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7.6.2 Sigmar Polke(13. Februar 1941 in Oels, Niederschlesien –10. Juni 2010, Köln): Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann, 1969

Abbildung 7.4 Sigmar Polke: Maschine, mit der eine Kartoffel eine andere umkreisen kann (1969) 40×80×40 cm. Quelle: Staeck (2011), S.143.

Bildnerische Mittel

� Materialerfahrung

Für die Herstellung des Objekts, das die Maße 40×80×40 cm (vgl. Staeck 1969) aufweist, wurde hauptsächlich Holz verwendet: vier eckige Holzlatten von ca. 80 cm Länge, eine Tischlerplatte, fünf kleinere eckige, dünne Holzplatten sowie vier Rundhölzer. Weitere Bestandteile des Objekts sind ein weißer Schalter aus Kunststoff, ein rotes Gummiband, eine runde Metallscheibe, um deren Rand herum eine abgerundete Einkerbung verläuft, ein Metallstab, ein rundes, flaches Metallplättchen mit einem Loch in der Mitte, vier dünne Metalldrähte, vier Schraubösen, mehrere Schrauben, eine Flügelschraube sowie zwei Kartoffeln.

� Werktechnische Erfahrung

Die einzelnen Elemente des Objekts erfuhren mithilfe von Schrauben und vorgebohrten Löchern eine Verbindung miteinander. Weitere Elemente wurden durch vier Drähte in Position gebracht, welche man durch Wicklung miteinander befestigte.

Die Kartoffel am unteren Ende des Metallstabs ist aufgesteckt und durch eine Flügelschraube fixiert.

� Gestalterfahrung

Grundlegende Deskription der Gestalt

Vier leicht schräg angeordnete glatte, längliche, eckige Elemente (im Folgenden vier längliche Elemente genannt) bilden in Verbindung mit einer glatten, rechteckigen, fast quadratischen Fläche (im Folgenden eckige Fläche genannt) eine Konstellation, die in ihrem Innenraum, welcher durch die vier länglichen Elemente gebildet wird, eine abgerundete, im unteren Drittel gebogene Linienform aufweist. Diese ist im Vergleich zu den vier länglichen Elementen als dünn zu bezeichnen (im Folgenden dünne Linienform genannt). Den Abschluss der dünnen Linienform bildet eine rundformige Fügung, die eine unebene Oberfläche aufweist. In unmittelbarer Nähe zu dieser Form, in der Mitte der von den vier länglichen Elementen abgegrenzten Fläche auf dem Boden liegend, befindet sich ein weiterer Zusammenhang dieser Art in etwas größeren Abmessungen. Die vier länglichen Elemente weisen eine hellbraune Färbung mit einer leicht rötlichen Tönung sowie einer senkrecht verlaufenden, streifenförmigen Maserung auf. Die eckige Fläche besteht aus mehreren, im Vergleich dazu helleren Brauntönen, welche ins Gelbliche spielen und in leicht gewellter Form auf der Fläche verlaufen. Im rechten vorderen Bereich dieser Fläche sind graue Zeichen angebracht. Am Kantenumlauf grenzen mehrere rechteckige Formen an; sie lassen unterschiedliche Brauntöne sowie ebenfalls senkrecht verlaufende, jedoch dünnere Maserungen erkennen. Darunter befindet sich eine weitere dünne Eckform in demselben Farbton wie die obere. Die dünne Linienform besitzt eine dunkelgraue, fast schwarze Tönung.

Zwischen den vier länglichen Elementen sind in deren oberem Drittel vier quer verlaufende runde, lange Elemente verortet (im Folgenden Querelemente genannt), deren Dicke um mindestens die Hälfte geringer ist als die der vier länglichen Elemente. Der Braunton ähnelt dem der genannten Elemente, zeigt jedoch eine etwas hellere Färbung. Ausgehend von den vier Ecken, an denen die Querelemente und die vier länglichen Elemente aufeinandertreffen, verlaufen dünne, silbergraue, strichartig erscheinende Formen (im Folgenden Strichformen genannt) hin zur Mitte. Sie weisen keinen geraden Verlauf auf wie die genannten glatten Elemente, sondern zeigen sich in leichten Krümmungen und Biegungen. Eine runde, flache Form, durch welche die dünne Linie hindurch läuft, ist mit den Strichformen verbunden.

In der Mitte der eckigen Fläche befindet sich eine runde, matt-goldfarbene Form, um deren Rand herum eine abgerundete Einkerbung verläuft (im Folgenden rundes Teilstück genannt). Rechts daneben wird ein rechteckiges Element sichtbar, auf dessen Oberfläche sich in der linken Ecke ein weißer, runder, länglicher Aufsatz befindet. Er besteht aus einer breiteren unteren und einer schmaleren oberen Hälfte (im Folgenden weißer Aufsatz genannt). Die Farbe des rechteckigen Elements besitzt einen deutlich gelblicheren Farbton als die eckige Fläche und weist keine wellenförmige Struktur auf, wodurch sich ein relativ gleichmäßiger Farbton ergibt. Durch eine Öffnung im rechteckigen Element auf der Höhe des runden Teilstücks führt an zwei Stellen der Öffnung eine rote Form in ähnlicher dünner Ausführung wie die Strichformen hinein bzw. hinaus (im Folgenden dünnes rotes Element genannt). An der Vorderund Hinterseite des runden Teilstücks besteht ebenfalls eine Verbindung mit der roten Form.

