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5.2 Analyse und Interpretation:

„Großes rotes Bild“ von Emil Schumacher

Das „Große rote Bild“ wurde 1965 von Emil Schumacher gemalt. Es befindet sich im Besitz der Kunstsammlung NRW, hängt im K20 in Düsseldorf und hat die Maße 1,50m×2,70m.

Abbildung 5.1 Emil Schumacher, „Großes rotes Bild“ – 150×240 cm, erworben 1965, Inv.-Nr. 168, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Foto: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. © VG Bild-Kunst, Bonn 2015

5.2.1 Lesartenkonstruktion

Zum Bild werden gedankenexperimentelle Konstruktionen, sinnvolle Kontexte, „Lesarten“ entwickelt. Als Basis dient dabei die Frage: In welchen sinnvollen Zusammenhang könnte man das „Große rote Bild“ stellen? Welche Bedeutungen könnte das Bild haben? Grundlage für dieses Vorgehen ist die Inanspruchnahme des intuitiven Regelwissens über das die Betrachter, gemäß der Methode der Objektiven Hermeneutik, verfügen. Die folgenden Lesarten wurden im Rahmen von verschiedenen Seminaren von Studentengruppen der FernUniversität Hagen entwickelt.

1. Lesart: Das Bild erinnert an ein zerstörtes Gesicht.

2. Lesart: Das Bild zeigt den Blick von oben auf eine Landschaft.

3. Lesart: Die schwarzen Bildelemente erinnern an Flüsse und Meere, an Bewegung und Ruhe.

Bei den Lesarten 1 bis 3 wird versucht, etwas Gegenständliches wiederzuerkennen. Dies entspricht unserem Alltagsverhalten, wo wir optische Eindrücke, die wir nicht zuordnen können, versuchen, auf einen Begriff zu bringen, damit wir sie

„begreifen“ können. Hier werden Körperteile (Gesicht, Auge) „erkannt“, aber auch und Landschaftsteile, wie Fluss oder Meer. Das wiedererkannte Gegenständliche wird außerdem verbunden mit Bewegung und Ruhe.

4. Lesart: Das Bild erinnert an Feuer, Glut, Wärme, Explosives, Vulkanisches. Bei dieser Lesart wird nicht mehr eindeutig Gegenständliches „erkannt“, sondern es wird in der Weise abstrahiert, dass Verbindungen zu Mineralischem, Geologischem oder Glühendem hergestellt werden. Ebenfalls hat diese Lesart Bezüge zu Bewegung oder Ruhe, bzw. zur Zerstörung.

5. Lesart: Das Bild ist der Ausdruck einer Gefühlslage, es entstand als Abreaktion von Aggressionen oder eines Erlebnisses.

Diese Lesart fasst das Bild als Produkt einer Handlung, die als „spontan“ bezeichnet wird. Sie wurde ebenso häufig wie die obigen Lesarten genannt.

6. Lesart: Das Bild bedeutet nichts, zeigt nichts, denn es ist zufällig entstanden. Diese Lesart wurde als Kontrastmittel zu den vorigen Lesarten entwickelt, um zu untersuchen, ob sich nachweisen lässt, dass es sich bei diesem Bild um ein Zufallsprodukt handelt. Dabei zeigt diese Lesart mehrere Aspekte: Zunächst wurde das Bild als zufälliges Ergebnis betrachtet, das vor dem eigentlichen Gestaltungsakt entstanden sei. Danach wurde dem Künstler ein Gestaltungsprozess unterstellt, der ohne Plan, Absicht und Ziel verlief. Schließlich wurde vermutet, dass der Künstler das „Durcheinander“ intendierte.

 
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