenen Webseiten von Filmfans findet man inflationsbereinigte Listen der teuersten Filme aller Zeiten. Je nachdem wie dies gerechnet wird, zählt auch der Klassiker Cleopatra mit Liz Taylor aus dem Jahr 1963 dazu. Aber natürlich werden in den USA auch Low-Budget-Filme gedreht, also Filme mit einem kleineren Kostenvolumen, und zwar von kleinen unabhängigen, also nicht zu den globalen Konzernen gehörenden Produktionsfirmen.

 
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