Formverbindungen

Das Objekt weist folgende Formverbindungen auf: Das rote dünne Element stellt zum einen eine Verbindung her von dem runden Teilstück in der Mitte der eckigen Fläche zu dem rechteckigen Element rechts auf der Fläche. Das runde Teilstück wiederum schafft die Verbindung von der dünnen Linienform und den unten verorteten rundlichen Formen zu dem rechteckigen Element auf der eckigen Fläche. Die vier Strichformen verbinden die vier länglichen Elemente sowie die vier Querelemente mit der dünnen Linienkonfiguration.

Formkontraste

Die eckigen Bestandteile des Objekts bilden aufgrund ihrer glatten Oberfläche und ihren geraden Kantenverläufen einen Formkontrast zu den beiden rundlichen Formen unten und zu den in der Mitte des Objekts verorteten runden Formen, nämlich zu dem runden Teilstück, der runden, dünnen Linienform, zu der runden, flachen Form. Durch diese verläuft die dünne Linienform und bewegt sich hin zu den vier Strichformen, die einen nicht ganz geraden Verlauf aufweisen.

Farbkonstellation

Es sind zwei Gruppen zu benennen: die vorherrschenden, insgesamt eher hellen, zum Teil gelblichen bzw. rötlichen Brauntöne stellen eine Verbindung zwischen den einzelnen Bestandteilen des Objekts in dieser Färbung her. Die zweite Gruppe bilden die dunkleren Teile des Objekts. Dazu zählen das runde Teilstück oben auf der eckigen Fläche, die dunkle dünne Linienform sowie die beiden dunkelbraunen rundlichen Formen im unteren Bereich des Objekts.

Farbkontraste

Die beiden genannten Gruppen bilden neben dem Formauch einen Farbkontrast. Die beschriebenen Kontraste zwischen den eckigen, dünnen Elementen und den rundlichen bzw. abgerundeten Elementen lassen sich ebenso auf die farblichen Kontraste beziehen.

Insgesamt bewegt sich die Farbgestaltung innerhalb der Familie Gelb-Braun. Rund und eckig verhält sich so wie hell und dunkel zueinander. Also haben wir hier im Wesentlichen einen Helldunkelkontrast und keinen der klassischen Farbkontraste vorliegen.

Horizontale und vertikale Gestaltungselemente

Folgende horizontalen und vertikalen Gestaltungselemente weist das Objekt auf: Die vier länglichen Elemente stellen die längsten Teile des Objekts dar. Dadurch und aufgrund des im Vergleich etwas dunkleren Brauntons sowie unterstützt durch die senkrecht verlaufende Maserung ergibt sich eine Betonung der Vertikalen, die verstärkt wird durch die ebenfalls senkrecht verlaufende dünne Linienform in der Objektmitte. Diese tritt zudem durch ihren dunklen Farbton in den Vordergrund. Eine weniger auffällige, aber dennoch vorhandene Unterstützung der Vertikalen wird durch den weißen Aufsatz erzeugt, der sich auf dem rechteckigen Element befindet.

Die vertikale Gestalt erhält ein leichtes Gegengewicht durch die horizontal ausgerichteten Objektteile: die vier Querelemente, die vier Strichformen sowie die eckige Fläche, die den Abschluss des Objekts bildet. Ein weiteres, ebenfalls eher schwaches Gegengewicht wird durch die rechteckige Form geschaffen. Es dominiert jedoch eindeutig die vertikale Linienführung.

Innerhalb dieser vertikalen Gestalt findet eine Hervorhebung der Mittelachse des Objekts statt, welche durch das mittig angeordnete runde Teilstück auf der eckigen Fläche, durch die ebenfalls in der Mitte verlaufende dünne Linienform sowie durch die auf dem Boden liegende, rundliche Form geschieht. Auf diese rundbogige Form läuft die dünne Linienform zu, bevor sie eine Biegung vollzieht. Die vier Strichformen sind ebenfalls zur Mitte hin ausgerichtet und tragen dadurch zur Akzentuierung derselben bei.

Aufgrund dieser Ausrichtung innerhalb der dominierenden Vertikalen sowie unterstützt durch den braunen, dunklen Farbton, welcher die Form in den Vordergrund treten lässt, bildet die unten mittig gesetzte, braune, rundformorientierte Anlage den Mittelpunkt des Objekts.

 
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